| Kunstglas aus Naumburg gibt es weltweit - Kooperation mit Neo Rauch |
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| Donnerstag, 13. November 2008 um 07:00 Uhr | ||
Kunstglas, Naumburg, Neo Rauch
Kunstglas aus Naumburg gibt es seit mehr als 150 Jahren. Weltweit befinden sich in Kirchen, Kulturpalästen, Hotels oder auf Schiffen Fabrikate aus den Glaswerkstätten der Domstadt. Ob nun Bleiglasfenster, Glaswappen, Antikspiegel oder aufwendig fabrizierte Glaslampen - der Chef der kleinen Firma Domglas Naumburg, Lutz Gärlich, stellt sich jeder Herausforderung. Von einem Kunden gleich um die Ecke kam der wohl spektakulärste Auftrag der Nach-Wende-Zeit. Die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg beschlossen, die neuen Glasfenster für die Elisabethkapelle im Naumburger Dom von Neo Rauch gestalten zu lassen. Das Team um Gärlich setzte die Entwürfe des Leipziger Malers auf Glas um. «Rauch kam während dieser Arbeiten mehrfach zu uns und war zufrieden, es war eine angenehme Zusammenarbeit», schwärmt die Glasmalerin Martina Gärlich, Tochter des Firmenchefs. Die drei Rundbogenfenster - 1,40 Meter hoch und 50 Zentimeter breit - aus rubinrotem, mundgeblasenem Glas locken seit Dezember tausende Neugierige in die Elisabethkapelle. «Regelmäßig ruft uns jemand an und will durch den Dom geführt werden oder eine kleine Kopie der Rauch-Bilder haben, zum Beispiel als Abziehbild oder kleines Fensterchen», sagt die Glasmalerin. Vermarkten darf die Kunstglasfirma die Motive mit verschiedenen Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth aber nicht. Die Vereinigten Domstifter zu Merseburg, Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz schätzen die Arbeit der Gärlichs schon seit Jahrzehnten. «So lange hier in Naumburg und in Merseburg an den Fenstern gearbeitet wird, ist die Firma mit Kompetenz vertreten», sagt die Sprecherin der Domstifter, Kerstin Wille. Das Interesse an den Rauch-Fenstern sei auch knapp ein Jahr nach dem Einbau noch groß. Kirchen spielen für Gärlichs schon immer eine spezielle Rolle. Als Lutz Gärlich 1966 von Leipzig nach Naumburg zog, um dort die Kunstglaserei «Seyfarth & Isenmann» zu übernehmen, hat er mit Fenstern für 15 Kirchen in Mecklenburg begonnen. «In den 80er Jahren haben wir fast 20 Kirchen im Eichsfeld restauriert», sagt er. Auch die Fenster der Christuskirche in Windhuk (Namibia) tragen Spuren aus Naumburg. In den meisten Fällen sind die Glas-Experten auch für den Einbau der Fenster zuständig. «Dann heißt es: Fenster ausbauen, schweißen, Löcher bohren, Eisen bohren, Mörtel anrühren...», beschreibt die Tochter des Chefs. Zu DDR-Zeiten hat der Kunstglaser die Säle auf schwedischen Hotelschiffen mitgestaltet, bleiverglaste Lampen für den Berliner Friedrichstadtpalast, das Gästezimmer von Kurt Masur in einem Leipziger Hotel, die Oper in Vilnius und den Kulturpalast Kuwait hergestellt. «Diese Aufträge hatte alle ein Architekt in der Hand, mit dem ich kooperiert habe», sagt der Kunsthandwerker. Nach der Wende brach zwar dieses Geschäftsfeld zusammen, aber neue eröffneten sich. Zum Beispiel mussten Fenster auf «West»-Sicherheitsstandard gebracht werden, etwa im «Gotischen Haus» im Gartenreich Dessau- Wörlitz, das zum Unesco-Welterbe gehört.
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