| Beuys und Lehmbruck als künstlerische Begegnung - Suche nach der Form |
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| Freitag, 14. November 2008 um 08:26 Uhr | ||
Wilhelm Lehmbruck, Beuys, Lehmbruck Museum D er verblüffenden künstlerischen Verwandtschaft zwischen dem 1881 in Duisburg geborenen Expressionisten und dem «Kunstschamanen» Beuys spürt jetzt erstmals eine Ausstellung nach. Die Schau «Lehmbruck - Beuys. Zeichnungen» ist im Duisburger Lehmbruck-Museum von Sonntag an bis zum 4. Januar zu sehen.
Die rund 100 Zeichnungen, einige davon erstmals öffentlich gezeigt, belegen, dass der 1919 gestorbene Lehmbruck und Beuys auch über den Abstand einer ganzen Generation hinweg ähnliche Strategien bei der Suche nach der idealen plastischen Form verfolgten. In Einzelfällen ist nur schwer zu unterscheiden, wer von den beiden das Blatt gezeichnet hat.
Ausgangspunkt und Ansporn war für beide zeichnend die Natur und das Vorbild der italienischen Renaissance: Um die Jahrhundertwende entstanden Lehmbrucks «Knochenstudien», 1940 ebenfalls noch naturalistisch das Beuys-Blatt «Fische». Der Duisburger orientiert sich an Raffael, zeichnet ganz klassisch in Rötel einen lieblichen «Frauenkopf» (1911). Die berühmten Zeichnungen von Beuys zu Leonardos wiederentdeckten «Codices Madrid» (1975) sind hingegen von dem offenen Strich beherrscht, der sich auch bei Lehmbruck vor allem unter dem Eindruck des Weltkrieges und des Expressionismus einstellt.
Während Beuys allerdings seine Akte, Mädchenfiguren oder «Porträts» der 50er und 60er Jahre mit spitzem Bleistift zu sezieren scheint, eine symbolische Anatomie aus Nervenbahnen, Sehnen und Knochen freilegt, kämpft sich Lehmbruck zur offenen Form regelrecht durch. Vier Studien zum Kopf der Schauspielerin Elisabeth Bergner belegen, wie sehr er etappenweise von einer noch akademischen Bearbeitung zur fast abstrakten Umrisszeichnung vorstößt.
Erstaunlich bleibt das Lehmbruck-Blatt «Cirkus II» (1912), auf dem «fahrige» Umrisse den Elan von Pferd und Kunstreitern spürbar machen. Es ist genau jene, auch für Beuys ein halbes Jahrhundert später kennzeichnende ästhetische Freiheit, die der Düsseldorfer Kunstprofessor im Werk Lehmbrucks entdeckt hat. Schließlich, so sagte Beuys in seiner heute als Vermächtnis geltenden Lehmbruck-Preisrede, sei es ihnen beiden darum gegangen, in ihrem Schaffen nicht nur physisches, sondern auch seelisches Material zu ergreifen.
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