| Der «verrückte Belgier» Jan Hoet verlässt das «kleine Bilbao» |
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| Donnerstag, 20. November 2008 um 07:37 Uhr | ||
Jan Hoet, Herrford, MARTa Der «verrückte Belgier», wie ihn manche nennen, vermutete die ostwestfälische Stadt in Schottland und bot dem Bürgermeister an, sich in dessen Sprache zu unterhalten - auf Englisch. Das ist vorbei, geografisch ist der Gründungsdirektor des von Star-Architekt Frank O. Gehry entworfenen, 30 Millionen Euro teuren Museums MARTa in Herford voll auf der Höhe. Doch das Problem des «kleinen Bilbao» - Gehry hatte auch für die spanische Stadt ein Museum entworfen - bleibt: die Lage weitab von den Kunstzentren. Mittlerweile sei das Museum aber «absolut etabliert», sagt Hoet, kurz bevor er als Gründungsdirektor sein Haus wieder verlässt.
Im laufenden Jahr erwarte er insgesamt rund 75 000 Besucher, 10 000 mehr als 2007, sagte der frühere documenta-Leiter. Im Eröffnungsjahr 2005 waren 101 000 Kunstfreunde gekommen. «Es gibt viele Museen, die nur die Hälfte haben.» Leichter würde man es sich machen, wenn man auf die Vergangenheit setzte und Werke von Matisse oder Kandinsky zeigte. Aber das ist nicht das Ziel. «Das Museum muss sich mit dem Experimentellen beschäftigen», fordert Hoet auch mit Blick auf seinen Nachfolger. Neuer MARTa-Chef wird 2009 der bisherige Leiter der städtischen Galerie Nordhorn, Roland Nachtigäller. «Er hat sich mit dem Konzept identifiziert», meinte der Belgier, der seinem Nachfolger «sehr viel Verständnis» bescheinigt. Tatsächlich hatte Nachtigäller bereits angekündigt, die künstlerische Linie seines Vorgängers fortführen zu wollen. Und das mit Hilfe Hoets, der ihn bei den ersten Ausstellungen «begleiten» will. Der Weg zu diesem Konzept war nicht leicht, «ich wusste vom ersten Tag an, dass es schwierig wird», erinnert sich Hoet. Im August 2001 habe es die erste Konfrontation mit dem Herforder Stadtrat gegeben, dort zählte vor allem der «Wirtschaftlichkeitsfaktor» des Museums. Problematisch fand Hoet auch die Rolle der heimischen Möbelindustrie als Gesellschafter des Museums. «Ich wollte nie, dass die Möbelindustrie hier beteiligt ist. Mit öffentlichen Geldern kann man kein Schaufenster für die Privatwirtschaft machen», erzählt er. «Die Politik war überzeugt, wir machen ein Möbelhaus.» Doch es ging ihm um die Verbindung von Kunst und Design. Davon überzeugte er alle Beteiligten: «Die können nicht zurück.» Mittlerweile stehe das Museum finanziell gut da, versichert Hoet. Die Stadt habe eingesehen, «dass wir mehr Geld brauchen». Das jährliche Budget sei daher um 500 000 Euro auf zwei Millionen Euro erhöht worden. Nach Angaben von Geschäftsführerin Helga Franzen lag das Museum 2007 «voll im Budget», auch im laufenden Jahr werde es keine Überschreitung geben. Die Zusammenarbeit mit Jan Hoet bezeichnet sie als «sehr turbulent, es waren auch harte Zeiten dazwischen». Doch beide hätten für das Museum gekämpft: «Kein anderer hätte das so hinbekommen wie Jan Hoet.» Die Stadt Herford fühle sich dem Belgier verpflichtet, sagt auch Herfords Bürgermeister Bruno Wollbrink. «Ohne das Wirken von Jan Hoet genösse MARTa nicht internationale Anerkennung, ohne Jan Hoet wäre MARTa nicht dort, wo es heute steht», sagt er. Der 72-Jährige habe in seinem Einsatz für die Kunst keinen Konflikt gescheut. Nach all den Jahren hat sich Jan Hoet offenbar an die Provinz gewöhnt, er geht als Kurator der Ausstellung «colossal» ins Osnabrücker Land: Dort sollen 18 Künstler aus zwölf Nationen im Jubiläumsjahr 2009 die Varus-Schlacht thematisieren. So endet alles ganz friedlich - und von Freitag bis Sonntag mit einem Kunstfest mit international bekannten Künstlern. «Ich wollte nicht allein mit einem Fest abschließen, sondern mit einem Kunstfest», sagt Hoet. Neben einem Konzert der belgischen Klaviersolistin Thérèse Malengreau sind eine Performance von Marina Abramovic sowie ein Jazz-Konzert des Anthony Braxton Falling River Quartet geplant. Auf einer MARTa-Party legen mehrere DJs auf - mal etwas anderes in einem Museum. «Denn «ein Museum ist immer noch ein Tempel», sagt Hoet. (Internet: www.martaherford.de) |
























































