| Beifall für Deutsche-Bank-Chef: Ackermann übergibt Kunst ans Museum |
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| Donnerstag, 02. Oktober 2008 um 07:12 Uhr | ||
Deutsche Bank, Städel Museum, KunstsammlungDer Chef der Deutschen Bank genoss es am Mittwoch daher sichtlich, mal wieder ausgiebig beklatscht zu werden. Der Applaus für Josef Ackermann kam allerdings nicht aus der Finanz-, sondern aus der Kunstwelt: Ackermann übergab dem Frankfurter Städel-Museum 600 bedeutende moderne Kunstwerke als Dauerleihgabe. Ihren Wert gab Ackermann zunächst mit «einem zweistelligen Millionen-Euro-Betrag» an, auf Nachfrage konkretisierte er: rund 20 Millionen.
Die Deutsche Bank sammelt seit den 70er Jahren Kunst. 53 000 Werke umfasst die Sammlung heute und zählt damit zu den bedeutendsten Unternehmenssammlungen weltweit. 600 Arbeiten fallen da rein zahlenmäßig nicht allzu sehr ins Gewicht, doch die Qualität ist beachtlich. Joseph Beuys, Anselm Kiefer und Sigmar Polke sind darunter, Georg Baselitz, Markus Lüpertz und Gerhard Richter. Um fast 60 Gemälde, einige Skulpturen, 161 Papierarbeiten und 379 Druckgrafiken von insgesamt 45 Künstlern ist die Deutsche Bank seit Mittwoch ärmer.
«Wir trennen uns nicht leichten Herzens von diesem Kunstschatz», sagte Ackermann bei der Vertragsunterzeichnung. Aber ein Museum könne Kunstwerke, die inzwischen «zu musealer Qualität gereift sind», besser präsentieren als eine Bank. «Unser Hauptziel ist es, die Kunstwerke der Sammlung der Deutschen Bank künftig noch viel stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.» Daher werde es nach der Renovierung der Zwillingstürme auch ein für alle zugängliches «Art Café» im Hauptsitz der Bank geben.
Dass die Übergabe keine Schenkung sondern eine unbefristete Dauerleihgabe ist, habe «finanztechnische Gründe», erklärte der Vorsitzende des Städel-Kuratoriums, Carl-Heinz Heuer. Die Deutsche Bank könne die Leihgaben dennoch kaum zurückfordern, dagegen habe man sich «doppelt: mit Gürtel und mit Hosenträgern» abgesichert: Die Bank habe kein ordentliches Kündigungsrecht und das Städel könne sämtliche Werke zu einem Viertel ihres Werts in Tranchen über 25 Jahren zinsfrei ankaufen.
Vor drei Jahren hatte der Privatsammler Dieter Bock bundesweit für Aufsehen gesorgt, als er rund 500 Werke aus dem Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK) abzog. Bock hatte Anfang der 90er Jahre die bedeutenden Arbeiten zeitgenössischer Künstler dem damaligen MMK- Direktor als «Dauerleihgabe» zur Verfügung gestellt.
Städel-Direktor Max Hollein kann gut mit Banken. Erst im März hatte das Städel 220 Fotografien aus der Sammlung der DZ-Bank erhalten. Dass sich Hollein - seit er zusätzlich zur Kunsthalle Schirn auch die Leitung des Städel übernommen hat - so sehr um die Moderne kümmert, gefällt in der Stadt nicht jedem. Schließlich gibt es in Frankfurt mit dem MMK dafür ein eigenes Haus. Hollein jedoch betont, das Städel sammle seit seiner Gründung 1815 zeitgenössische Kunst.
Die neuen Gemälde stärken die Städel-Sammlung besonders auf dem Gebiet der deutschen Malerei zwischen 1960 und 2000. Gemälde habe die Deutsche Bank ohnehin nie viele besessen, erklärte Friedhelm Hütte, Chef der Kunstsammlungen der Deutschen Bank. Kern der Sammlung seien stets Zeichnungen und Grafiken gewesen. Aber auch aus diesem Segment konnte sich Hollein schöne Stücke «herausschneiden», so dass das Städel nun das komplette druckgrafische Werk mancher Künstler zur Verfügung hat.
Bis die Öffentlichkeit all diese Schätze bewundern kann, dauert es noch ein paar Jahre. Erst der geplante Erweiterungsbau bietet genug Platz, um die neuen Werke zu präsentieren. Bis spätestens 2011 sollen die zusätzlichen 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche unter dem Garten fertig sein. Er soll 30 Millionen Euro kosten, von denen allerdings erst die Hälfte gesichert ist. Als Vorgeschmack ist ein kleiner Teil der Bank-Kunstwerke schon ab sofort zu sehen: Die Sonderausstellung «Erste Wahl» ist bis 9. November geöffnet.
(«Erste Wahl» bis 9. November im Städel-Museum; Öffnungszeiten Dienstag, Freitag, Samstag, Sonntag 10.00 - 18.00 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 10.00 bis 21.00 Uhr; Eintritt 10.00 Euro)
(Internet: www.staedelmuseum.de; www.deutsche-bank.de/csr)
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