| Zwischen Kinderblut und Disney - Konzeptkünstler Helnwein wird 60 |
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| Montag, 06. Oktober 2008 um 07:13 Uhr | ||
Gottfried HelnweinRockmusik und Walt Disney hätten ihn mehr beeinflusst als Mozart und Leonardo da Vinci, soll der österreichische Künstler Gottfried Helnwein einmal gesagt haben. Am Mittwoch (8. Oktober) wird der Maler, Grafiker, Fotograf und Bühnenbildner 60 Jahre alt. Provoziert Helnwein in seiner Anfangszeit mit seinen Werken noch öffentliche Proteste, ist es in den vergangenen Jahren ruhig um ihn geworden.
Kinder mit bandagierten Köpfen, blutverschmiert und mit leeren Blick - es sind vor allem diese realistischen Bilder von gequälten menschlichen Kreaturen die in den 70er und 80er Jahren die Betrachter von Helnweins Bildern schockieren. In seine finstere Welt nimmt er auch Comicfiguren und Nazis auf. «Die Kindheit ist der rote Faden, der sich durch mein ganzes Werk zieht», sagte Helnwein einmal. Seine eigene Kindheit im Wien der Nachkriegszeit habe er stets als dunkel, bedrückend und eng empfunden. Aus den Kindergesichtern in seinen Werken spricht bereits erfahrenes Leid.
Als Sohn eines Postbeamten wächst Helnwein in einem Wiener Arbeiterviertel auf. Er studiert an der Wiener Hochschule für Grafik und an der Wiener Kunstakademie. Seine ersten Werke bringen ihm in seiner Heimatstadt den Ruf eines «Blut-und-Narben-Malers» ein, doch er macht auch international auf sich aufmerksam. Als Grafiker gestaltet er die Titelbilder von Magazinen wie dem «Spiegel», «Esquire», «Time» und «Playboy». Sein «Selbstporträt» von 1981 als Plattencover der Band «Scorpions» - ein schreiender Mann mit bandagiertem Kopf und Gabeln in den Augen - pinnen sich reihenweise Jugendliche als Kultposter an die Wand.
Die Trivialität des Alltags, zeitgeschichtliche Katastrophen und die Pop-Kultur werden zu Leitthemen in seinen Arbeiten. Kunst sei für ihn in erster Linie eine Waffe - die einzige Möglichkeit sich gegen die Zumutungen der Gesellschaft zu wehren und zurückzuschlagen, sagte er in einem Interview. Von der etablierten Kunstszene wird der künstlerische Tausendsassa - der auch als Bühnenbildner und Fotograf Erfolge feiert - oft als nicht ernstzunehmend kritisiert.
Immer wieder macht Helnwein, der Österreich bereits in den 80er Jahren verlässt und in Deutschland, Irland und den USA wohnt, mit seiner Nähe zu Stars Schlagzeilen. 1992 stellte er beispielsweise im Münchner Stadtmuseum Fotoporträts von 32 Berühmtheiten wie Andy Warhol und Michael Jackson aus. Mit dem Musiker Marilyn Manson ist Helnwein befreundet. Der Rocker heiratet 2005 seine Freundin, die Erotik-Tänzerin Dita von Teese, auf Helnweins Schloss in Irland. Jahrelang spekulieren die Medien auch über eine angebliche Nähe Helnweins zu Scientology, die er selbst aber dementiert.
In den vergangenen Jahren stellt Helnwein verstärkt in den USA aus, seine letzte große Werkschau in Österreich war 2006 im Lentos Museum in Linz. Als persönliches «Damaskuserlebnis» bezeichnet der einstige Kunstrebell den Besuch der Uffizien in Florenz, durch die ästhetische Intensität und spirituellen Qualität der Werke habe er zu zittern begonnen und den Raum verlassen müssen. «Wie manch einstiger Revolutionär ist Helnwein zum Konservativen geworden - und wohnt dementsprechend mit seiner Familie in einem Schloss aus dem 19. Jahrhundert», urteilt die Welt am Sonntag. Helnwein ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. |
























































