| «Magnifique!» - Pienes fliegende Poesie am Himmel von Paris |
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| Montag, 06. Oktober 2008 um 07:17 Uhr | ||
Piene, Ausstellung, Paris«Magnifique!» Wunderbar ist es wirklich, was der betagte ZERO-Künstler Otto Piene an diesem kalt- windigen Herbstabend an den dunklen Himmel von Paris zaubert. An der Place de Catalogne, wo zwischen Büro-Betonkisten und postmodernen Brutal-Bauten des spanischen Architekten Ricardo Bofill die französische Hauptstadt all ihren Charme verloren hat, setzt der 80- jährige Kunst-Weltbürger aus Westfalen alles auf die Karte seines jüngsten Sky-Events. Riesige schwebende Skulpturen, stacheligen weißen Sternen oder Blüten ähnlich, sollen federleicht im Wind tanzen.
Das 50 Jahre alte ZERO-Konzept von der Entwicklung einer immateriellen, nur aus Licht, Bewegung und Fantasie geformten Kunst kann auch heute noch begeistern - wie zahllose gezückte Fotohandys und der Applaus hunderter Pariser Kunst-Nachtschwärmer am Samstagabend beweisen. Die erste Himmels-Aktion des international gefragten, in Boston und Düsseldorf lebenden Künstlers auf Frankreichs Boden ist Bestandteil der populären Pariser Kunstnacht «Nuit Blanche» und gleichzeitig ein Geschenk Nordrhein-Westfalens an die Seine-Stadt als Teil des bis Juni laufenden NRW-Kulturfestes «Artention».
«Wir wollen zeigen, dass die ZERO-Bewegung keine lokale Düsseldorfer Geschichte ist», erklärt Mattijs Visser, künftiger Geschäftsführer der in Gründung befindlichen ZERO-Stiftung, die das Werk der von Piene, Heinz Mack und Günther Uecker gebildeten Künstlergruppe der 60er Jahre erforschen wird. Immerhin, gleich ums Eck des zugigen Kreisverkehrs habe ehedem der ZERO-Verbündete und bedeutende französische Kunst-Avantgardist Yves Klein seine Wohnung gehabt.
1000 Kubikmeter Helium für die prallen Plastikwürste, die zunächst den Platz bogenförmig überspannen und die später die Stachel-Blüten bis etwa 30 Meter in die Höhe ziehen, stehen in Stahlflaschen bereit. Zunächst spielt nur ganz surreal das Bunt der Neonreklamen, das Kreis-Ballett der Autoscheinwerfer reflektierend in der prallen Plastikfolie. Zuerst hebt sich - an seinen vier Sicherheitsleinen gehalten - der schneeweiße Paris-Star, tanzt im Wind sein Ballett und scheint den fern am Ende der Straßenschlucht des Boulevard Pasteur sichtbaren Eiffelturm umschmeicheln zu wollen.
Gegen Mitternacht folgt der ebenfalls rund 20 Meter breite Nuit- Blanche-Star, er bäumt sich - von den Helium-Schläuchen mühsam gehalten - gegen ruppige Böen und schraubt sich im fahlen Scheinwerferlicht lautlos auf und nieder. Trotz zunehmender Winde kann dann noch zur Freude der standhaftesten Zuschauer der schneeweiße Berlin-Star von gigantischen Ausmaßen in den dunklen Himmel steigen. Der greise Otto Piene umrundet derweil sein Werk wie ein grauhaariger Hirtenhund, gibt dem Helferteam knappe Anweisungen.
Lampenfieber habe er im Moment auch nach 40 Jahren Sky-Event- Jahren noch, gesteht Piene, den der unwirtliche Kreisverkehr als «Bühne» seiner Aktion begeistert: «Er ist lebhaft, voll Dynamik und Licht.» Selbst das beständige Karussell des Verkehrsstroms sei ein wesentlicher Teil der Aktion. «Die Bewegung gehört mit dazu», erläutert der Künstler. So schreiben an diesem Abend ahnungslose Autofahrer mit an einem kleinen, künftigen Kapitel deutsch- französischer Kunstgeschichte.
(Internet: www.artention.info) |
























































