| Hermann Försterling - Rosenkavalier wider Willen |
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| Mittwoch, 08. Oktober 2008 um 08:04 Uhr | ||
Hermann FörsterlingDort liegt sie, seine Kunst, die Kenner begeistert. Aber solche gibt es nicht viele. So kommt es, dass ein Teil seiner Werke im heimischen Atelier in Eppingen (Kreis Heilbronn) verwaisen - signiert, gerahmt und verpackt, damit sie nicht einstauben. Das Museum of Modern Art in New York hat ein Werk von ihm gekauft, ebenso wie die Staatsgalerie Stuttgart. Von diesen Erfolgen kann er aber längst nicht mehr zehren.
Heliogravüre heißt die besondere Technik, die Hermann Försterling beherrscht, und der nur noch wenige Künstler auf der Welt frönen. Heliogravüre ist ein fotografischer Edeldruck, der mit Pigmentpapieren, Gelatine und Kupferplatten arbeitet. «Das hochwertigste und haltbarste Verfahren der Fotografie», sagt er. Jahrelang hat es gedauert, bis er die Technik perfekt beherrschte. Seine Fotos beleuchten das Vergängliche, Unschöne, Schwierige im Menschen. Quälerisch, destruktiv wirkende Selbstporträts sind darunter. Nichts, was man sich ohne weiteres ins Wohnzimmer hängt. Von seiner Leidenschaft kann der Künstler nicht leben.
Doch er hat einen Ausweg gefunden, dem er genauso perfektionistisch nachgeht. Die Alternative ist eine 180-Grad- Wendung, technisch wie inhaltlich. Die Ölbilder, denen sich Hermann Försterling seit sechs Jahren widmet, zeigen Rosen in ihrer schönsten Pracht. «Das kaufen die Leute, das kann man auch in eine Arztpraxis stellen.» Die Stimme des Künstlers klingt resigniert, sein Blick geht ins Leere. Dem Enthusiasmus, der Försterling aus Gengenbach (Kreis Offenburg) mit 17 Jahren in die Akademie der Bildenden Künste nach Stuttgart trieb, ist Ernüchterung und Kulturpessimismus gewichen. «Die Gesellschaft will kein Können mehr, die Leute wollen One-Man- Shows und Events.»
Von der Selbstinszenierung im Kunstgewerbe ist Försterling angewidert. In Eppingen hat er sein Zuhause geschaffen, in zweieinhalb Jahren eine alte Werkstatt mühsam zum Wohnhaus und Atelier umgebaut. Er lebt von dem Geld, das er mit seinen Rosen verdient. So wurde er dann auch zum Rosenkavalier wider Willen: Mit seinen Blüten spricht er nicht Kenner an, sondern entzückt die Massen. Seine Rosen werden nicht in New York gefeiert, dafür aber in Brackenheim, Sulzfeld oder Rottenburg. Für jedes Rosenbild braucht er zwei Monate. «Zwei Monate harte Arbeit, die keinen Spaß macht», stöhnt er. «Aber ich habe keine Wahl. Die Leute wollen Rosen, also kriegen sie Rosen und ich mein Geld.» Zwei Rosenbilder pro Jahr, davon könne er leben. Er gönnt sich nichts, an Urlaub ist nicht zu denken.
Die Rosen malt er nicht nur konventionell in Öl. Er scannt sie auch ein, 2005 gab es den Fotobuchpreis dafür. Und er spielt mit verschiedenen Lesarten, fügt am Computer Rosen mit Vaginen zusammen. Hermann Försterling ist bemüht, trotz aller Sachzwänge Künstler zu bleiben. «Mit den Rosen subventioniere ich meine eigene Arbeit.» Wenn die Lasur aufgetragen und ein Rosenbild fertig geworden ist, dann nimmt er sich eine Auszeit und widmet sich seiner Bestimmung, der Heliogravüre. Seine große Leidenschaft, die zwar immer noch lodert, aber der die schnöde Realität ständig Sauerstoff entzieht. Hermann Försterling: «Ich muss nicht mehr jede Idee verwirklichen.»
(Internet: www.foersterling.com) |
























































