| Ensor und die Folgen - Wuppertal zeigt Belgiens malenden Sonderling |
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| Freitag, 10. Oktober 2008 um 07:11 Uhr | ||
James Ensor, KunstSein oft beschriebener Einfluss auf folgende Künstlergenerationen, auf Expressionisten wie Surrealisten und sogar bis in die Kunst der Gegenwart, ist bislang noch nie untersucht worden. Mit einer ebenso detailreichen wie gründlich recherchierten Ausstellung, in der 250 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken zu sehen sind, schließt das Wuppertaler Von der Heydt-Museum jetzt diese Forschungslücke. Die Schau «James Ensor - Ende ohne Schrecken» ist von Sonntag an bis zum 8. Februar 2009 geöffnet.
Zu Beginn überrascht die Wuppertaler Schau mit dem hierzulande fast unbekannten, wenn auch nicht bedeutenden Frühwerk des Malers aus Ostende, der als junger Mann in düsteren Farben und mit breitem Pinsel Landschaften und Strandszenen festhielt. In der Künstlergruppe «Die Zwanzig» fand er Freunde und Gegner, deren Pointillismus à la Seurat James Ensor vehement ablehnte, wie ihn Willy Finch in seinen «Heuhaufen» (1889) könnerhaft demonstriert.
In kleinen Blei- und Kreide-Zeichnungen tauchen von 1885 an plötzlich Grimassen und allerlei verschlungene Ornamentik wie die Simse eines Marmor-Kamins auf: Das Groteske wird nun zum ständigen Begleitmotiv des Belgiers, der Piranesi wie Goya als Meister der subtilen Schrecken offenbar sehr gut kannte. Das Gemälde «Der Tod und die Masken» (1897), eine Mischsung aus Karneval und Jüngstem Tag, gehört zu den Höhepunkten der Wuppertaler Schau. Signalartig reduziert tauchen die Masken noch bei Max Ernst oder einem Stillleben des Expressionisten Emil Nolde von 1919 auf, der Ensor während des Weltkrieges in Ostende besucht hatte.
Der Mensch als gefährliche, gesichtslose Masse spielt die Hauptrolle in Ensors monumentalem Schlüsselwerk «Einzug Christi in Brüssel», das allerdings nur als Radierung von 1898 in Wuppertal zu sehen ist. Zur leidenden Menge reduziert tauchen die Menschenmassen im «Bauernkrieg» (1903) von Käthe Kollwitz ebenso auf wie in den Kriegsmotiven von Otto Dix oder dem Leiber-Gewimmel des Art-Brut- Artisten Jean Dubuffet, der nach dem zweiten großen Krieg die Zerstörung der Menschenwürde auf die Leinwand bannte. Humoriger hingegen Ensors Karikatur «Badende in Ostende» (1899): Die wuselnden Schwimmer lassen ahnen, wie sehr ihm, der sich als Künstler verkannt fühlte, hinter der Ladentheke des elterlichen Souvenir-Geschäfts der beginnende Massentourismus auf den Nerv gegangen sein muss.
Ein Drittel des Gesamtwerks Ensors machen Stillleben aus, und nicht wenige davon bestückt er mit Meeresgetier wie dem Rochen, der auf der Unterseite eine maskenhafte Grimasse zeigt. Halb geöffnete Muscheln mit rosigem Fleisch laden ein Großformat von 1892 erotisch auf. Der Hamburger Maler Werner Büttner variiert den «Rochen» 1983 kraftvoll gepinselt in kalkigem Weiß auf rotbraunem Grund in der Manier der Jungen Wilden. Zu den Spitzenwerken Ensors gehört das «Stillleben mit Chinoiserien», 1928/29 in den besten Jahren des Belgiers entstanden. Das in duftigen Farben geschilderte, lichtdurchflutete Arrangement aus China-Porzellan und Vasen wäre einfach nur schön und kein «echter» Ensor, wenn nicht zwei seltsame Masken-Gestalten vom Bildrand her den Betrachter hämisch angrinsten.
(Internet: www.von-der-heydt-museum.de) |
























































