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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Zwischen Tradition und Revolution: Kunst im Reich des letzten Zaren PDF Drucken E-Mail
Freitag, 10. Oktober 2008 um 07:15 Uhr

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Kunst, Russland

Einst war das prachtvolle Gotteshaus in Darmstadt die einzige private Hofkirche des letzten Zaren Nikolaus II. und seiner Frau Alexandra Fjodorowna, vormals Alix von Hessen, außerhalb Russlands. Sie feierten hier bei Besuchen in der Residenzstadt der Großherzöge von Hessen und bei Rhein Gottesdienste im Kreis der Familie. 90 Jahre nach dem Tod des Paares, das einige Monate nach der Oktoberrevolution von Kommunisten erschossen wurde, wird die Zeit ihrer Regentschaft nun wieder lebendig: Direkt neben der Kapelle zeigt das Institut Mathildenhöhe an diesem Schauplatz deutsch-russischer Geschichte von Sonntag an die Ausstellung «Russland 1900 - Kunst und Kultur im Reich des letzten Zaren».

 

Die Zeit von der Krönung des Zaren 1896 bis zur Oktoberrevolution 1917 wird mit Gemälden, Skulpturen, Architektur, Möbelstücken, Film und Fotografie beleuchtet. Zu den Leihgaben aus Moskau, St. Petersburg, London, Berlin oder Paris gehören Werke von Repin, Wrubel, Kandinsky und Malewitsch. Das Spektrum der Exponate reicht von den kulturellen Wurzeln im neorussischen Stil über den westlich beeinflussten Jugendstil bis zur internationalen Avantgarde der Bühnenkunst.

 

«Die Ausstellung zeigt die unmittelbare Vorgeschichte der russischen Avantgarde und Revolution, die Jahrhundertwende als dynamisch-dramatische Übergangszeit mit tiefgreifenden Um- und Aufbrüchen, in denen sich Tradition und Moderne immer wieder überlagern», sagte der Direktor des Instituts Mathildenhöhe, Ralf Beil, am Donnerstag. Dabei wird der Prunk der Herrschenden im mächtigen Reich immer wieder der Armut des Volkes gegenübergestellt. «Jeder zehnte Mensch auf der Erde war damals Untertan des Zaren.»

 

Das Gemälde Henri Gervex' von der Krönungszeremonie des Paares im Mai 1896 steht im scharfen Kontrast zu Prjanischnikows «Tag der Verklärung Christi im Norden» (1887), das die rückständige Agrargesellschaft mit ihrer tief verwurzelten Religiosität visualisiert. Über dem Gemälde prangt ein Zitat aus Leo Tolstois «Der junge Zar», in dem der Autor den Zustand des Volkes als Gegensatz zwischen «ausgemergelten Kindern und degenerierte Volksstämmen» einerseits und eigennützigen und prunksüchtigen Ministern und Gouverneuren andererseits beschreibt.

 

Die extrem unterschiedlichen Lebensumstände werden auch in bislang weitgehend unbekanntem Filmmaterial aus russischen Archiven vor Auge geführt: hier die verwahrlosten Bauern, dort Zar Nikolaus II., der beim fröhlichem Bad im See sogar sein Hinterteil entblößt.

 

Auch der monumentale, 14 mal 2 Meter große Fries «Freude der Gerechten über den Herrn. Vor dem Paradies» (1885-1896) von Victor M. Wasnezow lenkt den Blick nur vorübergehend auf das Schöne von Symbolismus und Jugendstil: um dann im Anschluss auf die tödliche Auseinandersetzung am «Blutsonntag» im Januar 1905 und den russisch- japanischen Krieg gelenkt zu werden - und damit auf den Anfang vom Ende des Zarenreiches.

 

(Die Ausstellung «Russland 1900» im Ausstellungsgebäude Institut Mathildenhöhe ist vom 12. Oktober 2008 bis zum 1. Februar 2009 dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet; der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro; der 416 Seiten umfassende Katalog zur Ausstellung, herausgegeben von Ralf Beil im DuMont Literatur und Kunst Verlag Köln, kostet 45,00 Euro in der Ausstellung, 49,90 Euro im Buchhandel; www.mathildenhoehe.eu)


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