| Bewegendes in Öl - Winfried Schlöffel bannt Gefühle auf die Leinwand |
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| Dienstag, 14. Oktober 2008 um 07:08 Uhr | ||
Winfried SchlöffelDer Esslinger Künstler Winfried Schlöffel weiß wie. Er verarbeitet die Gefühle, die Nachrichten oder Bilder in ihm auslösen, und bannt sie auf die Leinwand. Seine Gemälde gehen unter die Haut, tun manchmal fast weh in ihrer Intensität. Und doch sind sie nicht düster oder depressiv, reißen den Betrachter nicht mit sich fort. Es sind Zeitdokumente im Spiegel eines Künstlers.
«Mich interessiert immer das Unsichtbare im Sichtbaren», sagt der Alt-68er. Was er meint, wird schnell klar beim Blick auf die beiden Porträts an der hinteren Wand seines Ateliers. Sie zeigen die amerikanische Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton in typischen Posen. Bilder, die im amerikanischen Vorwahlkampf wieder und wieder gezeigt wurden. Doch erst hier an der Wand, verfremdet durch die Hand des Künstlers, wirken die übertriebene Siegerpose und das aufgesetzte Erstaunen wie Masken. Entlarvend. Neben Hillary und einigen Detailstudien findet sich in Schlöffels Atelier vieles, was bewegt: eine tief verzweifelte Georgierin, ein sich umarmendes Paar vor der Ruine des World Trade Centers, der Mercedes von Hanns Martin Schleyer nach dem RAF-Überfall. Menschen, Bilder, Emotionen.
«Für mich ist die Kunst eine Möglichkeit, mich mit den Eindrücken auseinanderzusetzen, die jeden Tag auf mich einströmen», sagt Schlöffel (Jahrgang 1953). Er ist ein Kind der Flower-Power-Bewegung und sensibel. Wenn er Nachrichten schaut, geht ihm vieles nahe. Manchmal fast ein bisschen zu sehr. «Von Zeit zu Zeit bin ich recht verzweifelt, enttäuscht und wütend», gibt der gelernte Illustrator zu. Diese Wut sei seine Motivation. Während er sie aus dem Pinsel fließen lässt, findet der Vater zweier erwachsener Kinder wieder zu sich selbst.
Sein Atelier im Souterrain eines weißen Doppelhauses in Esslingen ist für Schlöffel ein Refugium. «Früher habe ich mir manchmal eingebildet, in ein Raumschiff einzusteigen, das mich weit wegbringt», sagt er und lacht. Heute, nach mittlerweile acht Jahren in den Räumen, ist es für ihn schon etwas alltäglicher geworden, doch wohl fühlt er sich hier noch immer. Der große Raum sieht nach Arbeit aus und ist trotzdem aufgeräumt. Die obligatorischen Ölstriche und Kleckse auf dem Boden fehlen nicht, doch die Pinsel hängen ordentlich über der Arbeitsplatte. Malerisch ist der Blick über das Tal direkt vor der Tür.
Schlöffel ist von Beruf ausgebildeter Buchbinder und gelernter Werbe-Illustrator. Vor allem Airbrush war die Domäne des gebürtigen Hohenlohers. Entworfen hat er unter anderem den Mönch auf der Malteser-Bierflasche und das Fußball-Plakat für den FIFA Confederations Cup 2005 in Deutschland. Auch heute arbeitet er noch gelegentlich als freier Illustrator, doch die Kunst greift immer mehr Raum. «Meine Frau ermöglichst mir das», sagt er dankbar. Immer mal wieder verkauft er Bilder, doch davon zu leben sei schwer. «Das schaffen nur ganz wenige», sagt er.
Künstlerisch hat der Wahl-Esslinger bereits eine beachtliche Entwicklung hinter sich. Nach der sehr detailgetreuen Arbeit in der Werbung hatte er sich zunächst komplett vom Gegenständlichen gelöst. Seine frühen abstrakten Acrylwerke zeigen Farbflächen und Striche und sind ganz weit entfernt vom heutigen Schlöffel. «Seit ich mich wieder der gegenständlichen Malerei zugewandt habe, male ich mit Ölfarbe», erzählt er. Sie biete mehr technische Möglichkeiten. Große Pläne für die Zukunft habe er nicht. «Die eigene Entwicklung ist so spannend. Ich freue mich auf das, was kommt.»
(Internet: www.art.wschloeffel.de) |
























































