| Phönix, Asche und Friedhof - Künstler leben in Birma unter Zensur |
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| Montag, 20. Oktober 2008 um 07:05 Uhr | ||
Kunst, Zensur, Birma«Absolut Nein!» bescherten sie dem Maler in Rangun, der an einer Ausstellung teilnehmen wollte und deshalb die Männer der Zensurbehörde in sein Atelier lassen musste. Dort steht die Leinwand nun, im fünften Stock eines unscheinbaren Wohnhauses, hinter der Tür 5A, ohne Rahmen, ohne Bewunderer, ohne Käufer. Künstler haben es schwer im Land der paranoiden Militärjunta, die vom Kontrollieren ihrer 55 Millionen Landsleute besessen ist.
«Zu viel Rot ist verboten, haben sie mir gesagt, weil Rot die Farbe der Revolution ist», erzählt der 54-Jährige. Auch sein "Phönix aus der Asche" war ihnen zu suspekt. «Und hier ist noch eins, das ich nicht zeigen durfte», sagt er und holt ein Ölgemälde hervor. Vor grünem Hintergrund streckt sich ein dicker Ast über das Bild, dahinter sind zwei Monde zu sehen. «Sie meinten argwöhnisch, der eine Mond sei bestimmt Juntachef Than Shwe und der andere die eingesperrte Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi», sagt er und lacht. «Sie haben manchmal mehr Fantasie als wir selbst.»
Dieser Fantasie entspringt auch die Einbildung, dass Birmas Maler alle subversiv gegen das Regime Front machen und deshalb überwacht werden müssen. «Dabei gibt es gar keine politische Künstlerbewegung in diesem Land», sagt eine Galeristin. «Die Leute sind viel zu sehr beschäftigt damit zu überleben.» Das Bild des Malers mit dem Strick entstand nach einer persönlichen schmerzlichen Erfahrung, das Bild mit den Monden ist von einer Mond-Spiegelung im See inspiriert, sagt ihr Schöpfer. Mit Politik, sagt er, hat er nichts am Hut. Trotzdem will sich niemand mit Namen zitieren lassen, auch die Galeristin nicht. «Es ist besser, unter dem Radar zu bleiben», sagen sie.
Der Maler der zwei Monde nennt Georg Baselitz als seine größte Inspiration, den deutschen Maler, der seine Bilder in den 70er Jahren auf den Kopf stellte und damit Furore machte. «Ich bin so explosiv wie er», sagt er. Einer von den 15, 20 birmanischen Malern, die von ihrer Kunst leben können, ist er damit nicht. «Birmanen, die etwas Geld über haben, kaufen lieber ein Moped, und Touristen ziehen die kopierten Bilder im Scott-Markt vor.» Dort gibt es Buddhas in Öl und jeder Größe und viele, viele Mönchsmotive mit untergehender Sonne. «Friedhof der Leinwände», nennt der Maler den Markt verächtlich.
Politisch spannend wird es bei den Performance-Künstlern, sagt die Galeristin, doch findet deren Treiben fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. «Dafür gibt es keine Werbung, ein Happening spricht sich herum, dann kommen ein paar Leute zusammen, nach ein paar Stunden ist alles vorbei», sagt sie. Einer der Künstler ist NCS, der auch öffentlich auftritt. «Ich bin kein Terrorist» hieß eine seiner Performances. «Wenn sich beim Zuschauer ein Prozess in Gang setzt und er weiterdenkt, dann ist das allein seine Sache», sagt der 34-Jährige mit eigener Webseite vorsichtshalber. «Damit hätte ich nichts zu tun und ich könnte das auch nicht beeinflussen.»
Es ist schwer für die Zensoren, den schnelllebigen Performance- Künstlern auf die Schliche zu kommen. Bei Dichtern ist das einfacher. Sie stehen besonders unter der Staatslupe. Einer wurde im Januar festgenommen. Er hatte ein Valentinsgedicht verfasst: «Millionen Menschen, die ihr wisst was Liebe ist: klatscht in die vergoldeten Hände und lacht», hieß es darin. Allerdings setzte Saw Wai seinen Vers so, dass die ersten Worte aus jeder Zeile nacheinander gelesen «Machthungriger (Juntachef) Than Shwe» ergaben.
Auf dem Kieker haben die Aufseher des Regimes auch die Komiker, die unter dem Deckmantel des Humors ihre Stiche setzen. «Reist ein Birmane mit Zahnschmerzen über die Grenze nach Indien, um sich behandeln zu lassen», begann so eine Schote der «Schnurrbart-Brüder» aus Mandalay. «Ja habt ihr denn Zuhause keine Zahnärzte? fragt der Arzt verwundert. Antwort: da dürfen wir ja den Mund nicht aufmachen.» Zwei Männer aus der Schnurrbart-Truppe haben jahrelang im Arbeitslager gesessen. Jetzt dürfen sie nur noch vor Ausländern auftreten. Davon gibt es nur noch wenige in Birma. |
























































