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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Der Zar und der Maler: Caspar David Friedrich in Amsterdam PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 22. Oktober 2008 um 07:19 Uhr

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Caspar David Friedric, Carl Gustav Carus

Zu den «hohen» Besuchern in Friedrichs Dresdner Atelier gehörte 1820 der russische Thronfolger und spätere Zar Nikolaus I., dessen lebenslange Bewunderung für den deutschen Romantiker nun der internationalen Kunstwelt fast 190 Jahre später eine hoch informative Ausstellung in Amsterdam beschert.

 

Die Eremitage in St. Petersburg leiht erstmals ihren vollständigen Besitz von neun Gemälden und sechs Zeichnungen Friedrichs aus: Nie zuvor ist die hohe Kunst des erst vor wenigen Jahrzehnten vom Publikum «wiederentdeckten» Friedrich so deutlich im Zusammenhang ihrer Zeit zu sehen gewesen. Eingebettet in das künstlerische Umfeld seiner Zeit ist die Friedrich-Sammlung von Nikolaus I. Kern der Ausstellung «Friedrich und die deutsche romantische Landschaft». Die Schau ist noch bis zum 18. Januar mit etwa 100 Exponaten aus Petersburg in der «Eremitage Amsterdam», einer «Filiale» des russischen Mega-Museums, zu bewundern.

 

Der Bilder-Bogen reicht von Gemälden des Klassizismus bis zu gefühlsseligen Malereien des Biedermeiers, in denen nur noch von fern die asketisch-beeindruckende Bildwelt des melancholischen Malers aus Greifswald nachhallt. Erstmals wird so mit atemraubenden Landschaften oder Meeresszenen oder in späten Sepia-Zeichnungen die wahrhaft revolutionäre Bedeutung Friedrichs für die Entwicklung der Malerei augenfällig.

 

Den Besucher der Eremitage-Schau an der Amstel empfangen vier liebliche italienische Landschaften Jacob Philip Hackerts, gemalt ab 1783: Der Zeichenlehrer Goethes drapiert in klassizistischer Ausgewogenheit Hirten und Götter, Tempel und rauschende Wasserfälle zu arkadischen Tableaus, in denen das Auge gefällig «spazierengeht». «Italienisch muss alles sein», wenn es bei diesen Künstlern um Schönheit gehe, grollt Friedrich, dessen «vaterländische» Welt sich ganz bewusst zeitlebens zwischen Rügen und dem Riesengebirge erstreckt. Dramatik und Wucht deutet sich hingegen in der «Berglandschaft» (1798) Jacob Mechaus mit ihren winzigen Wanderern an.

 

«Auf dem Segler» (1818) und «Drei Schwestern auf dem Söller am Hafen» gehören zu den bekanntesten, programmatisch zu deutenden Gemälden des heute so populären Romantikers. Das junge Paar, das auf dem Bootsdeck kauernd einer hoffungsvollen Zukunft regelrecht «entgegenschwebt» und die beiden Frauen vor einer Kirchensilhouette:

Die Bilder wurden von der neueren Friedrich-Forschung als vehementes Bekenntnis zum Protestantismus und wegen der damals verbotenen «altdeutschen» Kleidung der Protagonisten als freiheitlich- demokratisches Bekenntnis gegen den autoritären Zeitgeist der deutschen Restauration entschlüsselt.

 

Ob gefühlvoller aber ganz unsentimentaler «Mondaufgang am Meer» (1819) oder nebeldurchzogene Gebirgslandschaften: Im eisig-klaren Licht magnetisieren die Landschaften Friedrichs den Blick, der verzerrende Verzicht auf einen Mittelgrund «saugt» das Auge an. Mit klaren, maßvollen Kompositionsprinzipien aus Bögen, Hyperbeln und Horizontalen will der tiefreligiöse Maler die Vollkommenheit der Schöpfung Gottes sichtbar machen.

 

Geschmäcklerisch wirken im kommenden Saal dagegen die meisten Adepten, die - wie August Matthias Hagens kompositorisch nicht hinreichende «Meeeresbucht» von 1835 - dem Meister nahezukommen suchen. Leo von Klenze, der Architekt der Erweiterung der Petersburger Eremitage, malt 1836 einen konventionell-imponierenden «Blick auf die Walhalla bei Regensburg», die den Betrachter aber kaum berührt. Das Blumen pflückende «Mädchen auf einem Feld» (1857) von Ludwig Knaus sagt mehr über die Gemütsverfassung des deutschen Biedermeiers als manche historische Abhandlung. «Die russischen Eremitage-Kollegen haben sich ein bisschen gewundert, dass wir das ausgesucht haben, aber wir wollten damit etwas sagen», berichtet der Amsterdamer Ausstellungskurator Vincent Boele.

 

Mit einer bedeutenden Entdeckung wartet die Amsterdamer Bilderschau auf: 30 Zeichnungen des bisher wohl nur wenigen Spezialisten bekannten Heidelberger Künstlers Carl Fohr (1795-1818) sind in den Depots der Eremitage erst vor wenigen Jahren gefunden und nun erstmals überhaupt präsentiert worden. Von den noch tastenden Blättern des 16-Jährigen bis zu einer harmonischen «Tiroler Landschaft», von hinreißend zarten Pflanzen-Darstellungen in Blei und Aquarell bis zu einem «altdeutschen», an Dürer erinnernden «Wasserfall» (1817) reicht der Bilderbogen des sich atemraubend schnell und vielfältig entwickelnden jungen Könners. Hier wird dank geglückter russisch-niederländischer Kooperation ein deutscher Romantiker dem Vergessen entrissen, der vielleicht zum Konkurrenten Caspar David Friedrichs hätte reifen können - wenn er nicht mit 22 Jahren im Tiber ertrunken wäre.

 

(Internet: www.hermitage.nl)



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