| Carine Doerflinger bastelt Botschaften am liebsten ohne Farbe |
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| Freitag, 24. Oktober 2008 um 21:55 Uhr | ||
Carine DoerflingerEine mit Kunstharz überzogene schwarze Schnur führt Feder und formuliert jene Frage, die sich wie ein roter Faden durch Carine Doerflingers Leben zieht. Die Suche nach sich selbst und der harzige Schriftzug bilden den Mittelpunkt einer Installation, an der die Künstlerin momentan arbeitet.
Die gebürtige Straßburgerin gestaltet in ihrem Atelier unterm Dach Objekte aller Art: Skulpturen, Fotos, Schriftzüge und Videos, die meist wiederum Teile eines Ganzen sind. Für die Installation werden die Objekte dann als zusammenhängende Teile in einen räumlichen Kontext gesetzt und ergeben so wieder «eine große Idee», wie Doerflinger erklärt. Etwa 300 Einzelstücke hat sie schon angefertigt.
Aber die «Fragmenthaftigkeit» ihrer Arbeiten ist nicht nur künstlerisch motiviert - sie hat auch ganz banale Platzgründe: «Leider kann ich kein riesiges Objekt machen, es würde gar nicht durch die Tür passen». Deshalb ist Doerflinger auch auf der Suche nach einem neuen Atelier. Die dürften ruhig auch günstiger sein: Um sich ein Zubrot zu verdienen, hält die 48-Jährige Kunstkurse.
Doerflinger macht Kunst, um ihre eigenen Gefühle und Gedanken auszudrücken. Und sie versucht, die Innenwelt der anderen zu erfassen. Ihr Motiv und ihre Inspiration ist die Komplexität des Menschen. Deshalb beschäftigt sich Doerflinger in ihren Werken vor allem mit menschlicher Psyche, Schmerz, Tod - und mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Gesellschaft. Genau dieses allgegenwärtige Thema greift auch das Video «Les hommes ont des cerveaux, les femmes ont des cervelles» auf(«cervelles» ist das französische Femininum von «Gehirn»): Ein Gehirn wird langsam durch den Fleischwolf gedreht. Dabei wiederholt eine Stimme auf Französisch immer wieder Sätze wie «Du bist schön», «Du bist nett» oder «Du bist jung» - allesamt Maximen, wie sie die Gehirnwäsche der Gesellschaft vorgibt.
Carine Doerflingers Botschaften sind jedoch nicht als vorgefasst zu begreifen. Sie sind keine fertigen Aussagen, sondern sollen zum Nachdenken anregen. Ebenso flexibel beginnt die Künstlerin auch neue Arbeiten. Während des Schaffens selbst sollen sich die Ideen entwickeln, Neuland erschlossen werden. Am liebsten geht Doerflinger mit verschiedenen Materialien auf Entdeckungsreise. Vor nicht allzu langer Zeit war zum Beispiel der buchstäbliche rote Faden das favorisierte Arbeitsmaterial der ehemaligen Krankenschwester. Etliche Werke stammen aus dieser Schaffensphase, in der sich Doerflinger, wie so oft, mit der Suche nach sich selbst auseinandersetzte. Für ein Objekt hat sie 115 Kilometer rotes Garn in Folienröhren gestopft und daraus ein Labyrinth geformt. Abgesehen von rot findet man eigentlich nur schwarz, weiß und grau in Doerflingers Arbeiten. Der Grund ist einfach: «Ich mag keine Farben. Das lenkt von der Botschaft ab».
Die 47-Jährige hat viele künstlerische Vorbilder. Beim Durchblättern eines Fotobandes stellt sie derer einige vor: Eva Hesse, Louise Bourgeois, Bruce Naumann. «Früher mochte ich auch Body Art sehr. Mit viel Blut und so», erzählt die Künsterlin. Beim Body Art ist der Körper das Kunstobjekt und -material, zugleich jedoch ein Medium, um Schock- oder Ekeleffekte zu provozieren. «Aber das kann ich nicht mehr sehen», fährt Doerflinger fort. Was sie momentan liebt und macht, nennt sie «expressiven Minimalismus»: Mit ganz wenig ganz viel sagen.
(Internet: www.carine-doerflinger.de) |
























































