| Un-Verschämt: Ausstellung zeigt Künstler-Blick auf die Nacktheit |
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| Freitag, 24. Oktober 2008 um 22:05 Uhr | ||
Nacktheit, Kunst, DüsseldorfNacktheit aus der Sicht von Künstlern zwischen Antike und Gegenwart ist das Thema der durchaus provokanten Ausstellung in Düsseldorf. Die Schau «Diana und Aktaeon - Der verbotene Blick auf die Nacktheit» ist von diesem Samstag an (bis 15. Februar) im museum kunst palast am Rheinufer geöffnet und zeigt mit rund 300 Werken einen «scharfen» Bilder-Reigen von Peter Paul Rubens über Auguste Rodin, Max Beckmann und Otto Dix bis zu Gerhard Richter und Joseph Beuys.
Der antike Mythos vom Jäger Aktaeon und der Jagdgöttin Diana ist Fokus der Präsentation, von der ein weiter Kreis ins Gebiet der erotischen Kunst und des «verbotenen Blicks» gezogen wird, sagte Museumsdirektor Beat Wismer am Donnerstag. Es gehe aber auch um das «Entsetzen» an diesem lustvollen Blick auf das unverhüllte, meist weibliche Geschlecht, den der mythische Held mit dem Tode büßen musste.
Besucher sollten nicht nur in antiker und biblischer Überlieferung zwischen Venus und der badenden Susanna gefestigt sein, um sich der künstlerisch wie gedanklich hochkarätigen «Peep-Show» auszusetzen: Wundersam subtil wissen Altmeister wie Rembrandt oder Tizian die weibliche Nacktheit in Szene zu setzen. Dem koketten Blick einer winzigen «Quellnymphe» von der Hand Cranachs kann sich auch nach über 450 Jahren wohl kein männlicher Kunstfreund entziehen. Prickelnd all die Szenen, bei denen die weibliche Nacktheit überraschend enthüllt wird: Hier reicht die Palette von Nicolas Poussins «Schlafender Venus» (1625), die von Satyrn gestört wird über eine hinreißend- dramatische, im Bad ertappte Susanna der Malerin Artemisia Gentileschi von 1610 bis zu Picassos Szenen drängender Annäherungen.
Während im 19. Jahrhundert, oft schamhaar-scharf geschildert, die Mythologie gern als Akt-Vorwand geplündert wird, verschmelzen die expressionistischen Meister von Kirchner bis Otto Müller ihre Nackten mit einer verschwenderisch-paradiesischen Natur. Schieles oder Klimts Modelle spreizten ohne jede Scham die Beine für die Kunst. Der selten ausgestellte französische Denker und Künstler Pierre Klossowski kreist mit eine Serie riesiger Zeichnungen - eine wahre Entdeckung in Düsseldorf - thematisch immer wieder um den gefährlichen Blick auf die Nacktheit.
Klossowski bezieht den Betrachter ebenso als freiwillig- unfreiwilligen Voyeur ein wie Eric Fischl mit seinem großformatigen Meister-Gemälde «Bad Boy» von 1981: Ein Halbwüchsiger schaut scheinbar teilnahmslos zwischen die geöffneten Schenkel einer liegenden Nackten - und greift heimlich in ihre abgestellte Handtasche. Die verwischte «Studentin» (1967) Gerhard Richters nach der Vorlage eines Sex-Heftchens und eine von Scheinwerfern bestrahlte Akt-Installation von Ed Kienholz («Peep-Show Triptych»/1980) sagt deutlich mehr über die Abgründe von Sex und Eros als der vielleicht zu reichhaltige Reigen gynäkologisch-detailreicher Foto-Expeditionen in europäische oder japanische «Feuchtgebiete» oder von Penis-Bildern in Kartoffeldruck-Technik.
Allerdings, so erklärt Düsseldorfs Museumschef Beat Wismer den Literaten Botho Strauß zitierend, soll mit der enzyklopädisch anzüglichen Bilder-Schau «die weltbewegende Kraft der Scham», die heute so gern verdrängt wird, wieder ins Recht gesetzt werden. Denn allein die Scham, so Strauß, «verschleiert die Blöße und macht sie jedes Mal wieder zur ersten auf der Welt».
(Internet: www.museum-kunst-palast.de)
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