| Kunst und Kultur statt Rüben und Reben: Scharping im Arp-Ausschuss |
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| Freitag, 24. Oktober 2008 um 22:24 Uhr | ||
Scharping, Arp-MuseumDamals, Anfang der 90er Jahre, dachte Rudolf Scharping wohl nicht im Traum daran, eineinhalb Jahrzehnte später darüber in einem Untersuchungsausschuss aussagen zu müssen. Doch am Freitag war es soweit. Im dunklen Anzug mit rot-weiß gestreifter Krawatte gab der Ex- Bundesverteidigungsminister dem Ausschuss des Mainzer Landtags zu den Querelen um das Kunstmuseum in Remagen über die Vorgeschichte Auskunft, fast drei Stunden lang.
Bei kritischen Nachfragen der CDU-Abgeordneten konnte die Stimme des einstigen SPD-Bundesvorsitzenden schon mal schneidend bis spöttisch werden. Und einmal brach es aus ihm heraus: «Läuft das Museum jetzt schlecht oder gehen da keine Leute hin? Wo ist das Problem?»
Die ersten Planungen für den Bau des erst 2007 eröffneten Arp- Museums, die habe es bereits zu CDU-Regierungszeiten vor 1991 gegeben, betonte Scharping. «Es gab so etwas wie ein Konzept, eine Grundidee.» Er sage aber nicht, dass dies ausgefeilt gewesen sei. Das Museum zeigt unter anderem Werke des deutsch-französischen Dadaismus-Mitbegründers Hans Arp (1886-1966). Kritiker monieren, dass hier Steuermillionen verschwendet worden seien und eine geringere Zahl von hochkarätigen Werken als geplant präsentiert werde.
In dem Untersuchungsausschuss versuchen die Sozialdemokraten nachzuweisen, dass bereits CDU-Politiker vor dem Regierungswechsel 1991 zur SPD das Projekt eines Museumsneubaus auf die Gleise geschoben hätten. Die CDU-Abgeordneten wollen dagegen zeigen, dass es erst unter SPD-Zeiten dazu gekommen sei.
Scharping erinnert sich nach eigenen Worten nicht an große Vorbehalte in der Landespolitik gegen einen Museumsneubau vor Beginn seiner Amtszeit als Ministerpräsident von 1991 bis 1994. Seine Landesregierung habe das Konzept weitergeführt und sich um die spätere erfolgreiche Finanzierung im Rahmen des Bonn-Berlin- Ausgleichs gekümmert. Er könne sich nicht entsinnen, dass die CDU- Opposition seinerzeit etwa gesagt hätte: «Das ist alles Quatsch, lasst das sein, das ist zu teuer.»
Das Museum, das aus dem Kulturzentrum Bahnhof Rolandseck und einem strahlend weißen Neubau des US-Stararchitekten Richard Meier besteht, bezeichnete Scharping als eine «sehr vernünftige Sache». Schon der alte Kulturbahnhof sei einst als «Botschaft des Landes Rheinland- Pfalz vor den Toren der Bundeshauptstadt Bonn» eine «glänzende Idee» gewesen. Darüber sei er sich mit seinen CDU-Vorgängern Helmut Kohl und Bernhard Vogel einig gewesen. Das früher als «Land der Reben und Rüben» belächelte Rheinland-Pfalz habe auch mit Hilfe des geplanten Museums im Zusammenhang mit «Kunst und Kultur» mehr Ansehen bekommen sollen.
Die nächste Zeugin am Freitag war die ehemalige SPD- Kulturministerin Rose Götte (1991-2001). Sie beglückwünschte das Land zu dem «attraktiven Kulturzentrum» in Remagen, auch wenn es «eine schwere Geburt» gewesen sei. Bei etlichen Details habe sie Vorbehalte gehabt, räumte Götte ein, nicht aber bei der Grundidee: «Es ging nie um die Frage des Ob, sondern um die Frage des Wie.»
Wiederholt gab Götte Auskunft zu dem verstorbenen umtriebigen Arp- Nachlassverwalter und langjährigen Kulturbahnhof-Betreiber Johannes Wasmuth in Remagen. In seinen Geldnöten habe er einst dem Land ein Gemälde des Dadaisten Hans Richter für 100 000 Mark verkauft. Später habe er es mit Tränen und dem Verweis auf seine wohl begrenzte Lebenszeit zurückverlangt - und es im Tausch gegen andere Kunstwerke auch zurückbekommen, berichtete die Ex-Kulturministerin.
Die Pointe: Kurz darauf habe Wasmuth das Kunstwerk für das Zehnfache - eine Million Mark - in Amerika verkauft. Auf CDU- Nachfrage sagt Götte, ja, letztlich sei der Bildertausch «eine Entscheidung der Staatskanzlei» gewesen. Der damalige Ministerpräsident Scharping kann sich daran jedoch nach eigener Aussage nicht mehr erinnern. |
























































