| Millionenschwere Kunstsammlung Rau kommt ins Arp Museum |
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| Mittwoch, 29. Oktober 2008 um 06:58 Uhr | ||
Kunstsammlung Rau, Remagen, Arp MuseumEinen entsprechenden Leihvertrag für eine Dauerausstellung wollen die Beteiligten dort an diesem Mittwoch unterzeichnen. Das teilten das rheinland-pfälzische Kulturministerium und das Kinderhilfswerk UNICEF am Dienstag mit. Unmittelbar zuvor hatte das rheinland-pfälzische SPD-Kabinett nach dpa-Informationen eine Staatshaftung für die Kollektion beschlossen. Sollte künftig ein Rau-Gemälde im Arp-Museum beschädigt oder gestohlen werden, springt das Land finanziell ein.
Der 2002 gestorbene Stuttgarter Arzt Gustav Rau hatte seine Kunstsammlung mit einem Schätzwert von mehreren hundert Millionen Euro UNICEF vermacht. Zu der international bekannten Kollektion gehören zum Beispiel Werke von Lucas Cranach, Claude Monet, Paul Cézanne, Max Liebermann und August Macke. Unterzeichnet werden soll der Leihvertrag von Vertretern der Landesstiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck und UNICEF Deutschland sowie von Raus Nachlassverwalter.
Gezeigt werden künftig im Arp Museum nach Angaben des Kinderhilfswerks vor allem wechselweise die 95 Gemälde der von Rau selbst festgelegten «Kernsammlung», die nach seinen Wünschen noch bis zum Jahr 2026 zusammenbleiben muss. «Darüber hinaus leiht UNICEF dem Arp Museum 135 weitere Gemälde und Skulpturen, die bis zu ihrem Verkauf zugunsten der UNICEF-Stiftung für Ausstellungen zur Verfügung stehen», teilt das Kinderhilfswerk mit.
Das 2007 in Remagen-Rolandseck eröffnete Arp Museum zeigt bislang unter anderem Werke des deutsch-französischen Künstlers und Dadaismus-Mitbegründers Hans Arp (1886-1966). Wegen umstrittener Vereinbarungen, unklarer Wertigkeit von Kunstwerken und eines Zerwürfnisses zwischen dem Land Rheinland-Pfalz und dem privaten Arp- Verein geriet die 33 Millionen Euro teure Kultureinrichtung immer wieder in die Schlagzeilen. Derzeit beschäftigt sich auch ein Untersuchungsausschuss des Mainzer Landtags mit den Querelen.
Die Nachricht vom geplanten Umzug der Rau-Gemälde nach Remagen löste parteipolitisch höchst unterschiedliche Reaktionen aus. «Das ist ein Glücksfall für Rheinland-Pfalz», freut sich der SPD-Obmann des Untersuchungsausschusses, Carsten Pörksen. Die Rau-Werke werden nach seiner Einschätzung weit über die Landesgrenzen hinaus strahlen. Damit werde auch die Debatte über fehlende Kunst im Museum abflauen: Nach der Trennung von Land und Arp-Verein hatte dieser nicht mehr wie ursprünglich vereinbart seine Arp-Skulpturen für die Dauerausstellung herausgerückt.
Nur von einer «Notlösung» sprach dagegen Pörksens CDU- Gegenspieler im Untersuchungsausschuss, Gerd Schreiner. Zwar sei die Sammlung Rau zweifelsohne hochkarätig und sehenswert. Dennoch zeige sich hier «die ganze Verzweiflung» der SPD-Landesregierung. Denn das von US-Stararchitekt Richard Meier für Skulpturen gebaute Museum sei mit seinen hellen, hohen und lichtdurchfluteten Räumen kaum für Gemälde geeignet, moniert Schreiner. «Die brauchen Wände und abgedunkelte Räume.»
Er vermutet eine von Land und UNICEF ausgehandelte «Win-Win- Situation». Rheinland-Pfalz bekomme eine prestigeträchtige Kunstsammlung für ein halbleeres Museum und das Kinderhilfswerk spare sich Versicherungs-, Sicherheits- und Lagerkosten bei Raus «Kernsammlung», die schließlich bis 2026 nicht verkauft werden dürfe. Insgesamt besteht die in vier Jahrzehnten zusammengetragene Kunstsammlung Rau laut UNICEF derzeit aus 743 Gemälden, Skulpturen und kunsthandwerklichen Gegenständen. Aus einem Erbstreit nach dem Tod des Arztes ging das Kinderhilfswerk als Sieger hervor. Rau hatte 1970 die elterliche Fabrik verkauft und war für 15 Jahre als Kinderarzt nach Afrika gegangen.
(Internet: www.arpmuseum.org)
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