| MARTa-Gründungsdirektor verabschiedet sich mit großer Ausstellung |
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| Donnerstag, 30. Oktober 2008 um 07:11 Uhr | ||
MARTa, Jan HoetDer 72-jährige Belgier verlässt nach achtjähriger Tätigkeit das Museum und will mit der Schau «Loss of Control» nach eigenen Angaben «beweisen, was in Herford möglich ist». Die 400 Werke umfassende Ausstellung läuft vom 1. November 2008 bis 25. Januar 2009. Sie setze sich mit gesellschaftlichen Tabus und Grenzen, inneren Zwängen und Kontrollverlust auseinander, erklärte Hoet am Mittwoch.
Mit dem Symbolisten Félicien Rops (1833-1898) stellt das MARTa Arbeiten eines Künstlers aus, der die Tabukultur der Bourgeoisie und ihren Hang zum, schönen Schein stets provozierte. Immer wieder neu inszeniert er in seinen Arbeiten die Frau. Seine Darstellungen Prostituierter erinnern an den Franzosen Henri Toulouse-Lautrec, der sich wie Rops mit den Randerscheinungen der Gesellschaft auseinandersetzte. Den Bogen zur Gegenwart schlägt die Schau mit den Werken des zeitgenössischen Künstlers Jacques Charlier. Er animiert den Besucher zu hintergründiger Selbstbetrachtung. Kein Zufall ist, dass beide Künstler wie MARTa-Chef Hoet Belgier sind. «Ich wollte einmal eine Ausstellung als Belgier machen», erklärte Hoet mit Nachdruck.
Die Ausstellung vereint nicht nur zeitgenössische Kunst und Kunstgeschichte, sondern zeigt auch überraschende Parallelen auf. Eine Serie Charliers zeigt Porträts junger Frauen in Extase. Ihr gegenübergestellt sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Neurologen Jean- Martin Charcot (1825-1893), der seine Patientinnen in einem hysterischen Anfall ablichtete.
Damit widmet sich die Schau «Loss of Control» in einem weiteren Schwerpunkt dem Spannungsfeld zwischen Kunst und Psychiatrie. Mit der sogenannten Outsiderkunst gibt die Ausstellung Einblicke in Werke psychiatrischer Patienten. Ausgestellt sind unter anderem Werke des schizophrenen Künstlers Adolf Wölfli (1864-1930), die Einblicke in Grenzbereiche der menschlichen Seele vermitteln.
«Ich glaube, Herford ist inzwischen reif für, Outsiderkunst», sagte Jan Hoet, der den Standort Herford in Ostwestfalen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe sich das MARTa etabliert. Hoet betonte die Bedeutung der Einrichtung: «Ein solches Museum und derartige Ausstellungen befreien die Gesellschaft von Vorurteilen.»
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