| Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Kölner Museum zeigt Künstlerpaare |
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| Freitag, 31. Oktober 2008 um 10:27 Uhr | ||
Kölner Museum, Künstlerpaare«Die gehen jetzt schon mit mir duschen», schmunzelt die Kuratorin am Kölner Wallraf-Richartz-Museum. Sie meint damit, dass sie kaum noch etwas anderes im Kopf hatte als die 13 Künstlerpaare, die sie in der Ausstellung «Liebe, Kunst und Leidenschaft» zeigt. Es geht um die Kunst, aber auch um den Klatsch.
Mehr als 110 Exponate von 75 Leihgebern hat das Museum für die Ausstellung von diesem Freitag bis zum 8. Februar 2009 zusammengetragen. Zu den Höhepunkten gehören ein muschelbesetztes Doppelporträt, auf dem die zierliche Frida Kahlo (1907-1954) mit ihrem massigen Mann Diego Rivera (1886-1957) verschmilzt, und eine «Tragische Stimmung» von Marianne von Werefkin (1860-1938), geradezu ein Symbolbild für eine gestörte Beziehung: Vorn eine Frau mit verschränkten Armen und ganz hinten am Ende eines langen Weges ein kleiner schwarzer Mann. Zu dieser Zeit schrieb Werefkin über das Verhältnis zu ihrem Lebensgefährten Alexej von Jawlensky (1864-1941): «Ich bin zur Hure geworden und zur Küchenmagd, zur Krankenpflegerin und zur Gouvernante.» Er büxte später mit der Haushälterin aus.
Insgesamt 170 Künstlerpaare seit der Renaissance hat Schaefer gezählt, die Ausstellung konzentriert sich auf die Zeit von 1880 bis 1960. Gibt es Gemeinsamkeiten? «Jedes Beziehung war anders - Künstler sind auch nur Menschen», meint Schaefer. Oft war er der Ältere, und sie kam als Schülerin in sein Atelier, wobei sich das Ganze auch mal umdrehen konnte: Paula Modersohn-Becker (1876-1907) hat ihren Mann Otto Modersohn (1865-1943) im Laufe der Jahre klar überstrahlt.
«Manchmal hat der eine zurückgesteckt, damit sich der andere entfalten konnte.» Jackson Pollock (1912-1956), der bei seiner Mäzenin Peggy Guggenheim auch schon mal in den Kamin urinierte, hätte sich ohne seine Frau Lee Krasner (1908-1984) wohl noch hemmungsloser dem Alkoholismus hingegeben und auch noch den letzten Förderer vergrault. Sie war es, die für ihn die Galeristen abklapperte und ihn 1945 zu einem Umzug aufs Land bewegte, wo er fern von den Versuchungen der Großstadt in einem verriegelten Schuppen seiner Arbeit nachgehen konnte. Die Ausstellung zeigt jedoch, dass sie daneben durchaus eigene Ambitionen weiterverfolgte.
Geradezu tragisch das Verhältnis der jungen Camille Claudel (1864- 1943) zu Auguste Rodin (1840-1917): Mit 18 Jahren kommt sie als frühreifes Talent zu dem berühmten Bildhauer. «Eine geniale Frau», erkennt dieser, macht sie erst zur «Werkstattgehilfin», dann zur Geliebten. Camille will ihn unbedingt festhalten, lässt sich seine Liebe sogar vertraglich bestätigen. Als er sie schließlich verstößt, verewigt sie den Trennungsschmerz in einer Figurengruppe, in der sie ihn auf Knien anfleht, doch bei ihr zu bleiben. Vom großen Meister verlassen, verfällt sie langsam dem Wahnsinn.
Manche Biografie klingt fast wie eine Vorabend-Soap. Gute Zeiten sind dabei offenbar besser für die Kunst als schlechte Zeiten. Barbara Schaefer: «Meist ist es so, wenn's zu Hause gut läuft, dann profitiert davon auch die Kunst.» Am Ende gingen allerdings fast alle Beziehungen in die Brüche. Eine Ausnahme: der Dadaist Hans Arp (1886- 1966) und seine Frau Sophie Taeuber-Arp (1889-1943). Sie bildeten die ideale Künstlergemeinschaft, indem sie sich inspirierten und sich doch einen eigenen Weg zugestanden. Nach Sophies bis heute ungeklärtem Vergiftungstod schrieb er: «Sophie ist ein Himmel, Sophie ist ein Stern, Sophie ist eine Blume. Meine wichtigste Begegnung.»
Museumsdirektor Andreas Blühm wünscht sich, dass sein Haus in den nächsten Monaten zur Stätte romantischer Begegnungen wird: «Vielleicht entstehen ja beim Besuchen der Ausstellung neue Paare - oder Künstlerpaare.»
(Internet: www.museenkoeln.de/wallraf-richartz-museum)
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