| Tom Leonhardt - Künstler «im eigenen Auftrag» auf der Höri |
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| Mittwoch, 03. September 2008 um 07:54 Uhr | ||
Tom Leonhardt, Höri«Es war reiner Zufall», sagt der Maler Tom Leonhardt in seinem Atelier im ehemaligen Kloster von Öhningen (Kreis Konstanz). Als junger Mann war er bei einem Spaziergang am Untersee auf eine archäologische Grabung gestoßen. Wissenschaftler legten Pfahlbaureste frei. «Archäologie und Geschichte, das hat mich von klein auf fasziniert», erzählt er. Im Zeichnen bereits gut geübt, heuert er bei den Feuchtboden-Archäologen an. «Die Funde zu zeichnen, war wegen der Detailtreue damals hilfreicher für die Archäologen als sie fotografisch zu dokumentieren», erinnert sich der 49-Jährige. Bald fängt er an, auch Ausstellungen der prähistorischen Fundstücke zu gestalten.
Das Zeichnen und Malen sowie das Organisieren von Ausstellungen haben sein Leben entscheidend geprägt. Doch zunächst geht der in Rielasingen-Worblingen (Kreis Konstanz) geborene Sohn eines Architekten nach Stuttgart, wo er von 1986 bis 1992 an der Staatlichen Akademie der Künste studiert. Der Bodensee lässt ihn aber nicht los. Er organisiert eine Ausstellungsreihe in Singen unter dem Titel «Kunst im Umspannwerk», an der sich auch Künstler aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Frankreich und Polen beteiligen. Anschließend betreibt er in Konstanz mit Kollegen eine Privatgalerie, ohne dabei sein eigenes Schaffen zu vernachlässigen.
Sein Zuhause ist all die Jahre das benachbarte Dorf Wangen. Künstler aus Berlin, Köln, Zürich oder Wien besuchen ihn häufig. «Von Bohème war da aber nicht viel zu spüren», betont Leonhardt. «Wir waren keine Künstlerkolonie.» Seine Werke sind unter anderem in der Stuttgarter Staatsgalerie zu finden und in etlichen Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz zu sehen. Gerade zeigt das schweizerische Stein am Rhein einen Ausschnitt aus seinem zeichnerischen Werk.
Im Mittelpunkt seines Schaffens stehen viele Serien eindrücklicher Tuschezeichnungen in Klein- und Großformaten, die sich beispielsweise mit Ruderern auf dem Bodensee oder Doppelfiguren unter dem Titel «Alter Ego» befassen. Manche Arbeiten erinnern an Goya. «Die Themen ziehen sich über Jahre hin», erklärt er. Das gleiche gilt für die Ölmalerei. In den 90er Jahren entsteht der Zyklus «Giardino». Bei diesen Variationen über die geometrischen Formen eines Gartens lassen Farbstrukturen übereinander ein besonders Raumgefühl entstehen.
In seiner Kunst setzt sich Leonhardt intensiv mit politischen Fragen wie Krieg und Überwachungsstaat auseinander. Das wurde mit Zeichnungen über das Gefangenenlager Guantánamo deutlich. Bei seiner aktuellen Gemälde-Serie «Überflüge» dagegen, bei der er Abstraktes und Figürliches kombiniert, kommt sein Protest verschlüsselt daher. Auf den ersten Blick scheinen es ästhetische Bilder von hoher Qualität zu sein, die sich über jedem Sofa gut machen. Ein zweiter Blick offenbart aber Überraschendes: Auf einem Ornamentik-Bild, das an Klimt erinnert, wird eine Form sichtbar, die ein Tarnkappenbomber sein könnte. Die Assoziationen bleiben dem Betrachter überlassen. «Die ungesehene Kunst ist das, was mich reizt.»
Dass das freie Künstlerleben nicht ohne Risiko ist, räumt er freimütig ein. «Ich habe von Anfang an wie ein Hochseilartist gelebt», erklärt der verheiratete Vater zweier Töchter lachend. Dem Mainstream des Kunstmarktes widersetzt er sich. «Ich bin ein Künstler, der im eigenen Auftrag arbeitet.»
Auch wenn sich Leonhardt nicht in der Tradition der Höri-Künstler sieht, so macht ihm die Vergangenheit der Bodensee-Halbinsel als Wahlheimat oder Zufluchtsstätte von Dichtern und Malern mitunter das Leben leichter. «Die Bauern haben sich an vermeintliche Nichtstuer und Taugenichtse gewöhnt.» Auch die Nähe zur Schweiz, die nur einen Steinwurf entfernt beginnt, schaffe ein Klima der Offenheit. Vollständig integriert fühlt er sich dennoch nicht. Dazu mag beitragen, dass er sich auch kommunalpolitisch engagiert. «Da macht man sich nicht nur Freunde.» Er findet aber, dass er als Künstler auch eine Verantwortung für die Region habe. «Ich will mich einmischen und meinen Blick auf die Dinge zur Verfügung stellen.» |
























































