| Kunsthalle Dominikanerkirche zeigt Künstler aus acht Nationen |
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| Donnerstag, 04. September 2008 um 21:38 Uhr | ||
Kunsthalle DominikanerkircheEin Baby kommt mit angewachsenen Revolvern auf die Welt, und der Priester, der demütig kniend zu seinem Gott betet, trägt einen ausgestopften Wolfskopf. «KunstKörperlich - KörperKünstlich» heißt die neue Ausstellung in der Kunsthalle Dominikanerkirche. Sie zeigt von Sonntag (7. September) an moderne Körperbilder, die oft auch als Welt- und Feindbilder fungieren. Die Werkschau mit Arbeiten von 16 Künstlern aus acht Nationen ist bis zum 13. November zu sehen.
In den 1990er Jahren hatte die bildende Kunst den menschlichen Körper als zentrales Thema wiederentdeckt. Durch seine Gestaltung, Verkleidung oder Deformierung setzen sich immer mehr Künstler kritisch mit der Gesellschaft und den großen Themen der Zeit auseinander. So auch der Chinese Feng Lu, der in der Dominikanerkirche einen «Babylonischen Turm» aus Bambusstäben errichtet hat.
Auf der schwankenden Konstruktion haben 25 Figuren Platz genommen, die nur scheinbar eine Gemeinschaft bilden. «Ich sehe die Gesellschaft als große Baustelle und niemand weiß, ob hier ein Aufbruch oder der Zusammenbruch geplant ist», erklärt Feng Lu das fragile Gebilde. Sein Landsmann Chen Lei hat eindeutiger Position bezogen und die Helden seiner Kindheit ans Kreuz genagelt. 26 Comic- und Cartoonfiguren bilden in der bunten Installation ein bizarres Golgatha.
Die Österreicherin Deborah Sengl geht mit den falschen Gottheiten hart ins Gericht. Ihre provokante Skulptur «Wolfsschafpriester» zeigt einen Geistlichen mit dem Kopf eines Zähne fletschenden Raubtieres, aber auch in Sengls Zahnarztpraxis ist nichts so, wie es sein sollte.Hier haben sich Arzt und Patient unter dem mutmaßlichen Einfluss der Gentechnik in einen Puma und eine Hirschkuh verwandelt.
Die Niederländerin Chrystl Rijkeboer zeigt eine Burka aus Stoff und menschlichen Haaren, die sich als Feindbild der westlichen Welt verselbstständigt hat. Auch Carolein Smit aus dem holländischen Breda beschreibt mit ihren Keramikskulpturen die wachsende Gewaltbereitschaft. Neben ertrunkenen Mädchen und einem blutüberströmten Schmerzensmann hat sie einen kopflosen Babykörper geschaffen, der zwei Revolver auf den Betrachter richtet.
20 bronzene Affenskulpturen des berühmten, im Mai 2007 gestorbenen Künstlers Jörg Immendorff bilden einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung. Sie zeigen den Körper in immer neuen Stellungen und Varianten und entdecken so zahlreiche Bewegungsmöglichkeiten, unterschiedliche Präsentationsformen, aber auch diverse Verrenkungen.
Kunsthallenleiter André Lindhorst stellt nach einer viel beachteten Retrospektive im Jahr 2006 schon zum zweiten Mal «plastische Formulierungen des Menschenbildes» vor. «Wenn die Zuschauer erkennen, dass es hier nicht um skurrile Übertreibungen geht, sondern dass die Skulpturen neue ästhetische Positionen formulieren und sich ernsthaft mit unserer Gesellschaft auseinandersetzen, haben wir viel erreicht», sagt Lindhorst. Der dritte und letzte Teil der Ausstellungstrilogie soll 2010 folgen. |
























































