| Urheberrecht und öffentliches Obst - Ars Electronica zum Eigentum |
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| Donnerstag, 04. September 2008 um 21:42 Uhr | ||
Ars Electronica, UrheberrechtSobald das geistige Gut gedruckt oder auf CD gebrannt wurde, wird es meist ziemlich teuer. Im Internet wird dagegen hemmungslos frei heruntergeladen und kopiert - und kaum einer weiß noch, wem dort urheberrechtlich was gehört. Auf vielseitige Weise setzt sich im österreichischen Linz das Medienkunstfestival Ars Electronica bis Dienstag mit der Zukunft des Eigentumsbegriffes in einer modernen Wissensgesellschaft auseinander. Unter dem Motto «A new cultural economy - Wenn Eigentum an seine Grenzen stößt» geben Wissenschaftler wie Künstler Denkanstöße für den Umgang mit Mein und Dein im 21. Jahrhundert.
Auf dem Linzer Pfarrplatz steht der kleine Valentin vor einem Spielcomputer des Projektes «Take away - Data to go» und bewegt begeistert ein kleines Copyright-Monster mit Dollarzeichen auf dem Kopf per Cursor hin und her. «Jetzt will ich was zu Geschichte», beschließt der Achtjährige, wählt per Klick die Rubrik aus und lässt sein Bildschirmmonster die entsprechenden Bild-, Film-, Text-, oder Software-Dateien fressen. «Wir wollen zeigen, dass es im Internet ein immenses Wissen gibt, auf das man kostenlos zurückgreifen kann», erklärt der Projektbetreuer Bernhard Böhm. Jeder Besucher des Containers bekommt einen Speicherstick, auf den er sich an den Computern spielerisch freies Wissen aus dem Internet live herunterladen kann.
Denn die landläufige Meinung, dass es im weltweiten Netz kostenlos nur Unglaubwürdiges und Illegales gibt, stimmt nach Meinung des Projektbetreuers nicht. In 190-stündiger Arbeit hat er selbst vielschichtiges freies Wissen für das Copyrightmonster herausgesucht und in verschiedene Themengebiete geordnet - bei der Rubrik Philosophie vom Wittgenstein-Text bis zum allgemeinen Einführungsfilm. «Man muss schon genau schauen und selektieren, aber es ist eine gute Quelle», lautet sein Resümee.
Ein paar Schritte weiter ist das Thema Eigentum von der virtuellen Welt im wirklichen Leben angekommen: Eine Wagenburg auf dem Hauptplatz nimmt mit verschiedenen Projekten in Wohnwagen «echten» Raum in Besitz. Der US-amerikanische Künstler David Burns kniet dort vor einer Leinwand und malt die Umrisse von einem Teil von Linz. Ziel seines Projektes «Fallen Fruit» ist, eine weltweite Landkarte von Obstbäumen im öffentlichen Raum zu schaffen. «Allein am Sunset Boulevard in Hollywood haben wir 80 Bäume gefunden - Avocados, Pflaumen, Äpfel, Feigen, einfach alles», sagt er. In öffentlichen Aktionen, «fruit jams», sammeln er und zwei Freunde mit Interessierten das Obst ein und kochen daraus gemeinsam Marmelade. «Die Durchschnittsfrucht aus dem Supermarkt reist in den USA 2000 Meilen (ca. 3200 Kilometer), dabei gibt es sie auch kostenlos direkt vor der Haustür», sagt der Künstler, der sich auch als Umwelt- und politischer Aktivist sieht und Menschen zusammenbringen will.
Am Pfarrplatz ist das Copyright-Monster von Valentin fast mit kostenlosen Daten gesättigt. Sein Vater, Kurt Winkler, hat sich bei dem Projektbetreuer derweil über die Rechtsgrundlagen im Internet informiert, da er als Psychologe und Lehrer dort oft nach Fachliteratur sucht. «Es ist für mich ein Riesenproblem, weil ich nicht weiß, wie ich die Infos nutzen kann», sagt er. Schließlich wolle er sich nicht strafbar machen, wenn er das dort erworbene Wissen in Seminaren weiter verbreitet.
Als einen Lösungsansatz weist ihn der Betreuer auf die Aktion «creative commons» hin, die im Internet versucht, das aus ihrer Sicht rigide und veraltete Urheberrecht durch ein freieres Lizenzmodel für geistiges Gut zu ergänzen. Ihr Vorsitzender Joichi Ito leitet bei der Ars Electronica ein Symposium von Wissenschaftlern zum Thema geistiges Eigentum. «Du nutzt das Internet wenigstens nur zum Spielen», sagt der Vater zu Valentin. Doch der ist sauer, schließlich habe er letzt erst über die alten Griechen dort recherchiert: «Ich hab dazu ein Buch gehabt, ganz ein gutes, da standen auch viele Internet-Links drin.»
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