| Scheuer Wegbereiter der Konzeptkunst - Sol LeWitt wäre 80 geworden |
|
|
|
| Freitag, 05. September 2008 um 07:01 Uhr | ||
Sol LeWittSie gehören zum Stadtbild von Berlin und Hamburg, Zürich, New York und Washington. Der Amerikaner Sol LeWitt selbst mied die Öffentlichkeit, wo er nur konnte. Obwohl als Wegbereiter der Konzeptkunst und einer der Hauptvertreter des Minimalismus gefeiert, scheute er jede Art von Personenkult. Der Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland starb im April 2007 nach gut 40-jähriger Karriere. Er wäre an diesem Dienstag (9. September) 80 Jahre alt geworden.
LeWitt beschränkte sich auf einfache Formen und wenige Farben. Als Bildhauer schuf er Kuben, Türme und Pyramiden aus Holz, Plastik oder Beton. Ebenso berühmt ist er für seine 1100 «Wandzeichnungen», die eigentlich Malereien sind: Flächendeckende Muster aus weichen und harten Linien, gerade, geschwungen, gewinkelt. Dazu Kreise, Quadrate und andere geometrische Figuren.
Zu LeWitts Werken zählen «Black Form», ein schlichter schwarzer Block vor dem weißen Prachtbau des Rathauses von Hamburg-Altona, und die Wandmalerei im Eingang der neuen US-Botschaft in Berlin. Sie zeigt einen fünfzackigen Stern so groß und so klar, dass ihn selbst Passanten auf der Straße noch bewundern können.
Oft lieferte der Meister nur das Konzept für ein Werk. Er skizzierte seine Ideen auf Millimeterpapier und fügte schriftliche Anweisungen für seine Mitarbeiter hinzu. Beispiel Wandzeichnung No. 681 C (1993): «Eine Wand vertikal in vier gleich große Quadrate aufteilen. Diese mit schwarzen Strichen voneinander trennen und umranden. Dann Striche in den Quadraten ziehen, jeweils in eine andere Richtung (...)».
Mit Absicht ließ LeWitt Raum für Interpretation, so dass das Endergebnis oft eine Überraschung war. «Die Idee wird zu einer Maschine, die Kunst macht», lautete seine Devise. Kritiker beschied der Konzeptkünstler mit dem Hinweis, dass auch andere Kunstwerke auf Teamwork beruhten. Architekten griffen nicht selbst zur Maurerkelle, um ihr Design zu realisieren, und das Werk von Komponisten werde erst durch ein Orchester zu Musik.
LeWitt, der abwechselnd im heimatlichen Connecticut und im italienischen Spoleto lebte, experimentierte auch mit Lithographien und Radierungen und organisierte den Vertrieb von Künstlerbüchern. Er nahm junge Kollegen unter seine Fittiche und förderte sie, so gut er konnte. Auszeichnungen lehnte er meist ab, um die Aufmerksamkeit von sich auf das künstlerische Produkt zu lenken. Außerdem stand er ungern im Scheinwerferlicht.
Seine Kamerascheu dokumentierte LeWitt 1980 selbst in dem Werk «Autobiographie», einer Sammlung von 1000 Fotografien. Sie gewähren Einblick in das Umfeld des Künstlers, stellen jeden Winkel seiner damaligen New Yorker Wohnung vor, Fußleisten, Wasserrohre, leere Marmeladengläser inbegriffen. Er selbst ist nur ein einziges Mal abgelichtet, so winzig und unscharf, dass jeder nicht eingeweihte Betrachter ihn übersieht.
Nichtsdestotrotz sieht die «New York Times» einen «Leitstern der modernen amerikanikanischen Kunst» in LeWitt, und der anspruchsvolle Netzwerksender NPR begeistert sich für sein «Vermächtis verblüffend simpler Ideen». |
























































