| National Gallery: Kein Selbstporträt auf Campin-Gemälde |
|
|
|
| Freitag, 12. September 2008 um 06:50 Uhr | ||
Selbstporträt, Campin-GemäldeAuf dem fast 600 Jahre alten «Porträt einer Frau» von Robert Campin (um 1375-1445) befindet sich nach Angaben der National Gallery in London kein Selbstporträt des Malers. Es gebe auf dem Fingerring der dargestellten Frau eine Stelle, die als Gesicht interpretiert werden könne, aber der Maler habe dies nicht beabsichtigt, sagte eine Sprecherin am Donnerstag der dpa in London und bestätigte damit einen Bericht der «Mitteldeutschen Zeitung» vom gleichen Tag.
Der Archäologe Mirko Gutjahr vom Landesmuseum für Vorgeschichte Halle hatte in der vergangenen Woche berichtet, er habe in dem in London hängenden Werk das weniger als einen halben Zentimeter große Porträt eines Mannes mit Bart entdeckt. Dies sei wahrscheinlich das Selbstporträt des flämischen Malers. «Campin neigte zum Verschlüsseln, und er hätte damit ein Porträt im Porträt geschaffen», sagte Gutjahr. Er hat allerdings nicht das Originalwerk untersucht, sondern nur ein digitales Foto davon.
«Wir sehen keinen Grund für ein Dementi. Jetzt sind die Kunsthistoriker gefragt», sagte Alfred Reichenberger, Sprecher des Landesmuseums für Vorgeschichte, am Donnerstag der dpa. Gutjahr selbst darf sich nicht mehr äußern. Die meisten deutschen Medien und auch Kunstzeitschriften hatten über seine Erkenntnis berichtet.
Allerdings hatten sich danach bereits mehrere Kunsthistoriker kritisch geäußert. Um 1430 seien niederländische Männer immer glatt rasiert gewesen, also ohne Bart, sagte etwa der Berliner Spezialist für altniederländische Malerei, Stefan Kemperdick, der «Welt online». Im gleichen Bericht meint Jochen Sander, stellvertretender Museumsdirektor des Städel Museums Frankfurt/Main: «Sehen Sie lange genug in die Wolken und Sie sehen Gesichter.» Das menschliche Gehirn nehme zwei Augen wahr und stelle sich daher ein Gesicht vor, sagte die Sprecherin der National Gallery.
Gutjahr war bei der Suche nach Vergleichsstücken zum Ring von Katharina von Bora (1499-1552), der Ehefrau des Reformators Martin Luther, auf das Campin-Bild gestoßen. Boras Ring wurde 2004 bei archäologischen Grabungen am Lutherhaus in Wittenberg gefunden. Der Ring wird zusammen mit dem Bild von Campin zur Landesausstellung «Fundsache Luther» vom 31. Oktober 2008 an in Halle gezeigt. Die Schau zeigt erstmals archäologische Stücke aus Luthers Elternhaus in Mansfeld und seinem Wohnhaus in Wittenberg.
(Internet: www.archlsa.de; www.ng-london.org.uk)
|
























































