| Eulenspiegel im Kunstbetrieb - Die Arbeiten von Christian Jankowski |
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| Freitag, 12. September 2008 um 06:55 Uhr | ||
Christian JankowskiKaum ein anderer zeitgenössischer Künstler setzt sich so nachdrücklich mit der allgegenwärtigen Medien- und Unterhaltungsindustrie auseinander. Er befragt italienische TV- Wahrsager zu seiner künstlerischen Zukunft, versucht in Teleshopping- Manier Kunstwerke zu verhökern und jagt im Supermarkt mit Pfeil und Bogen Joghurts. Jankowskis Videokunst ist von diesem Samstag an und bis zum 11. Januar im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen, das sich erstmals an Videokunst wagt.
Es ist die erste umfassende Schau mit Arbeiten des in Göttingen geborenen Künstlers, der sich mit viel hintergründigem Humor und Lust an Maskerade einen Namen in der weltweiten Videoszene gemacht hat. Christian Jankowski hält nicht nur der Kunstszene, sondern auch Politik, Entertainment und Wirtschaft den Spiegel vor. Gnadenlos. Video, Film, Fotografie und Installation sind die adäquaten Medien seiner künstlerischen Strategie.
Da ist zum Beispiel seine ganz frühe Arbeit «Die Jagd», für die er sich eine Woche lang mit Sachen ernährt hat, die er zuvor mit Pfeil und Bogen im Supermarkt gejagt hatte. «Der Künstler tritt als "Jäger und Sammler" auf, dessen Überlebenskampf nicht mehr ganz zeitgemäß wirkt», heißt es im Ausstellungskatalog. Das Video gilt längst als Klassiker der Szene. Hatte diese Arbeit aus den 90er Jahren noch in erster Linie dokumentarischen Charakter, verlagerte Jankowski später die Produktion direkt in Live-Fernsehsendungen: So befragte er 1999 anlässlich seiner Einladung zur Venedig-Biennale TV-Wahrsager zu seinem Erfolg. Die Mitschnitte der Live-Sendungen wurden dann zu seiner Biennale-Arbeit «Telemistica» und begründeten Jankowskis Erfolg. «Die philosophierten über meine Arbeit, ohne zu wissen, dass sie am Ende selbst die Arbeit sind», erklärte der 40-Jährige.
Jankowski lebt und arbeitet in New York und Berlin. Seit 2005 ist der 40-Jährige Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Seine Ausstellungen seien «so zynisch wie ein angetrunkener Kunstprofessor», schrieb der Berliner «Tagesspiegel». Vor der Messe «Art Cologne» ließ er echte Kunst von einem professionellen Teleshopping-Moderator verhökern. Hehre Kunst mutierte zur kommerziellen Ware. Und als letztes wurde Jankowskis Video darüber verkauft - das Kunstwerk «Kunstmarkt TV» brachte sich so quasi selbst an den Mann. Eine andere DVD von 25 Hula-Hoop- Tänzerinnen auf den Dächern von China-Town in New York war einem russischen Sammler 20 000 Euro wert. Aus seiner Wohnung hatte Jankowski eine Tänzerin beobachtet, die zum Mittelpunkt der Videoinstallation «Rooftop Routine» wurde.
Für die Stuttgarter Präsentation nahm Jankowski in der Arbeit «Dienstbesprechung» den Ort der Ausstellung, das Kunstmuseum, selbst ins Visier. Die Mitarbeiter tauschten - per Losverfahren - ihre Arbeitsplätze. So fand sich der Techniker auf dem Posten der Direktorin wieder, der Registrar wurde als Kunstvermittler zum Autor verschiedener Katalogtexte. Was ist Kunst, und wer bestimmt, wo sie beginnt? Heraus kam ein frisches Video, ein Imagefilm mit ungewöhnlicher Besetzung - vom «Eulenspiegel» voll in seinem Element.
(Internet: www.kunstmuseum-stuttgart.de)
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