| «Ja» oder «Nein» - Stuttgarterin schafft Kunst zwischen Gegensätzen |
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| Dienstag, 16. September 2008 um 07:07 Uhr | ||
Simone Westerwinter, Künstler, StuttgartMannshoch und von sanftem Rosa geprägt steht das eine da. Darauf, weiß getupft und glitzernd die beiden Buchstaben «NO». Daneben, eine noch größere Leinwand, von Hellblau dominiert, auf dem bereits die erste weiße Schicht «YES» aufgetragen ist.
Doch da ist noch mehr zu sehen, auf den Bildern der Stuttgarter Künstlerin Simone Westerwinter. Unter den satten Farbflächen liegen weitere Formen. Das Rosa deckt das Nein-Bild längst nicht gleichmäßig ab und auch unter der hellblauen Grundierung des «YES» scheinen deutlich Kreisfragmente in stärkerem Blau und Grau.
«Meine Arbeit hat zunächst immer etwas Einladendes», erläutert Westerwinter. «Ich habe viel mit dem "Ja" gearbeitet. Das wirkt sehr konkret, sofort ist Kommunikation da. Aber wenn es dann keinen Inhalt dahinter gibt, der sofort erklärt wird, ist das "Ja" unglaublich abstrakt», führt die zierliche 47-Jährige aus. «Das ist gleichzeitig Struktur und Abstraktion pur.»
Beim Blick auf Westerwinters Werke stößt der Betrachter immer wieder auf solche Gegensätze. Wahrscheinlich bestimmen aber gerade die Räume ihre Arbeit, die zwischen zwei Polen entstehen, eben die darunter liegenden Schichten. Was passiert, wenn die Alltagsgeste Händedruck zum Aktionskunstwerk («Unsere Skulptur», 2005, Sammlung Kunstmuseum Stuttgart) erklärt wird? Wie verhalten sich Besucher einer Vernissage, wenn sie durch eine Clownin («Clownimone- performance», seit 1999) zur Polonaise animiert werden? Oder warum kaufen Menschen Porträts, auf denen nicht das individuelle Gesicht, sondern nur der unpersönliche Name des Porträtierten («Namensaquarelle», seit 1996) stehen?
«Wenn man Konzeptkünstlerin ist, hat man eine Grundlinie und ist auf der Suche nach Innovationen», erklärt Westerwinter das Festhalten an einem Schwerpunkt. Das scheint sich für die Stuttgarterin auszuzahlen, immerhin gehören zu ihren Kunden auch Daimlerchrysler, das Robert-Bosch-Krankenhaus oder das Kunstmuseum Stuttgart. Dort hängt von ihr ein über mehrere Etagen ausgebreitetes Bild aus Flokatiteppich («84 qm beste Lage», 2005). «Ich kann mir meine Themen selber aussuchen, das ist ein Geschenk», sagt Westerwinter, die seit Ende des Kunststudiums 1991 als freischaffende Künstlerin arbeitet. Sie schätze es sehr, nicht fremdbestimmt zu sein, man müsse es aber auch aushalten können, «vor dem Nichts zu stehen.»
Bei ihren neuesten Werken hat sie zum ersten Mal figürlich gearbeitet. Unter dem Motto «Sweet Structures» wird sie ab Mitte September zusammen mit zwei anderen Künstlern in der Stuttgarter Galerie Parrotta einen Teil ihres Werkes ausstellen. Zu sehen sind neben «Structure 1» und «Structure 2» auch Bilder mit nackten, modelhaften Frauen, die aber gleichzeitig Boxhandschuhe tragen. «Auch hier wieder ein Gegensatz: Schönheit und Boxen», erläutert Westerwinter.
Als sie schließlich gebeten wird, für den Fotografen zu posieren, zeigt sich, was für Westerwinter Konzeptkunst bedeutet. Flugs macht sie sich selbst zum Kunstwerk, streift sich in Anlehnung an die Models auf ihren Bildern einen herumliegenden Boxhandschuh um und schminkt sich ein Auge blau. «Meine Maltechnik macht auch vor mir nicht halt», erklärt Westerwinter mit einem fröhlichen Lachen. In diesem Moment zeigt sich ein wenig, warum Westerwinter für sich wohl meist das «Ja» dem «Nein» vorzieht. |
























































