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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Realismus des Wunderbaren: Chilenischer Maler Hernando León wird 75 PDF Drucken E-Mail
Samstag, 27. September 2008 um 10:25 Uhr

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 Hernando León, Malerei

Fantastische Figuren, seltsame Fabelwesen, Legenden und Mythen, die Farben ein Fest für das Auge. Bei jedem «Lesen» finden sich neue Details. «Leóns Kunst ist eine poetische Gratwanderung zwischen Realem und Fantastischem..., schrieb der Kunstwissenschaftler Gerd Söder schon vor Jahren und sprach in Anlehnung an den kubanischen Schriftsteller Alejo Carpentier vom «Realismus des Wunderbaren».

 

Wundersames hat von Anfang bei León an eine Rolle gespielt. Denn zwischen seiner «amtlichen» und seiner tatsächlichen Geburt klafft ein ganzer Tag. «Mein Vater war so begeistert, dass er das Datum verwechselte und den 30. September als Termin angab. Tatsächlich bin ich am 1. Oktober geboren.» Sicher ist auf jeden Fall: Der Junge kam im Dorf Yungay zur Welt, in der 8. Region Chiles, die zum «Kleinen Süden» des Andenlandes gehört. Anfangs wollte León Fußballprofi

werden: «Für einen Südamerikaner ist das ja eine wichtige Sache.»

 

Doch aus dem Ballkünstler wurde ein richtiger. León studierte Kunsterziehung und Wandmalerei in Santiago de Chile. Er bekam ein Auslandsstipendium und entschied sich für Dresden - aus Verehrung für den Maler und Hochschulprofessor Hans Theo Richter. In Dresden verliebte sich Hernando in eine Kunststudentin, Margarita Pellegrin. Sie stammte trotz des südländischen Namens aus Aue. «Wir wurden eine Mischlingsfamilie: Sie hat deutsches und italienisches Blut, ich spanisches und indianisches», sagt der Maler.

 

Nach der Rückkehr in die Heimat wurde der damals 29-Jährige León Hochschullehrer in Valdivia und Antofagasta, außerdem Gastprofessor in Quito (Ecuador). «Erst die Lehrtätigkeit gab mir Freiheit, Kunst zu machen. Ich war nie abhängig vom Verkauf meiner Bilder.» Die Familie wuchs. Nach Sohn Juan wurde Tochter Ximena geboren, dann Alejandro. Der Knabe war zwei Jahre alt, als sich das Leben der Leóns wie das Tausender Chilenen über Nacht änderte. Am 11. September 1973 putschte das Militär unter General Augusto Pinochet.

 

León war zwar kein Kommunist, geriet als Linker aber dennoch in die Fänge der Putschisten. Drei Wochen nach dem 11. September wurde er verhaftet. «Das war ein komischer Tag. Wir wollten einen Ausflug machen und Vater kam nicht nach Hause», erinnert sich Ximena. Nach einem Monat kam León frei und floh nach Peru. Die Familie folgte kurze Zeit später. Am Ende der Odyssee wurde der Geburtsort ihrer Liebe zur neuen Heimat. «Ich kann mir nicht vorstellen, in einer anderen Stadt zu leben», sagt Hernando León über Dresden.

 

Der Maler arbeitete als Professor und hinterließ auch in anderen ostdeutschen Städten wie Weimar, Schwerin oder Bautzen künstlerische Spuren. Dabei gab es manchen Konflikt mit DDR-Funktionären. «Das vordergründig Politische mochte ich nie. Ich wollte auch kein Pinochet-Opfer sein.» Dennoch zählt er den blutigen Putsch zu den drei größten Ereignissen seines Lebens - neben dem Erdbeben von 1939 und der Flutkatastrophe 2002. Damals überschwemmte die von ihm so geliebte Elbe das Wohnhaus in Dresden und das Atelier in Pirna.

 

León sieht sich als Mittler der Künste zwischen Deutschland und Chile. Der Stadt Chillán stiftete er ein Museum für moderne Kunst, in Pirna arbeiten regelmäßig junge chilenische Künstler. «Die Heimat aus der Ferne zu sehen, hat auch mich damals sehr bereichert.» In Chile ist er inzwischen als bedeutender Maler anerkannt. Auch in anderer Hinsicht steht er auf der Sonnenseite. Wenn es in Deutschland Winter wird, reist er ins sommerliche Chile. Den deutschen Sommer verbringt er an der Elbe. «Mein Vater wandert ein leben lang», sagt Ximena.



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