| Pinselschläge und Spachtelattacken - Rüdiger Tamschick lehnt Titel ab |
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| Samstag, 27. September 2008 um 10:43 Uhr | ||
Rüdiger Tamschick«Titel entlassen den Betrachter aus der Pflicht genau hinzusehen und etwas zu erspüren», sagt Rüdiger Tamschick, Maler und Hersteller von Lichtzeichnungen aus Neonröhren. «Es ist ähnlich wie man Musik hört, ohne gleich eine bekannte Melodie zu erkennen.» Tamschick, 1942 in Leipzig geboren, lebt seit Beginn seines Kunststudiums 1962 in Stuttgart. Er schafft großflächige Ölbilder, auf denen meist blaue und rote Farben dominieren - aufgetragen mit kräftigen breiten Pinselstrichen.
Der Stuttgarter Kunstprofessor Kurt Weidemann spricht von «Pinselschlägen und Spachtelattacken» und von «ungebärdigem Austoben», wenn er Tamschicks Malstil beschreibt. Tamschick mit seinen 66 Jahren auf dem Weg in «eine milde Abgeklärtheit» zu sehen, sei absurd.
Tamschick tauchte in den vergangenen Jahren das Stuttgarter Wilhelmspalais mit seinen roten und blauen Lichtstäben in gespenstisches Licht. Vom Bühnenbild kommend hatte er schon 1987 in Stuttgart mit der künstlerischen Gesamtgestaltung der Ausstellung «Exotische Welten - Europäische Phantasien» im Kunstverein für Aufsehen gesorgt. Tamschick hatte für die Stuttgarter Exotik-Schau ein Gesamtkunstwerk geschaffen, bei dem nicht einmal der profane Fußboden ausgelassen wurde. Mit großen Besen colorierte Tamschick den Ausstellungsraum als müsste er eines seiner Bühnenbilder schaffen.
Sein größtes Werk - von den Ausdehnungen her - hängt in der Eingangshalle des Kongresszentrums Stuttgart: 500 Quadratmeter expressive Wandbemalung prangen dort ebenfalls in blau und weiß. Tamschicks Bilder, die er selbst «Farbfeldmalerei» nennt, finden sich in mehreren Museen. Zocker und Spieler treffen auf einen Tamschick, wenn sie die Spielbank in Stuttgart betreten. Ein 300 Quadratmeter großes Wandgemälde in Goldfarbe gehalten sowie eine hellleuchtende Neoninstallation empfangen in der Eingangshalle die Spieler.
Die Staatsgalerie Stuttgart hat Werke von Tamschick gekauft und die Sammlung Würth hat großflächige Tamschicks erworben. Den aktuellen Kunstmarkt nennt der Künstler, der früher an der Stuttgarter Kunstakademie das Fach Bühnenbild lehrte, mehr als schwierig. Die nachlassende Konjunktur schlage auch auf die Kunst durch. «Wer keinen prominenten Namen hat, der hat es schwer zu verkaufen», schildert er die Situation des Markts. «Namen kommen und gehen, neue Namen werden von Galeristen urplötzlich aus der Taufe gehoben. Wie lange sie top bleiben, ist offen», meint der Maler. Das Gros der Künstler müsse «echt kämpfen», wenn es sich durchsetzen wolle. Die Entdeckerlust sei aber nicht zurückgegangen. Doch den Weg manch anderer Künstler, mit Gewalt oder Exzentrik aufzufallen, ist nicht Tamschicks Sache: «Die Rolle des Künstlers als Hofnarr der Gesellschaft lehne ich ab.»
Tamschick versteht sich als «Farb-Licht-Maler» und versucht in seinen neuen Werken das Licht elementar als Farbe in seine Arbeiten einzuarbeiten. Deshalb spricht er auch von einem «Licht- Pinselstrich», wenn er seine Installationen vorstellt. Der Computer erlaubt es ihm durch Veränderungen der Farben «lichtmalerische Übermalungen» zu erzeugen. Wer Tamschick in seinem Atelier besucht, der steht plötzlich vor riesigen Leinwänden und Papierfahnen, «die auf die Farblust von mir warten», meint er.
Schon 1999 hat Tamschick ganz neue Felder der Präsentation für seine Kunst erschlossen. Er war sofort bereit in der katholischen St. Georg Kirche in Stuttgart das «Spannungsfeld Kunst und Kirche» mitzugestalten. Tamschick schuf einen Kreuzweg in großflächigen modernen Bildern. Der Augustiner-Mönch Johannes Steinbach sprach von einem Wagnis, denn er präsentiere seiner Kirchengemeinde statt herkömmlicher Motive abstrakte Kunst. Das Experiment gelang. Das Interesse der Kirchengemeinde war überwältigend, stellte der Mönch fest. Tamschick ist mit der Künstlerin Mireille Perreau verheiratet, die aus Polyesterblöcken kleinformatige «Faune» schafft. Seine beiden Kinder arbeiten ebenfalls als Künstler. |

























































... sondern 1962 begann R.T. sein Studium in Stuttgart.