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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Röntgenbild zeigt in Giacometti-Skulptur Feile und Bohrer PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 05. April 2009 um 11:21 Uhr

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Leinz, Skulptur


Dazu wurde seine lebensgroße Gipsskulptur «Frau auf dem Wagen» vom Scheitel bis zur Sohle geröntgt. «Radiologisch ist das Ergebnis eine Sensation», sagt Gottlieb Leinz, stellvertretender Direktor des Museums, über den posthumen Befund zum dem Meisterwerk der Duisburger Sammlung. Das Röntgenbild zeigt anstelle der üblichen Eisenstangen zur Stabilisierung der in Gips geschaffenen Skulptur eine Feile, einen Handbohrer, viel Draht - und ein Brett.

«Diese Dinge sind Fundstücke aus dem Atelier des Künstlers», erklärt Leinz die überraschende Armierung der Skulptur, die 1986 in die Duisburger Kunst-Kollektion kam. «Sie steckt voller Teile, die Giacometti zufällig aufgelesen hat.»

Während die Raspel den schweren Sockel mit den Knien der Figur verbindet, steckt das Brett im Rücken und hält so die Schulter- Gesäßpartie. Die für den Zusammenhalt der Figur entscheidende Stelle ­ das Genick - werde durch den Handbohrer befestigt, beschreibt der Kunstexperte: «Der Griff steckt quer im Kopf, der Bohrer im Hals.»


«Der Künstler musste sehen, wie er zurecht kam», erklärt Leinz. Die in den Jahren 1943 bis 1945 im väterlichen Atelier in Maloja in der Südschweiz entstandene «Frau auf dem Wagen» ist nämlich Giacomettis erste große, figürliche Skulptur. Und es ist überhaupt das erste Werk des bis dahin als Surrealist geschätzten Künstlers, das er als Resultat seines jahrelangen Ringens um angemessenen figürlichen Ausdruck selbst akzeptiert hat. Damit markiert sie einzigartig den Beginn des für den weltberühmten Künstler (1901-1966) typischen Stils: Große, schlanke, frontale Figuren, die auf schweren Sockeln starr gefroren dastehen und mit ihrer schrundig bewegten Oberfläche beredt von Verletzlichkeit und Vergänglichkeit sprechen.

Die Erkenntnisse über das unerwartete «Innenleben» der Figur hätten ihn beruhigt, sagt Leinz. Grund der Untersuchung ist die Vorbereitung einer Giacometti-Schau im kommenden Jahr, bei der die «Frau auf dem Wagen» im Zentrum stehen soll ­ ergänzt um hochkarätige Leihgaben, die Entstehung und Umfeld der Skulptur verdeutlichen. Maßgeblicher Leihgeber ist unter anderem die in Paris ansässige Giacometti-Stiftung, die den Nachlass des Künstlers verwahrt.

Neben dem wissenschaftlichen Interesse habe ihn vor allem die profane Sorge getrieben, dass die mehrere Millionen Euro teure «Frau auf dem Wagen» unwiederbringlich beschädigt werden könnte, sagt Leinz. Nicht nur, dass sie im Duisburger Museum bewegt werden muss. Bei einem Transport außer Haus hätte sie zerbrechen können, so die Befürchtung des Kurators vor der Röntgenaktion. Bescheidene 1000 Euro hat die Untersuchung der kunsthistorischen Kostbarkeit gekostet, für die der mit einem mobilen Röntgenapparat ausgestattete Kölner Restaurator Hans Portsteffen eine ganze Nacht im Museum verbracht hat.

(Internet: www.lehmbruckmuseum.de)



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