| Windsäcke und «Bruchbude» als Kunst an der Küste |
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| Montag, 13. April 2009 um 19:53 Uhr | ||
Beaufort, Kunst, Küste
Im Erdgeschoss des Gebäudes in der Weststraat 111 ist ein Fenster mit Brettern verrammelt, im ersten Stock hängt der Balkon «auf halb Acht». «Die Fassade» hat der polnische Künstler Robert Kusmirowski (35) seinen morbiden Beitrag zur diesjährigen Ausgabe der Freiluftschau «Beaufort 03 - Kunst am Meer» an der belgischen Küste genannt. Kaum gestartet, avancierte das Werk zum «Aufreger» des als Triennale auf dem knapp 70 Kilometer langen Küstenstreifen zwischen Knokke und De Panne organisierten Kunst-Projektes. Die dritte Ausgabe von Beaufort, an der mit Bildhauerwerken in Dünen, am Strand, auf Piers und Promenaden 30 internationale Künstler beteiligt sind, dauert bis zum 4. Oktober. Ebenso lange zu sehen ist die begleitende Schau im «Kunstmuseum am Meer» in Ostende zur Kulturgeschichte der belgischen Küste. Verbunden, so sagt Beaufort-Kurator Phillip van den Bossche, seien die Kunstwerke aller Techniken durch ihre Auseinandersetzung mit der Geschichte, dem «Erbe» der belgischen Küste. Kusmirowskis «Bruchbude» verschandele das Stadtbild, lautet die Beschwerde in Blankenberge. Dabei prägen längst nicht mehr «Glanz und Gloria» einer pittoresken Bäder-Vergangenheit die Küste, sondern monströse Wohnblocks längs der Uferpromenaden. Möglicher Grund für die Anstoßnahme an der temporären Kunst-Kulisse: Kusmirowskis Fassade funktioniert wie ein Spiegel, in dem das Auge des Betrachters für die Wirklichkeit mit all ihren Schön- und Hässlichkeiten geschärft wird. Neben wenigen großen Namen, mit denen die beiden vorherigen Beaufort-Ausgaben Hunderttausende Kunstfans an die Küste lockten, sind bei der dritten Ausgabe vor allem junge Talente dabei. So wie Kusmirowski, der als «Meisterfälscher» zu den gefragtesten polnischen Nachwuchskünstlern zählt und dessen «Fassade» im übrigen die exakte Replik eines Abbruchhauses aus seiner polnischen Heimat ist. Unter den prominenten Teilnehmern ist das Urgestein der Konzeptkunst, der US-Amerikaner John Baldessari. Der 77-Jährige begleitet das ambitionierte Freiluftprojekt per zweischneidigem Sinnspruch: «No more boring art» («Keine langweilige Kunst mehr.») wird 15 Mal am «Himmel über Beaufort» zu lesen sein - per Bannerschleppflugzeug. «Ergraut», aber frisch ist auch der 1938 geborene, als «Streifenmaler» weltberühmte Franzose Daniel Buren. Der hat im pittoresken Badeort De Haan mit «Der Wind weht, wo er will» einen «Hingucker» auf den Strand gestellt: 100 Edelstahlstangen, an denen in luftiger Höhe knallbunt gestreifte Windsäcke fröhlich flattern. Monströs ist dagegen der «Kinderspielplatz» von Sven 't Jolle, der im Strandsand von Nieuwpoort steckt. «Ferien in Melsbroek (127)» heißt der stacheldrahtbewehrte Käfig mit Plastikrutsche in Hasenform und der künstlichen «Kletter-Erdbeere» - eine Installation nach dem Kinderspielplatz des «127» genannten Abschiebe-Zentrums in der Nähe Brüssels. Wer die belgische Küste per Tram, Fahrrad oder Auto auf den Spuren der Kunst erkundet, trifft in Westende auf eine der spektakulärsten Arbeiten: Eine monumentale, 12 Meter hohe Kuppel-Konstruktion aus Holzlatten des 1967 geborenen Schotten Aeneas Wilder. Im noblen Knokke dagegen kann der badewillige Kunstfreund eine von 15 Strandkabinen mieten, die die Portugiesin Leonor Antunes den Zimmern einer 1999 abgerissenen, architektonisch aber wegweisend modernen Villa nachempfunden hat. Dem Zweifel an der Wirkmacht von Kunst hat der US-Amerikaner Evan Holloway Ausdruck verliehen. Angesichts der natürlichen Schönheit der belgischen Küste befand er «Nie gut genug» und setzte diesen Schriftzug in Gestalt eines trocknenden Fischernetzes in den Sand von Sint-Idesbald. (Internet: www.beaufort03.be) |
























































