| Sanierung statt Künstlerförderung für Worpswede |
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| Dienstag, 14. April 2009 um 06:55 Uhr | ||
Künstler, Stipendiaten, Worpswede
Die Gemeinde mit ihren knapp 9500 Einwohnern bangt um ihre «Künstlerhäuser», in denen seit Jahrzehnten Künstler aus aller Welt zeitweise leben und arbeiten. Doch das wird vom nächsten Jahr an nicht mehr möglich sein, denn das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur will die Stipendien-Fördergelder von Worpswede nach Lüneburg verlagern. Gleichzeitig soll die Künstlerkolonie, die bis heute eng verbunden ist mit den Gründern Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Heinrich Vogeler und Fritz Mackensen, touristisch aufgewertet werden. Neun Millionen Euro sollen in die Sanierung des Ortes fließen. Sowohl das Kultur- als auch das Wirtschaftsministerium in Hannover sprechen von einem «erheblichen Sanierungsstau». Und wer sich die historischen Gebäude in der Gemeinde im Kreis Osterholz anschaut, wird es bestätigen. Mit einem Masterplan und geplanten Investitionen, unter anderem mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, sollen Einrichtungen wie die Große Kunstschau, das Roselius Museum, der Barkenhoff und das «Haus im Schluh» renoviert werden. «Mit der Umsetzung des Masterplans wird Worpswede kulturtouristisch in der ersten Liga mitspielen», sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). In diesem Jahr allerdings werden noch mal 18 Künstler in Worpswede arbeiten. Monatlich bekommen die Stipendiaten 1400 Euro. Sie wurden aus 1100 Kandidaten ausgesucht. Darunter seien Bewerbungen aus Spanien, Frankreich, Italien, USA, Ägypten, Iran und Südamerika, sagt der Leiter der Künstlerhäuser, Bernd Milla. Auf den Spuren der alten Worspweder wandelt keiner von ihnen. «Einen richtigen Maler haben wir im Moment gar nicht.» Video-, Computer-, Performance- und Klangkünstler gehören zu den Ausgewählten. Die Bildende Künstlerin Pia Lanzinger wohnt mit ihrem Partner seit dem 1. März in einem der drei Ateliers direkt am Barkenhoff, in dessen Haupthaus das Heinrich-Vogeler-Museum untergebracht ist. Die gebürtige Münchnerin lebt in Berlin und war vorher nie in Worpswede. «Ich hab's mir idyllischer vorgestellt.» Sie ist froh, im Frühjahr da zu sein. «Wenn erst die Touristen wieder kommen, ist die Ruhe vorbei. Die schauen immer neugierig durch die Atelierfenster.» Ruhiger liegen die fünf Künstler-Ateliers an der Pferdeweide. Dort arbeitet der Klangkünstler Torben Tilly aus Neuseeland. Mit seiner Freundin bleibt er noch bis Ende April in der Drei-Zimmer-Wohnung. Worpswede sei ihm von zwei Bekannten empfohlen worden, sagt der 37-Jährige. Als Neuseeländer sei er es gewöhnt, direkt in der Natur zu sein. «Für manche ist das vielleicht nicht interessant. Ich bekomme viele Inspirationen dadurch.» Tilly fehlt allerdings ein richtiger Fotoladen und auch ein Copyshop. Dennoch sagt er: «Ich bin glücklich hier zu sein. Es ist ein einzigartiges Dorf.» Dass die Stipendiengelder künftig statt nach Worpswede nach Lüneburg gehen sollen, finden beide Künstler schade. «Mir gefällt die Idee der Konzentration auf eine Stadt nicht», meint Lanzinger. Dann gebe es keine Wahlmöglichkeit mehr. Für Worpswede sei es nicht gut, «wenn nur noch die Leute wegen der Vergangenheit kommen». Nach Ansicht von Tilly haben die internationalen Künstler neue Impulse nach Worpswede gebracht. Das dürfe man nicht ignorieren. Künstlerhaus-Leiter Milla kümmert sich mittlerweile seit drei Jahren um die Stipendiaten. Vorher war er Geschäftsführer beim Deutschen Künstlerbund. Die Nähe zu den Künstlern habe ihn gereizt, erzählt er. «Mein soziales Umfeld sind die Stipendiaten.» Mit ihnen geht er Essen, organisiert Ausstellungen und Konzerte. Milla hofft, dass die fünf Ateliers an der Pferdeweide auch ohne staatliche Förderung wie bisher genutzt werden können. Im Atelierhaus-Jahrbuch 1986.1987.1988 schrieb der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) in einem Vorwort: «Grundsatz unserer auswärtigen Kulturpolitik ist der Dialog. Ich kenne wenige Orte, wo dieser Dialog so eingehend und so fruchtbar geführt wird wie in Worpswede.» Das Künstlerdorf dürfe nicht planiert werden, fordert auch Literaturnobelpreisträger Günter Grass. Er will sich nun gemeinsam mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier für den Erhalt von Worpswede einsetzen. Internet: www.worpswede.de www.barkenhoff-stiftung.de |
























































