| Bundeskunsthalle zeigt einzigartigen Modigliani |
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| Freitag, 17. April 2009 um 22:06 Uhr | ||
Porträts, Modigliani
Der mit 35 Jahren gestorbene Italiener (1884-1920), der seine Hauptschaffenszeit Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris verbrachte, hinterließ ein herausragendes wie einzigartiges Werk. Porträts und Akte von Frauen waren sein zentrales Sujet. Lang gezogene Gesichter und Frauengestalten von klarer sinnlicher und zugleich entrückter Schönheit begründeten seinen Mythos. Einen tiefen Einblick in eine unwirkliche Welt gibt die Bundeskunsthalle in Bonn mit einer großen Modigliani-Ausstellung. Die Retrospektive mit Leihgaben aus aller Welt ist von Freitag (17. April) bis zum 30. August zu sehen. Es ist die erste größere Modigliani-Einzelschau in Deutschland seit fast 20 Jahren. Auch international gab es wenig vergleichbare Ausstellungen. Das liege auch daran, dass seine Arbeiten weltweit verstreut seien, sich viel in Privatbesitz befinde und man Leihgaben äußerst schwierig bekomme, sagte Bundeskunsthallen-Intendant Robert Fleck am Donnerstag bei der Präsentation in Bonn. Der italienische Maler, Zeichner und Bildhauer gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Moderne und des 20. Jahrhunderts. Er lässt sich keiner zeitgenössischen Stilrichtung wie dem damals umjubelten Kubismus oder Fauvismus zuordnen, blieb Porträts und Akten treu. Stillleben von ihm sind nicht bekannt, Landschaftbilder gibt es nur wenige. Erkennbar sind Bezüge zur Formensprache der Renaissance und des Manierismus sowie ein starker Einfluss in reduzierter Darstellung durch die schwarzafrikanische Skulptur. Sein Gesamtwerk umfasst vor allem Gemälde (etwa 420) und Zeichnungen (rund 1000). Von 1909 bis 1913 widmete er sich auch der Bildhauerei und hinterließ etwa 25 Skulpturen. Die Bonner Schau widerspiegelt mit der Zusammenstellung von 40 Gemälden, 70 Zeichnungen und einigen Skulpturen das Oeuvre und bringt alle drei Genres in einen Dialog. Erhellend wirken zahlreiche, neben Werken angebrachte Zitate von Weggefährten und Zeitgenossen. «Ein komplizierter Charakter. Ein Schwein und eine Perle», urteilte eine seiner Geliebten, die englische Schriftstellerin Beatrice Hastings. Die von Kurator Christoph Vitali organisierte Schau folgt chronologisch eng dem Lebensweg. Sie beginnt mit den frühen Karyatiden (ursprünglich weibliche Portalfiguren in der griechischen Architektur), die eine Einheit von Zeichnung und Skulptur zeigen. Es folgen Porträts etwa von Pablo Picasso und dem Kunsthändler Max Jacob, die zu seinen Weggefährten in Paris gehörten. Ein Porträtraum ist Geliebten gewidmet. Zentraler Anziehungspunkt der Ausstellung sind großzügig gehängte, bekannte Öl-Akte aus der Zeit von 1916 bis 1917 - wie der Liegende Akt (Céline Howard). Der aus Livorno stammende Modigliani verließ 1906 seine italienische Heimat, um im damals künstlerisch-avantgardistisch brodelnden Paris neue Herausforderungen zu suchen. Er bezog ein Atelier auf dem Montmartre. Fortan gehörte er dort zur legendären Avantgarde-Künstlerszene um Picasso und die Café-Boheme. «Modi» - der Italiener in Paris - suchte und fand aber seinen eigenen Stil. «Er schuf einen einzigartigen Formenkanon und war eine singuläre Figur», sagt Co-Kuratorin Susanne Kleine. Sein Leben war von Krankheiten, Ausschweifungen, Zweifel sowie von Armut geprägt. Die Anerkennung zu Lebzeiten war bescheiden. Als Ende 1917 in der ersten Einzelaustellung Modiglianis zu Lebzeiten in der Galerie Berthe Weill in Paris neben Porträts auch nackte Schönheiten auf Leinwand gezeigt wurden, sorgte dies für einen Skandal. Schon früh in Italien hatte er sich dem Akt gewidmet, der ihn wie das Porträt wohl rauschartig faszinierte, wie auch Modelle von ihm beschrieben. Die innigsten Porträts entstanden, nachdem Modigliani Anfang 1917 die junge Kunststudentin Jeanne Hébuterne kennenlernte, die auch sein wichtigstes Modell wird. Einen Tag nach dem Tod ihres Mannes durch eine lange Tuberkulose-Erkrankung beging sie im Januar 1920 Selbstmord durch Sturz aus dem Fenster. Ein Porträt zeigt Hébuterne, mit der Modigliani eine gemeinsame Tochter hatte, sittsam am Bettrand sitzend. Seine Frauen malte Modigliani für immer unverwechselbar - mit aprikosenfarbener Haut, gestreckten Hälsen und Gesichtern und kleinen, leeren Augen. Sie wirken wie klassische, statuenförmige Schönheiten, eher ehrenhaft denn lasziv, scheinen sich aber klaren Situationsdeutungen zu entziehen. Dabei waren es für Modigliani immer individuelle Charaktere, die er nach Modell auf die Leinwand fixierte. Ihr unerforschbares Seelengeheimnis zwischen Lust oder Leid allein verlockt zum Besuch der Ausstellung.
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