| Serbiens Hauptstadt Belgrad auf dem Weg in die Kulturwüste |
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| Dienstag, 28. April 2009 um 07:42 Uhr | ||
Doch die Gäste entdecken statt einer blühenden Kulturlandschaft eher eine Kulturwüste. Das Nationalmuseum ist seit sechs Jahren ebenso geschlossen wie das Museum für zeitgenössische Kunst, das Historische Museum Serbiens und das Belgrader Stadtmuseum. «Der gesamte kulturelle Reichtum, über Jahrhunderte geschaffen und gesammelt, befindet sich in Kisten und Depots, weit ab vom Publikum», kritisiert die weit verbreitete Hauptstadt-Zeitung «Novosti» am Montag mal wieder die im europäischen Maßstab einzigartige Situation. Doch mit der Schließung dieser Museen wegen maroder Ausstellungsräume ist noch nicht die ganze Kulturmisere beschrieben. Die vor 35 Jahren erbaute Nationalbibliothek wird wegen Baufälligkeit seit zwei Jahren renoviert und ist geschlossen. Es gebe «bis auf weiteres kein Geld vom Staat», so dass die Bauarbeiten stillstehen, beschreibt Direktor Sreten Ugricic die Lage. «Die politische Elite interessiert sich überhaupt nicht dafür», schimpft er in der Belgrader Zeitung «Blic». «Das Kultusministerium verhindert die Renovierung des Nationalmuseums und hat daran nicht das geringste Interesse!», meint die frühere Präsidentin des Verwaltungsrates, Marica Suput, verbittert. In einem spektakulären Schritt war sie gemeinsam mit dem gesamten Rat Mitte März aus Protest zurückgetreten. Das Ministerium hat die Museumsspitze im Gegenzug beschuldigt, zu teure Verträge mit dem Wiener Unternehmen «Kunsttrans» zur Auslagerung der 400 000 Kunstschätze für die Zeit der Rekonstruktion abgeschlossen zu haben. Vor sechs Wochen war der Direktor der Serbischen Philharmonie, Ivan Tasovac, aus Protest gegen mangelnde Unterstützung durch den Staat zurückgetreten. Er fürchtet das Ende des auch international beachteten Orchesters, weil die Spitzenmusiker mit Einkommen von durchschnittlich 38 000 Dinaren (420 Euro) auskommen müssen. Der Staat habe kein Interesse an diesem «Markenzeichen» und gebe lieber Geld für zweifelhafte Showveranstaltungen und Feste der Blasmusik aus. Der Stardirigent Zubin Mehta und die Gewerkschaften aller rund 150 deutschen Orchester haben sich inzwischen beim Staats- und beim Regierungschef für ihre Kollegen eingesetzt. Ebenfalls zurückgetreten war Ende Februar der Chef des Nationaltheaters, Predrag Ejdus. Auch hier gab es Zwist mit den Kultusbehörden. Für das rund 100 Jahre alte Gebäude der Akademie der Wissenschaften, das unter der Last der Fachbibliothek von mehreren hunderttausend Bänden zusammenzubrechen droht, ist nach Presseberichten keine Lösung in Sicht. Und der «Milleniumsturm» Gardos aus dem Jahr 1896 in der Vorstadt Zemun mit fantastischem Blick über Belgrad, für dessen Besuch in der ganzen Stadt geworben wird, zeigt sich ebenfalls in beklagenswertem Zustand. Die vom Tourismusverband angekündigten Kulturausstellungen gibt es nicht. Stattdessen empfängt den Besucher eine Abfall übersäte Ruine. |
























































