| Keine Spur von Wirtschaftskrise in Hessens Museen |
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| Sonntag, 02. August 2009 um 06:31 Uhr | ||
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Die Wirtschaftskrise geht an den Museen in Hessen spurlos vorüber. Sponsorengelder fließen nach wie vor und das Besucherinteresse hält an, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa, unter großen und kleinen Ausstellungshäusern im Land.
Die Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK) kann sich auf Unternehmen als Gönner verlassen. «Die Wirtschaftskrise ist bis jetzt nicht spürbar», sagt der stellvertretende Sprecher Michael Kelbling. Bei den lange im Voraus geplanten Ausstellungen trat bislang kein Förderer den Rückzug an. Zusätzlich sichern Stiftungsgelder die Präsentationen. Die Projekte der Kasseler reichen bis ins Jahr 2013, dann begeht die nordhessische Metropole ihre 1100- Jahr-Feier.
In der ersten Jahreshälfte zählte die MHK rund 116 000 Besucher. Das waren 69 000 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damals kamen laut Kelbling aber 55 000 der insgesamt 185 000 Gäste allein wegen der hessischen Landesausstellung «König Lustik» nach Nordhessen. Das Fazit trifft auch auch auf andere Museen zu: «Sonderausstellungen ziehen mehr Leute an.» Zudem sind einige der zur MHK gehörende Häuser seit Monaten wegen Renovierung geschlossen.
Das auf Regionalgeschichte ausgerichtete Vonderau-Museum in Fulda ist von Sponsoren unabhängig. «Es gibt Stiftungen als Partner und von Fall zu Fall externe Spender», sagt der Sprecher der Stadt Michael Schwab. Nachdem das Haus vor drei Jahren einen Besuchereinbruch erlebte, wurde die Präsentation aufgepeppt. Seitdem können Gäste Exponate wie ein 500 Jahre altes Buch in die Hand nehmen oder die Gründung der Stadt mit Kloster und Schreibschule interaktiv nacherleben. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres kamen nach Einschätzung des Museums mehr Besucher als im gleichen Zeitraum 2008. Genaue Zahlen liegen nicht vor.
«Unsere Förderer sind liquide und wir gut bedient», sagte Christian Rathke vom Deutschen Ledermuseum in Offenbach. Rund 150 000 Euro steuert zum Beispiel ein Mäzen zum geplanten Ausbau des Hauses bei. Geldgaben investiert der Direktor in den Kauf neuer Objekte: «In der Regel möchten Spender sehen, was sie gekauft haben.» Dagegen sei es schwierig, «Summen für den großen Topf» zu bekommen. Sponsoren geben auch Sachspenden. Etwa Taschen-Unikate, deren Wert einem sechsstelligen Betrag entspricht.
Über mangelndes Besucherinteresse klagt das Ledermuseum nicht. Bis Ende Juni sahen sich 12 500 Menschen die Sammlungen und eine Sonderschau über das Leben von Mädchen in Entwicklungsländern an. Im ersten Halbjahr 2008 kamen etwa genau so viele Besucher. Die Konstanz führt Rathke unter anderem auf niedrige Eintrittspreise zurück: «Die Karte kostet nur halb so viel wie eine Kinokarte.»
Das kleine Ikonenmuseum in Frankfurt ist nach eigener Einschätzung kein Besuchermagnet, der Spendenfreudigkeit tut dies aber keinen Abbruch. «Für die geplante Ausstellung über die Deutsch-Ordenskirche in Sachsenhausen hatten wir schnell 100 000 Euro beisammen», sagt Leiter Richard Zacharuk. Weil «Geldakquise seit jeher ein besonderes Geschäft ist», vertraut er auf Bewährtes: auf persönliche Kontakte und solche «zu Firmen mit Bezug zu dem Land, aus dem die Exponate kommen.» Mit Objekten aus dem eigenen Bestand sei «wenig Staat zu machen». Spezialthemen wie Ikonen aus Äthiopien oder Bulgarien zögen mehr.
An dem auf der anderen Mainseite gelegenen Museum für Moderne Kunst (MMK) ist die «Wirtschaftskrise Gott sei Dank vorübergegangen». Das MMK gewann nach Auskunft von Sprecherin Daniela Denninger in diesem Jahr neue Partner. Sie ersetzen diejenigen, die ihr dreijähriges Engagement nicht verlängerten. Die derzeit sechs Partner kommen überwiegend aus dem Finanzbereich. Sie unterstützen das MMK mit einem bestimmten Betrag, den Topf füllt die Stadt Frankfurt auf. Die Präsentationen des MMK wollten im ersten Halbjahr deutlich weniger Menschen sehen als 2008. Den Rückgang um fast 18 000 Besucher auf rund 43 000 führt Denninger auf weniger Ausstellungseröffnungen zurück. Außerdem war das Museum den ganzen Januar 2009 über wegen Umbau geschlossen. Den Januar rechnen Museumsleute zu den besucherstärksten Monaten eines Jahres.
Für die Mathildenhöhe in Darmstadt will Direktor Ralf Beil keine genauen Angaben zu Besucherzahlen machen. Bei Mäzenen aus der Wirtschaft hat er festgestellt, dass sie auch unabhängig von der Krise ihre Prioritäten aus unternehmenspolitischen Gründen regelmäßig verschieben. «Bei Veränderungen sind immer wieder neue Abstimmungen erforderlich.» Ansonsten setzt Beil auf Sponsoren aus dem öffentlichen Sektor wie Kulturfonds oder Sparkassen. Tags: 000
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