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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Farbe als Stoff: Schumacher Museum vor Öffnung PDF Drucken E-Mail
Montag, 10. August 2009 um 04:57 Uhr

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Von Helge Toben, dpa

 

Hagen (dpa/lnw) - Eindringliches Gelb, darauf zwei schwarze, scheinbar nervös gemalte Kreise, Rädern ähnlich: «Helios» heißt das Gemälde aus dem Jahr 1988. Im neuen Emil Schumacher Museum im westfälischen Hagen steht das Bild am Beginn eines Rundgangs durch das Werk des 1999 gestorbenen Malers. Am 28. August wird das Haus nach drei Jahren Bauzeit eröffnet. Zusammen mit dem erweiterten und sanierten Osthaus Museum nebenan bildet es künftig das «Kunstquartier Hagen». Rund 26 Millionen Euro ließen sich das Land Nordrhein- Westfalen, die finanziell darbende Stadt Hagen und die Schumacher- Stiftung den Bau des neuen Kunstquartiers kosten.   

 

Schumacher, der seiner Heimatstadt Hagen zeitlebens die Treue hielt, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des abstrakten Expressionismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine mitunter monumentalen Werke, geprägt von archaischer Wucht, hängen in den wichtigsten Kunstmuseen der Welt, finden sich im Reichstag in Berlin, im Düsseldorfer Landtag und in der Metrostation Colosseo in Rom. Entsprechend hoch ist der Anspruch: Das Schumacher Museum will das führende monographische Kunstmuseum Nordrhein-Westfalens werden.   

 

Markant, aber dennoch unaufdringlich kommt der Bau des Architekturbüros Lindemann aus Mannheim daher: Ein Sichtbetonquader, mit einer Glashülle ummantelt, die gekühlt oder beheizt werden kann. Zeitgemäß auch die Energiegewinnung durch Erdwärme und Photovoltaik.   

 

Der Besucher wirft zunächst einen Blick ins nachgebaute Atelier mit Originalausstattung und schaut dem Künstler quasi bei der Arbeit zu. Zum Inventar zählt auch eine uralte, farbverkrustete Staffelei, von der sich Schumacher nie trennen konnte. «Da war er abergläubisch. Die meisten Bilder sind darauf entstanden», erzählt Schumachers Sohn Ulrich (67), der das Museum zusammen mit dem wissenschaftlichen Leiter Alexander Klar (41) führt.   

 

Grundlage der Sammlung ist eine Stiftung von Ulrich Schumacher, des früheren Gründungsdirektors des Bottroper Museums Quadrat, die die stilistischen Varianten aus über 60 Schaffensjahren dokumentiert. Sie umfasst 88 Ölgemälde mit den für Schumacher typischen, oft unentschlüsselbaren Bildtiteln wie «Bing», «Soman» oder «Midun», die an exotische Welten erinnern. Des Weiteren: 200 Gouachen, ein Exemplar sämtlicher grafischer Arbeiten, 50 Bilder auf Porzellan, 25 Keramiken und 10 Malereien auf Schiefer. Hinzu kommen 100 Werke Schumachers aus dem Besitz der Stadt Hagen.   

 

Im ersten Obergeschoss dann der Überblick über das Werk, Schumachers Techniken und Materialien. Zunächst «etwas chronologisch, dann nach Themenkreisen und ästhetischen Gesichtspunkten gehängt», erklärt Schumacher. Entwicklungen werden deutlich, die bestechende Konsequenz im Werk des Hageners gleichermaßen. So ist «Helios» ein gegenständlicheres Gemälde von 1950 zur Seite gestellt: Deutlich ist das gleiche Radmotiv wie 1988 zu erkennen.   

 

Zu sehen sind auch Papierarbeiten, die Schumacher auf seinen Reisen nach Tunesien oder in den Irak angeregt durch die traditionelle Architektur schuf. «Im Spätwerk kam er auf seine frühen Arbeiten zurück», erklärt Sohn Ulrich. Entsprechend sind dann auch wieder Figuren auszumachen, etwa an Höhlenmalerei erinnernde Pferde, Vögel, eine Leiter, eine Frau mit Kind und Wagen.   

 

Im zweiten Stock «kann man seine Werke dann genießen», sagt Klar. Zumeist großformatige Bilder sind zu sehen, ein wildes Farbengewitter mit viel Gelb, Rot und Dunkelblau, durchbrochen von schwarzen Linien. Schrundige Oberflächen machen seine Gemälde fast plastisch. Auch einige reliefartige «Hammerbilder» sind zu sehen, die Schumacher mit dem Hammer bearbeitete und in denen er weitere Materialien wie Erde, Teer, Holzkohle oder Steine aufgenommen hat. Beim Hinschauen ist spürbar, wie sich in seinen Motiven Emotionen und klares künstlerisches Kalkül spannungsvoll treffen.   

 

Eine Zuordnung Schumachers zur abstrakten Kunstrichtung des «Informel» im Sinne von formlos halten Experten nur für einige wenige Werke der fünfziger und sechziger Jahre für angemessen. Vom Künstler selbst ist der Leitsatz überliefert: «Alles hat eine Form, auch die lockere Form.»



Tags: schumacher  
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