| «Ostzeit»-Schau: Bilder aus einem vergangenen Land |
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| Freitag, 14. August 2009 um 06:14 Uhr | ||
Von Elke Vogel, dpa (Mit Bild)
Berlin (dpa) - Sie lächeln nur selten. Und wenn doch, dann ist es ein erschöpftes, resigniertes Lächeln. Auch die Kinder sind schon von dieser Erschöpfung ergriffen. Einen ungeschönten Blick auf den Alltag in der DDR zeigt die Schau «Ostzeit» von diesem Freitag an im Berliner Haus der Kulturen der Welt. Vier der bekanntesten ostdeutschen Fotografen erzählen «Geschichten aus einem vergangenen Land». 20 Jahre nach dem Mauerfall haben Sibylle Bergemann, Ute Mahler, Werner Mahler und Harald Hauswald dafür 150 ihrer Schwarz- Weiß-Arbeiten zusammengestellt.
Die Mitglieder der Agentur Ostkreuz zeigen das Leben in Städten und auf dem Land. Sie haben am Rande von offiziellen Mai- Demonstrationen und im Bergwerk fotografiert, in Plattenbauten, bei Punker-Treffen, Kirchenkreisen und verbotenen Mahnwachen. Nicht alle ihrer Bilder konnten die Fotografen zu DDR-Zeiten veröffentlichen.
Hauswalds Bilder über die alternative und Untergrund-Szene der DDR wurden teilweise aus dem Land geschmuggelt und in westdeutschen Zeitschriften gedruckt - was die DDR-Führung maßlos ärgerte und dem von der Stasi verfolgten Fotografen Ärger einbrachte. «Ich habe mich eingesperrt gefühlt in der DDR», erzählt Hauswald. Das Fotografieren sei für ihn eine Art «Kopf-Befreiung» gewesen. Seine Bilder aus den 80er Jahren zeigen den Dramatiker Heiner Müller bei einer Lesung in einer Privatwohnung - an seiner Seite der später als Stasi-Spitzel enttarnte Autor Sascha Anderson. Oder eine illegale Friedensdemonstration und Feiernde bei einer Abschiedsparty nach einem genehmigten Ausreiseantrag.
Zu sehen ist auch Werner Mahlers Studie über das thüringische Dorf Berka und seine Serie über eine Abiturientenklasse, die er bis heute weitergeführt hat. Bergemanns Bilder zeigen die Entstehung und Montage des Marx-Engels-Denkmals in Ost-Berlin und sensible Beobachtungen von verschiedensten Menschentypen im berühmten «Clärchens Ballhaus». Ute Mahler hat in ihrer Serie «Zusammen leben» Menschen in ihrem privatem Umfeld porträtiert und für die DDR- Frauenzeitschrift «Sibylle» fantasievolle Designerstücke in Szene gesetzt, die nie in die Läden kamen.
«Es ist eine sehr subjektive Sicht auf dieses Land», sagt Ute Mahler über die Ausstellung. «Das Tolle an Fotografie ist, dass sie nicht eindeutig ist. Die Bilder waren so oder so lesbar», erzählt sie und erklärt damit, dass Fotografen in der DDR wenigstens etwas unbehelligter arbeiten konnten als zum Beispiel Schriftsteller. Am 1. Mai 1980 stellte sich Mahler direkt unter die Ehrentribüne der DDR- Potentaten. So fing sie die Blicke ein, die die DDR-Bürger ihren Herrschern zuwarfen: Skeptisch bis kritisch, stolz bis ängstlich sind die Blicke der Fahnenträger beim Anblick der Regierenden.
Für sie sei die Auswahl der Bilder für die Ausstellung wie ein «Zurücktauchen» in die Vergangenheit und ein Erinnern gewesen. Denn: «Natürlich hat man vergessen, wie leer die Straßen waren.» Aufnahmen von Maurice Weiss über die Tage nach dem Mauerfall schließen die beeindruckende Schau und ein ganzes Kapitel deutscher Geschichte ab.
Die 1990 gegründete Agentur Ostkreuz hat heute 18 Mitglieder und das Ziel, die Tradition einer Autorenfotografie fortzusetzen, die mehr will als das «schöne Bild». Die Schau läuft bis zum 13. September im Haus der Kulturen der Welt. Das Buch zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag (Ostfildern) und kostet 39,80 Euro. |
























































