| Kunst in der Krise: Bilder leihen statt kaufen |
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| Samstag, 22. August 2009 um 08:10 Uhr | ||
Bremen/Oldenburg/Lüneburg (dpa/lni) - Originale von Roy Lichtenstein oder Joseph Beuys können sich viele Kunstliebhaber nicht leisten. Dank der zahlreichen Artotheken in Niedersachsen und Bremen ist es ihnen aber trotzdem möglich, Werke berühmter Künstler in ihren Wohnzimmern aufzuhängen. Für jeweils mehrere Monate verleihen diese Einrichtungen Grafiken, Malereien, Skulpturen, Fotografien und sogar Kunstfilme - was sich gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise großer Beliebtheit erfreut. «Wir hatten dieses Jahr einen guten Zuwachs», erklärte die Leiterin der Oldenburger Artothek, Sabine Isensee. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Entleiher deutlich gestiegen.
Die Kunstausleihe in Oldenburg bietet 1400 zeitgenössische Werke unter anderem von Horst Janssen, Joseph Beuys und Elvira Bach, handsignierte Originale und teilweise auch Unikate. Mitglieder können diese Schätze für einen Beitrag von 20 Euro pro Jahr für zwei Monate bekommen. Den Entleihern gehe es aber nicht nur um die günstige Verschönerung ihrer kahlen Wände, erläuterte Isensee. «Wenn man Bilder mit nach Hause nimmt, kann man sich ganz intensiv mit ihnen beschäftigen.»
Die Bremer Graphothek sieht die Wirtschaftskrise ebenfalls als Chance - vor allem, weil dort auch Arztpraxen, Kanzleien und Unternehmen ausleihen können, die die schwächere Konjunktur ebenfalls zu spüren bekommen. Die Nachfrage sei seit der Gründung in den 70er Jahren zwar relativ stabil geblieben, sagte die Kultur-Lektorin Ute Roese. Dennoch sei die Einrichtung in den vergangenen Jahren ein bisschen in Vergessenheit geraten. Die Sammlung umfasst mehr als 3500 autorisierte Drucke von namhaften und regionalen Künstlern, zum Beispiel Roy Lichtenstein, David Hockney und Gerhard Richter. «Da sind teilweise schon sehr wertvolle Stücke dabei», erklärte Roese. Für 100 Euro im Jahr dürften Firmen die Kunstwerke sechs Monate lang behalten. Für private Kunden gilt eine Leihfrist von drei Monaten, sie zahlen dafür aber höchstens 40 Euro.
Besonders günstig können Kunstliebhaber in der Lüneburger Artothek ausleihen - für alle Besitzer von einem Bibliotheksausweis ist dies kostenlos. «Das sind oft jüngere Leute, die sich neu eingerichtet und nicht das Geld für Bilder haben. Oder die erstmal schauen wollen, was in die Wohnung passt», sagte die stellvertretende Bibliotheksleitern Gisela Scheel-Bockelmann. Aber auch viele Rentner, Familien und Berufstätige würden sich für die gut 350 Grafiken, Fotos und Ölbilder interessieren. «Einige wollen das geliehene Stück am Ende der Leihzeit gerne behalten. Aber das geht natürlich nicht.»
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