| Fest der Farben: Kunstquartier Hagen vor Öffnung |
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| Mittwoch, 26. August 2009 um 17:44 Uhr | ||
Von Helge Toben, dpa (Mit Bildern)
Hagen (dpa/lnw) - Eindringliches Gelb, darauf zwei schwarze, scheinbar nervös gemalte Kreise, Rädern ähnlich: «Helios» heißt das kraftstrotzende Gemälde aus dem Jahr 1988. Im neuen Emil Schumacher Museum im westfälischen Hagen steht das Bild am Beginn eines Rundgangs durch das Werk des 1999 gestorbenen Malers. An diesem Freitag wird das Haus nach drei Jahren Bauzeit eröffnet. Zusammen mit dem erweiterten und sanierten Osthaus Museum nebenan bildet es künftig das «Kunstquartier Hagen».
Rund 26 Millionen Euro ließen sich das Land Nordrhein-Westfalen, die finanziell darbende Stadt Hagen, die Schumacher-Stiftung sowie Sponsoren den Bau des neuen Kunstquartiers kosten. In der Kunstgeschichte ist Hagen keine unbekannte Stadt: Vor rund 100 Jahren war sie mit dem «Hagener Impuls» eine bedeutende Metropole der Jugendstilepoche.
Schumacher, der seiner Heimatstadt Hagen zeitlebens die Treue hielt, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine mitunter monumentalen Werke, geprägt von einer mitunter archaisch anmutenden Wucht, hängen in den wichtigsten Kunstmuseen der Welt. Entsprechend hoch ist der Anspruch: Das Schumacher Museum will das führende monographische Kunstmuseum Nordrhein-Westfalens werden.
Der Besucher wirft zunächst einen Blick ins nachgebaute Atelier mit Originalausstattung und schaut dem Künstler quasi bei der Arbeit mit Pinsel und Spachtel zu. Zum Inventar zählt auch eine dick farbverkrustete Staffelei, von der sich Schumacher nie trennen konnte. «Da war er abergläubisch. Die meisten Bilder sind darauf entstanden», erzählt Schumachers Sohn Ulrich (67), der das Museum zusammen mit dem wissenschaftlichen Leiter Alexander Klar (41) führt.
Grundlage der Sammlung ist eine Stiftung von Ulrich Schumacher, des früheren Gründungsdirektors des Bottroper Museums Quadrat, die die stilistischen Varianten aus über 60 Schaffensjahren dokumentiert. Sie umfasst 88 Ölgemälde mit den für Schumacher typischen, oft unentschlüsselbaren Bildtiteln wie «Bing», «Soman» oder «Midun», die an exotische Welten erinnern. Des Weiteren: 200 Gouachen, ein Exemplar sämtlicher grafischer Arbeiten, 50 Bilder auf Porzellan, 25 Keramiken und 10 Malereien auf Schiefer. Hinzu kommen 100 Werke Schumachers aus dem Besitz der Stadt Hagen.
Im ersten Obergeschoss erhält der Besucher einen Überblick über das Werk, Schumachers Techniken und Materialien. Entwicklungen werden deutlich. Gegenüberstellungen zeigen aber auch eine große Konstanz im Werk des Hageners auf. Im zweiten Stock «kann man seine Werke dann genießen», sagt Klar. Zumeist großformatige Bilder sind zu sehen, ein wildes Farbengewitter mit viel Gelb, Rot und mitunter blendendem Blau, durchbrochen von schwarzen Linien. Schrundige Oberflächen mit zentimeterdicken Pigmentansammlungen machen seine Gemälde plastisch.
Selbst wenn ein einziger Besuchstag für beide verbundenen Häuser kaum ausreichen dürfte: Auch das renovierte Osthaus Museum wird sich dank Neukonzeption und erweiterter Ausstellungsfläche über mangelnden Zulauf nicht beklagen können. Dafür werden unter anderem Meisterwerke mit internationaler Bedeutung wie Otto Dix «Selbstbildnis mit Muse» oder die spektakuläre Jugendstilausstattung im Altbau sorgen. Zum Neustart zeigt das Haus eine große Werkschau mit über 300 Arbeiten des Expressionisten Christian Rohlfs (1849-1938), der jahrzehntelang in dem Museumsbau lebte und arbeitete.
Mit der Eröffnung des neuen Museumsquartiers knüpft Hagen an glorreiche Zeiten an: Der Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus hatte in Hagen 1902 das erste Museum für zeitgenössische Kunst weltweit gegründet, das Folkwang-Museum. Nach seinem Tod 1921 wurde die Sammlung an die bis heute darüber glückliche Stadt Essen verkauft. Der Verlust der Sammlung schmerzt in Hagen noch immer. Linderung verspricht nun das neue Quartier, meinte Kulturdezernent Christoph Gerbersmann (CDU) am Mittwoch: Die Fertigstellung gebe der Stadt ihr «kulturelles Selbstbewusstsein zurück», das durch die Abwanderung der Sammlung Folkwang gedämpft worden sei. |
























































