| Ringen um den «Jahrhundertkünstler» Horst Janssen |
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| Donnerstag, 27. August 2009 um 05:05 Uhr | ||
Von Karin Güthlein, dpa (Bild geplant)
Oldenburg (dpa/lni) - 300 Aquarelle, Zeichnungen und Drucke aus knapp fünf Jahrzehnten, dazu fast 400 Katalogseiten: Mit großem Aufwand feiert das Oldenburger Horst-Janssen-Museum den 80. Geburtstag seines Namensgebers. Er wurde am 14. November 1929 in Hamburg geboren und starb dort am 31. August 1995. Auf allen drei Ebenen des kommunalen Grafikmuseums vereinen sich vom 30. August bis 15. November die Glanzstücke aus mehr als 30 öffentlichen und privaten Sammlungen zur größten Retrospektive seit dem Tod des Künstlers.
Bei der Bewertung von Janssens Bedeutung für die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts scheiden sich nach wie vor die Geister. Die einen feiern den Meister der gegenständlichen Zeichnung als Erben von Goya oder Rembrandt. Die anderen kritisieren seine Verweigerung, sich in die Erneuerung der Kunst einzubringen. «Wir wollen nicht alles schönreden» betont Jutta Moster-Hoos, wissenschaftliche Leiterin des Museums seit der Gründung im Jahr 2000. Damals erregte es Aufsehen, dass nicht Hamburg, sondern Oldenburg Museumssitz wurde.
Zu der von Janssen selbst immer wieder zitierten Legende gehören die «glücklichen Kinderjahre» des unehelich geborenen Jungen bei seinen Großeltern in Oldenburg. Janssen war Ehrenbürger von Oldenburg, wo er auf eigenen Wunsch auch beerdigt wurde.
Mit einer Antwort auf die Frage, ob Janssen ein «Jahrhundertkünstler» war, hat Wieland Schmied auf Wunsch des Museums gerungen. Schmied hatte 1965 für die Kestner-Gesellschaft in Hannover die erste große Janssen-Einzelausstellung inszeniert, die anschließend auf einer Tournee mit acht Stationen in Deutschland und der Schweiz für den Durchbruch des Hamburger Einzelgängers sorgte. 1968 feierte Janssen auch seinen ersten großen internationalen Erfolg, als er auf der Biennale von Venedig den Grafikpreis gewann.
Am Beispiel Venedig erklärt Schmied in seinem lesenswerten Katalogbeitrag die beiden Gründe für die «Begrenztheit» von Janssens Wirkung. Das aggressive und unberechenbare Benehmen des Alkoholikers, gepaart mit der Häme für die international gefeierte Avantgarde seiner Kollegen, habe die Künstlern gewährte Toleranz überschritten. Wohl wissend, sich von der Meinung der meisten Kunstexperten abzusetzen, billigt Schmied dem Schöpfer von Aquarellen, Zeichnungen und tausenden von Drucken dennoch den Rang eines «Jahrhundertkünstlers» zu.
Landschaften, Blumen, Porträts von Geistesgrößen aus Vergangenheit und Prominenten aus Gegenwart und vor allem Selbstbildnisse waren die Hauptmotive des Rastlosen. Die zunehmenden Spuren der Verwüstung in den 30 Selbstporträts der nach Themen und Techniken gegliederten Schau verraten mehr über die Verlust- und Todesängste Horst Janssens, als die gängige Einordnung als Egozentriker und Egomane ahnen lässt. An Themen für aufarbeitende Ausstellungen wird es dem Oldenburger Museum auf absehbare Zeit nicht fehlen.
(Das Horst-Janssen-Museum ist dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 geöffnet; Eintritt 5 Euro; ermäßigt 3 Euro; Familienkarte 10 Euro; der Katalog zur Retrospektive kostet 26,80 Euro) |
























































