| Cranach als Dürer-Lehrling «durchleuchtet» |
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| Donnerstag, 03. Dezember 2009 um 13:38 Uhr | ||
Von Gerd Korinthenberg, dpa
Düsseldorf/Köln (dpa) - Moderne Materialforschung und Infrarot- Durchleuchtung weisen eine überraschende Spur: Wahrscheinlich war der bedeutende Renaissance-Künstler Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) ein Lehrling Albrecht Dürers. Die Zusammensetzung der Grundierung auf Cranachs hölzernen Bildtafeln sowie die besondere Art der Vorzeichnungen unter der eigentlichen Malerei sprechen dafür. «Wir haben erste Anhaltspunkte dafür, dass Cranach mit einiger Wahrscheinlichkeit in Dürers Werkstatt gelernt hat», kommentierte am
Montag vorsichtig Prof. Gunnar Heydenreich die wichtige erste Erkenntnisse eines neuen internationalen Cranach- Forschungsprojektes. Der am Düsseldorfer museum kunst palast und der Fachhochschule Köln tätige Wissenschaftler koordiniert als Projektleiter das gerade gestartete Forschungsvorhaben. In einer ersten Pilotphase werden rund 260 Gemälde des Wittenberger Hofmalers aus neun Museen in Europa und den USA kunsthistorisch, technologisch und naturwissenschaftlich untersucht und dann vom kommendem Jahr an digital präsentiert.
Weltweit haben sich gut 1000 Malereien des engen Luther-Freundes und Porträtisten erhalten, die vielfach wissenschaftlich nicht untersucht seien, sagten die Experten des «Digitalen Cranach Archivs». Das Gesamtwerk des Künstlers, der zum malenden Künder der Reformation, aber auch zum Schöpfer von Marienbildern und durchaus erotischen Genreszenen geworden ist, schätzen Experten auf die schier unglaubliche Zahl von bis zu 10 000 Gemälden.
Den Arbeitsabläufen der für diese Bilderflut notwendigen, gut organisierten Werkstatt des hoch angesehenen Maler-Unternehmers hoffen die Mitarbeiter des virtuellen «Cranach- Archivs» in den nächsten Jahren auf die Schliche zu kommen. Welche Werke stammen wirklich von der Hand des Meisters, welchen Beitrag haben seine zehn namentlich meist unbekannten Mitarbeiter geleistet, und was ist von dreisten Fälschern später imitiert worden?
Allerdings gehe es beim Projekt nicht «um die einfache Polarität "echt oder falsch"», sondern um die Suche nach den Quellen von Qualität und künstlerischer Innovation im Werk Cranachs, erläutert die Leiterin der Gemäldegalerie des Düsseldorfer Museums, Bettina Baumgärtel. Bisher seien wichtige Detailkenntnisse zum Schaffen Cranachs völlig unübersichtlich «in Panzerschränken» der Forscher gesammelt, hier soll die von einer US-Stiftung finanzierte digitale «Arbeitsplattform» als moderne Informationsbörse Abhilfe schaffen.
Dass das virtuelle Archiv mit seinen hochauflösenden Bildern und zahlreichen Detailinformationen auf dem heimischen Bildschirm träge Kunstfreunde vom realen Museumsbesuch abhalten könnte, vermuten die Experten nicht. Vergleichbare öffentliche Datenbank-Projekte zu Rembrandt und Raffael hätten gezeigt, dass das Interesse an den wirklichen Gemälden sogar noch wachse: «Denn der Blick auf das Original ist durch nichts zu ersetzen.»
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