| Karlsruhes Museum öffnet Türen zu Privatsammlungen |
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| Donnerstag, 03. Dezember 2009 um 21:14 Uhr | ||
Von Martin Oversohl, dpa
Karlsruhe (dpa) - Die Moderne endet mit einem Punkt - vorerst zumindest. Das handflächengroße Stück aus Blattgold und Holz prangt an einer schlichten Metalltür und in der hintersten Ecke der jüngsten Jubiläumsschau des Karlsruher Museums für Neue Kunst (MNK). Der documenta-Künstler Gerwald Rockenschaub hat ihn gesetzt, unter dem Titel «Wandobjekt» ist der Kunst-Punkt normalerweise Teil der privaten FER Collection - und in den kommenden Monaten das abschließende Werk der Ausstellung «just what is it...» (dt: «Was mag das nur sein...»).
Anhand von bis zu 300 Werken will das Museum im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) zu seinem zehnjährigen Bestehen einen Rückblick wagen auf die vergangenen 100 Jahre der Kunstgeschichte. Das Ungewöhnliche: Alle Werke stammen aus privaten baden- württembergischen Sammlungen. «Das hat es so noch nie gegeben», wirbt Kurator Götz Adriani.
Die Bilder und Skulpturen von der klassischen Moderne über den Expressionismus bis hin zu Neo Rauch belegen drei Stockwerke in der umgebauten Munitionsfabrik. Gezeigt werden Meisterwerke von Cézanne, Picasso, Gerhard Richter und Andy Warhol, Sigmar Polke mit einigen selten zu sehenden Kunststücken, Max Beckmann und Anselm Kiefer.
Mitten im Raum stehend und somit dominierend: die Maschinen- Installation «Méta-Maxi» von Jean Tinguely, dem Basler Künstler der kinetischen Plastik. Durch eine komplizierte Verzahnung von Rädern, Eisenschrott, Gebrauchsgegenständen und Bändern bringt sie nicht nur schrille Töne hervor, sondern löst auch Kettenreaktionen mit Kitschobjekten aus, getreu Tinguelys Motto «Es bewegt sich alles. Stillstand gibt es nicht.»
Während im Erdgeschoss des MNK noch Klassiker wie Warhol mit einer seiner Suppendosen, Richters «Kerze» oder Werke von Baselitz und Polke zu finden sind, reicht die Spanne in den beiden oberen Etagen des Baus von Beckmann über den Nagel-Künstler Günther Uecker bis hin zu Fotografien von Bernd und Hilla Becher oder Fotokunst von Thomas Struth und Erwin Wurm.
Mit einer Ausstellung über Kunst aus Privatbesitz setzte sich Kurator Adriani im Südwesten praktisch in ein gemachtes Nest: «Baden- Württemberg hat eine bundesweit einmalige Dichte an privaten Sammlern, deren Bestände außergewöhnlich sind in Umfang und Qualität», sagte er am Donnerstag vor der Eröffnung der Jubiläumsschau. Sie könne ein «Ursprung» sein für eine neue Sammlerbewegung. «Viele dieser Kunstsammler sind in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt und könnten den Mut fassen, ihren Privatbesitz nach solch einer Ausstellung häufiger zu präsentieren.»
Anhand der Werke wollen Adriani und ZKM-Chef Peter Weibel wichtige Entwicklungen der Moderne und sogenannten Postmoderne bis hin zur Gegenwart aufzeigen. «Das Museum für Neue Kunst wird somit zu einem Ort, der einen opulenten Überblick über die Strömungen und Tendenzen der vergangenen 100 Jahre bis heute ermöglicht», sagte Weibel.
Der Titel der Ausstellung geht zurück auf eine Collage des Pop Art-Künstlers Richard Hamilton aus dem Jahr 1956, die ebenfalls im MNK zu sehen ist. Die anderen insgesamt 300 Werke von rund 120 Künstlern stammen unter anderem aus den Sammlungen Museum Frieder Burda (Baden-Baden) und Froehlich (Stuttgart), der Sammlung Grässlin (St. Georgen), dem Waldenbucher Museum Ritter und der Sammlung Würth aus Künzelsau sowie den nicht privaten Sammlungen von Daimler und der Landesbank Baden-Württemberg. |
























































