| Verspäteter Startschuss für Louvre Dependance in Lens |
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| Samstag, 05. Dezember 2009 um 09:08 Uhr | ||
Von Sabine Glaubitz, dpa
Lens (dpa) - Das nordfranzösische Lens ist bekannt für seinen Fußballverein, den Racing Club de Lens. Bald kommt eine neue Attraktion hinzu: In drei Jahren wird der Pariser Louvre in der Industriestadt eine 150 Millionen Euro teure und 28 000 Quadratmeter große Dependance eröffnen. Der erste symbolische Spatenstich wurde am Freitag vollzogen. Frankreichs Kulturminister Frédéric Mitterrand legte mit einjähriger Verspätung den Grundstein für das ehrgeizige Projekt, das ehemalige Zentrum für Steinkohlebergbau in ein profitables Touristenziel zu verwandeln - nach dem Beispiel des spanischen Bilbaos. Dort zieht das futuristische Frank Gehry Guggenheim-Museum nicht nur Kunst- und Kulturinteressierte aus der ganzen Welt an, sondern hat auch mehr als 4000 Arbeitsplätze geschaffen und erhalten.
Wie sehr die Bevölkerung das Museum will, zeigten die 900 Gäste bei der Grundsteinlegung. Nicht alle kamen nur zum Champagner- und Häppchenbuffet. «Ich bin stolz darauf, dass wir das Museum bekommen. Das wird unser Image und unsere Gegend völlig verändern. Ich kann es kaum erwarten», sagte eine Bewohnerin der 35 000 Einwohner zählenden Stadt. Dieser Optimismus ist nicht unberechtigt. Lens liegt im Dreiländereck mit Belgien und den Niederlanden nur knapp 40 Kilometer von Lille entfernt, das zu einer dynamischen Kulturstadt geworden ist.
Eigentlich hätte der Startschuss für den Bau der Dependance vor genau einem Jahr fallen sollen, doch bei den Bauausschreibungen meldeten sich nicht genügend Unternehmen. «Das hat jedoch nichts an unserem Entwurf geändert. Wir haben die Vergabe der Bauaufträge einfach gestückelt», erklärte Kazuya Sejima vom Architektenbüro Sanaa. Sie und ihr Kollege Ryue Nishizawa sind für ihre puristischen Projekte bekannt. Sanaa hat unter anderem in Essen die «Zollverein School of Management and Design» entworfen. «Wir wollten kein imposantes Museum schaffen, sondern einstöckige Gebäude, die sich völlig in die Landschaft integrieren», erklärte Ryue Nishizawa. Und so wirkt das Architekturmodell, das in einem Kulturzentrum für die Öffentlichkeit ausgestellt ist, erstaunlich schlicht. Es umfasst mehrere rechteckige und quadratische Gebäude, die sich auf mehr als einem halben Kilometer aneinanderreihen und sich durch einen riesigen Park schlängeln.
Das Faszinierende an der Architektur ist ihre Transparenz und Leichtigkeit. Zwei der Gebäude sind völlig aus Glas, mit Ausnahme des Dachs, die anderen sind mit einer Aluminiumfassade verkleidet, in der sich die Landschaft und der Himmel spiegeln sollen. Den Zugang bildet ein großer gläserner Pavillon im Zentrum. «Man soll den Eindruck haben, mit der Natur eins zu werden», meinte Kazuya Sejima.
Der Louvre Lens ist das Ergebnis der französischen Dezentralisierungspolitik. Das hat nicht nur Vorteile, denn die Finanzierung des 150 Millionen Euro teuren Museums wird im Wesentlichen von lokalen und regionalen Körperschaften sowie der EU getragen. Eine eigene Kollektion wird das Museum nicht haben, was die laufenden Kosten reduzieren wird.
Bestückt wird der Ableger mit Werken aus dem Pariser Louvre. Von den insgesamt 28 000 Quadratmetern sind 6000 reine Ausstellungsfläche. Neben einer Dauerausstellung von 250 Werken, die regelmäßig erneuert wird, sind jährlich zwei große Werkschauen geplant. Die Eröffnungsausstellung wird der Renaissance gewidmet sein.
Unter den geladenen Gästen, darunter die ehemaligen Kulturminister Jack Lang und Jacques Aillagon, stießen viele mit ihren Champagner- Gläsern auf den Louvre Lens an. Der Champagner-Empfang wurde in den VIP-Räumen des Fußballstadiums Bollaert gegeben. Es liegt nur wenige Fußminuten vom zukünftigen Louvre Lens entfernt.
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