| Exzentrischer «Übermaler»: Arnulf Rainer wird 80 |
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| Sonntag, 06. Dezember 2009 um 10:32 Uhr | ||
Von Carola Frentzen, dpa
Wien (dpa) - Arnulf Rainer gilt als Rebell, als Provokateur und Exzentriker. Als der Künstler nach einer Phase des Surrealismus und des Informel in den 60-er Jahre beginnt, seine Gemälde - darunter viele religiöse Motive - radikal zu übermalen und mit schwarzer Farbe zu verhüllen, bringt ihm dies gar den Ruf eines Scharlatans und Blasphemikers ein. Dabei steckt in Rainers Arbeiten auch die Suche nach Stille und Kontemplation, so vor allem in seinen jüngeren, fast beruhigend wirkenden «Schleierbildern». Im September bekam der Künstler in seiner Heimatstadt Baden bei Wien ein eigenes Museum. Am Dienstag (8. Dezember) wird der nimmermüde Maler, der die Kunst in Österreich in der Nachkriegszeit maßgeblich beeinflusst hat, 80 Jahre alt.
Der neue Ausstellungsraum sei «kein klassisches Museum», erläuterte Rainer das Konzept kürzlich in einem Interview. Ziel sei vor allem, Arbeiten von anderen Künstlern in Bezug zu seinem Werk zu stellen. Den Weg in die Kunst fand Rainer als Autodidakt. Für die Ausbildung an den konservativ geführten Kunstakademien in Wien war er zu temperamentvoll und zu eigenwillig.
Erste Anerkennung erhielt der Österreicher als Mitglied der sogenannten «Hundsgruppe», die sich rund um den Kunstförderer Monsignore Otto Maurer und seine Galerie gebildet hatte. Später experimentierte er mit Drogen und versuchte so, dem Wesen der Kreativität auf die Spur zu kommen. Resultat waren figurativ- halluzinatorische Zeichnungen.
Als Rainer später mit seinen Farbverhüllungen begann, wurde er wegen der Übermalung eines prämierten Bildes in Wolfsburg sogar von einem Gericht verurteilt. Von 1963 an arbeitete der Künstler in verschiedenen Studios in Berlin, München und Köln und schließlich in Wien, wo im Jahr 1968 im Museum des 20. Jahrhunderts auch seine erste Retrospektive stattfand. Seit er 1995 einen Schlaganfall erlitt, ist der Maler nach eigenem Verständnis «sanfter» geworden. Die gesundheitlichen Probleme führt er auf ein bis heute ungeklärtes Ereignis zurück: Unbekannte hatten damals sein Atelier verwüstet und viele seiner Arbeiten zerstört.
Trotz aller Kritik und vieler Anfeindungen schaffte es der Künstler, sich als einer der wichtigsten Vertreter zeitgenössischer Malerei zu etablieren. Sein komplexes Werk entwickelt sich dabei ständig weiter. «Zufrieden bin ich überhaupt nie. Ich höre bei einem Bild zu malen auf, wenn ich nicht mehr weiter weiß und nicht, weil es mir so gefällt», sagte er vor einigen Monaten der österreichischen Zeitung «Kurier». «Dass ich stolz bin oder begeistert von meiner Vergangenheit, ist weniger der Fall.»
Stolz kann er aber sein, denn zahlreiche renommierte Museen in aller Welt haben ihm im Laufe der Jahre Retrospektiven gewidmet, darunter das Pariser Centre Pompidou, das New Yorker Guggenheim Museum und anlässlich seines 70. Geburtstages das Stedelijk Museum in Amsterdam und das Kunstforum in Wien. Die Pinakothek der Moderne in München ehrt Rainer seit 2002 mit einem eigenen Raum, in dem einige seiner Werke ständig gezeigt werden.
Für sein Werk erhielt der Künstler viele Auszeichnungen, so etwa 1966 den Österreichischen Staatspreis für Grafik, 1978 den Großen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst und 1981 den Max- Beckmann-Preis. 2005 erhielt er als erster nichtspanischer Künstler den Aragón-Goya Preis für sein Lebenswerk.
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