| Abschied vom «Kunstproletarier» Alfred Hrdlicka |
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| Sonntag, 06. Dezember 2009 um 18:40 Uhr | ||
Von Carola Frentzen, dpa
Wien (dpa) - Er muss es wohl gespürt haben: Bereits zu seinem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr erklärte Alfred Hrdlicka, sein Körper sei «in einem bedenklichen Zustand». Er habe sich «zu Tode geschunden», sagte er. Seine Leidenschaft für Kunst und Skulpturen hat sich der Bildhauer aber bis zum letzten Tag bewahrt, auch Pläne für ein neues Werk auf dem Wiener Albertinaplatz gab es. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Hrdlicka starb am Samstag im Alter von 81 Jahren in der österreichischen Hauptstadt. Wiens Bürgermeister Michael Häupl würdigte den Künstler als «einen der herausragendsten Künstler Österreichs, der über die Landesgrenzen hinaus zu den bedeutendsten Realisten der Bildhauer-Kunst der Gegenwart zählte».
Hrdlicka selbst nannte sich einen «Proletarier der Kunst», einen «Steinzeitmenschen» und einen «Ultrastalinisten», die Medien hingegen betitelten Hrdlicka als «sensiblen Berserker». Diesen Namen hörte er gern: «Wenn man sich ansieht, was ich alles gemacht habe - ich war ein Arbeitsfanatiker, habe oft acht, zehn Stunden am Stück Stein behauen. Das war schon berserkerhaft», sagte er vor einigen Jahren.
In seinem riesigen, sonnendurchfluteten Atelier im Wiener Prater behaute, bearbeitete und polierte Hrdlicka den Stein - harte Arbeit, und das fünf Jahrzehnte lang. Es entstanden so monumentale Werke wie das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus auf dem Albertinaplatz in Wien oder das Gegendenkmal zum Hamburger Soldatendenkmal. Umstrittene Werke waren dies, Hrdlicka war kein bequemer Künstler. Aber er war eine «große Künstlerpersönlichkeit», wie Bundespräsident Heinz Fischer es ausdrückte.
Krieg, Unterdrückung, Rebellion und Faschismus: Das sind die zentralen Themen im Werk des Österreichers. Martialisch und kraftvoll stellte er den Menschen dar, aber auch verletzt, gequält, geschunden. Aus seinem Werk spricht Anteilnahme, an menschlichen Schicksalen, an der Welt. «Wenn man nicht am Leben Anteil hat, sondern die Kunst in die Ecke stellt und sagt: Das ist hübsch - das ist Blödsinn», ereiferte er sich einmal. «Leiden, Mitleiden, die Realität kennen - das zeichnet all die großen Künstler aus wie Goya und Shakespeare.»
Diese bewusste Hinwendung zu konkretem Realismus hat dem gelernten Zahntechniker immer wieder heftige Kritik eingebracht. Vor allem mit seinen Skulpturen für den öffentlichen Raum hat er viele provoziert. So erregte sich 1963 Salzburg über seinen «Orpheus». 1967 protestierte eine «Liga gegen entartete Kunst» gegen sein «Renner- Denkmal» in Wien, während sein «Plötzenseer Totentanz» 1970 in West- Berlin Kontroversen auslöste. In Hamburg sorgte 1984 sein «Gegendenkmal» zu einem nationalistischen Kriegerdenkmal für Aufregung, in Wuppertal gab es einen Sturm gegen sein Monument für Friedrich Engels.
Aber auch bei Ausstellungen gab es schon mal Ärger: Erst im vergangenen Jahr ließ Kardinal Christoph Schönborn Hrdlickas Version des «Letzten Abendmahls» bei der Schau «Religion, Fleisch und Macht - das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka» im Wiener Dommuseum abhängen. Medien im streng katholischen Italien hatten ebenfalls gegen das Werk protestiert. Der Künstler selbst sah die Kritik stets gelassen. «Damit kann ich leben», sagte er einmal.
Zunächst hatte der am 27. Februar 1928 in Wien geborene Hrdlicka an der Akademie der bildenden Künste Malerei studiert, bevor er in die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba eintrat. Seiner ersten Ausstellung von Skulpturen 1960 folgten weitere im Wiener Künstlerhaus und in Salzburg. 1964 war er Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig, was ihm zum internationalen Durchbruch verhalf. Bald erhielt er Professuren im benachbarten Deutschland, in Stuttgart, Hamburg und Berlin. Zudem wurde ich mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt und machte sich auch als Bühnenbildner einen Namen.
Als überzeugtes Mitglied kandidierte der Sohn eines kommunistischen Gewerkschaftsfunktionärs wiederholt für die Kommunistische Partei Österreichs, und mischte auch bei aktuellen politischen Debatten heftig mit. Er bezeichnete sich selbst als «Paten der Linkspartei» in Deutschland, weil er Gregor Gysi und Oscar Lafontaine davon überzeugt habe, gemeinsam Politik zu machen. Hrdlicka war eben ein vielseitiger Künstler und Mensch. Ein «Titan der internationalen Kunst», wie es Österreichs Kulturministerin Claudia Schmied ausdrückte.
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