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Lempertz hat im Jahr 2009 einen Umsatz von 36 Millionen Euro erreicht und damit seine führende Stellung unter Deutschlands Auktionshäusern erneut weiter ausgebaut. Der Anteil ausländischer Einlieferer und Käufer ist deutlich gestiegen.
Seit 100 Jahren versteigert Lempertz Asiatische Kunst. Zu diesem Jubiläum konnten nun 100 exquisite japanische Holzschnitte aus der Sammlung W. von Scheven in hevor-ragendem Erhaltungszustand offeriert werden. Experten des Auktionshauses Lempertz entdeckten diesen seit 80 Jahren verborgenen Schatz. Die Sammlung wurde weitgehend komplett abgesetzt – und die Preise stiegen insbesondere bei den Spitzenstücken weit über die Taxen; so sprang etwa Hokusais berühmte Woge von 20.000 bis auf 64.000.
Zu den weiteren Höhepunkten der Auktion zählten insbesondere Kunstgewerbe und Malerei aus China: Ein Paar Teadust-Vasen aus der Qianlong-Periode wurde von 80.000 bis auf 250.000 gesteigert. Ein ähnlicher Senkrechtstart gelang einer Tusche-arbeit des zeitgenössischen Künstlers Wu Guanzhong, die von 100.000 bis 307.000 getrieben wurde; eine zweite Tuschearbeit kletterte von 70.000 bis auf 294.000. Ein Buddha Amitabha aus der Ming-Zeit glänzte mit 135.000 (80.000). Noch größer war der Sprung für eine sehr große Cloisonné-Vase, die mit 104.000 weit über ihre Taxe von 10.000 sprang. Der Gesamtumsatz hat – passend zum Jubiläumsjahr - bemerkenswerte 2.7 Millionen betragen und mit einem Plus von mehr als 40% deutlich über dem letzten Frühjahr gelegen.

Katsushika Hokusai (1760-1849)
Ôban, yoko-e. Kanagawa oki nami ura (Im Wellental vor der Küste von
Kanagawa)
Aus der Serie: Fugaku sanjurokkei (36 Ansichten des Berges Fuji)
Prov.: Slg. Walter von Scheven
Schätzpreis: EUR 20.000,-
Ergebnis: EUR 64.000,-
CHINA
Malerei
Offeriert wurden Arbeiten von Wu Guanzhong, Liu Kuo-sung, Chu Ko, Zeng Mi, Lee Shi-chi, Zhou Shaohua, Chen Hsing-wan, Qiu Deshu, deren Werke innerhalb Europas selten zu erwerben sind. Beherrschendes Thema dieser Künstler ist die Auseinandersetzung mit der Globalisierung von Kunst und der Rückbesinnung auf die gewachsenen Traditionen, mit der sie sich von unterschiedlichen Standpunkten aus auseinandersetzen. Die Antworten sind differenziert und vielschichtig. Was sie verbindet, ist das Engagement für die Erneuerung der chinesischen Kunst und die kritische Reflexion ihrer so lange gewachsenen Wurzeln.
Mit 307.000 wurde Forgiveness, eine 1996 entstandene Tuscharbeit des 1919 geborenen Wu Guanzhong, zu einem der beiden Highlights der Auktion (Lot 297, 100.000). Bei den deutlich kleineren Fäden des Frühlings von 1995 entstand ein hartnäckiges Bietgefecht zwischen zahlreichen Telefonen und dem Saal. Auf 70.000 geschätzt, mußte ein chinesischer Bieter 294.000 einsetzen, um den Sieg zu erringen (Lot 298).
Keramik / Porzellan / Skulptur / Kunstgewerbe
Von großer Seltenheit war das 21 cm hohe Paar teadust-Vasen mit Golddekor und applizierten Granatäpfeln aus der Qianlong-Zeit. Versehen mit Qianlong Sechszeichen-Siegelschriftmarke, waren sie auf 80.000 geschätzt. Heftig umworben, begannen sie immer höher zu klettern, bis ein chinesischer Bieter schließlich mit dem Einsatz von 307.000 das Bietgefecht zu seinen Gunsten entscheiden konnte (Lot 228).
Mit 80.000 war das Highlight der Skulpturen bewertet. Erst bei 135.000 konnte die feuervergoldete Bronze eines Buddha Amitabha aus der Ming-Zeit übernommen werden (Lot 137). Eine aus derselben Zeit stammende Guanyin aus Messingbronze mit fein geschnittenen Gesichtszügen blieb mit 27.000 in Deutschland (Lot 140, 20.000).
Das Kunstgewerbe sah den glänzenden Erfolg einer mit 55 cm großen Cloisonné-Vase aus dem 16./17. Jh. Hartnäckig kämpfende Bieter gaben sich erst dem Einsatz von 104.000 eines chinesischen Bieters geschlagen (Lot 322, 10.000). Ein deutscher Sammler verhalf einem Rhinozeroshorn-Becher des 17. Jh. mit 32.000 zu einem steilen Anstieg – er war mit einer Taxe von 2.500 versehen (Lot 392).

Wu Guanzhong
Forgiveness. 1996
Tusche und Farben auf Papier, 138 x 178 cm
Ausstellung: Stuttgart 1998/1999 (Lindenmuseum)
Schätzpreis: EUR 100.000,-
Ergebnis: EUR 307.000,-
JAPAN
Sammlung Walter von Scheven
Der rheinische Sammler Walter von Scheven hat mit zielsicherem Gespür zwischen 1912 und 1932 japanische Holzschnitte gesammelt, die 1930 in einem westdeutschen Museum ausgestellt wurden. Die Sammlung enthielt bedeutende Blätter der japanischen Künstler Hokusai, Hiroshige, Utamaro, Harunobu u.a., die großen Einfluß auf die klassische europäische Kunst hatten und wesentlich zum sog. Japonismus in Europa beitrugen. Eines der bedeutendsten Blätter war die mit 20.000 bewertete, berühmte Woge Hokusais aus der Serie „36 Ansichten des Berges Fuji“. Zahlreiche nationale und internationale Bieter lieferten sich ein spannendes Bietgefecht, das amerikanischer Handel erst mit dem Einsatz von 64.000 für sich entscheiden konnte (Lot 546). Zwei weitere Ôban aus dieser Serie waren nicht weniger begehrt: Die Ansicht des roten Fuji wurde von 12.000 bis auf 42.000, die italienischer Handel gewährte, getrieben (Lot 547), während ein blitzumzuckter braunroter Fuji von ebenfalls 12.000 bei 36.000 von amerikanischem Handel übernommen werden konnte (Lot 548). Für ein Doppelporträt des berühmten Sumo-Ringers Tanikaze und der oiran Okita von Katsukawa Shunchô bewilligte englischer Handel 18.500 (Lot 503, 10.000), die auch eine weitere, mit 5.000 bewertete Ansicht des Fuji von Hokusai hinter einem tosenden Fluß einspielte (Lot 549).
Netsuke
Aus der über 160 Objekte umfassenden Netsuke-Offerte ragte mit 6.000 die von Okakoto signierte Elfenbeinfigur des Urashima Tarô aus dem frühen 19. Jh. heraus (Lot 876, 2.700). Ein aus dem späten 18. Jh. stammender Hotei mit Fächer aus demselben Material sprang von 2.200 bis auf 5.100 (Lot 818). Bei 4.700 übernahm ein deutscher Sammler einen Elfenbein-Falken des 18. Jh. (Lot 952, 3.200).
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