| Oh Tannenbaum - was ist aus Dir geworden? |
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| Donnerstag, 17. Dezember 2009 um 06:04 Uhr | ||
Von Susanne Kupke, dpa
Karlsruhe (dpa/lsw) - Er dreht sich klitzeklein in einer Mikrowelle, wird am Spieß gedreht oder ist zur Brille mutiert. Oh Tannenbaum, was ist aus Dir geworden? Die Antwort kann man jetzt in einer Ausstellung der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) finden. Bis zum kommenden Montag (21. Dezember) sind dort mehr als 150 Weihnachtsbäume zu sehen. Doch das Symbol weihnachtlicher Stimmung ist bei der jährlichen Weihnachtsbaum-Ausstellung der Hochschule nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen.
«Freut Euch über ihn, hasst ihn, zerstört ihn und belebt ihn wieder», so das Motto der Initiatoren Johannes Marmon und Johannes Müller. Wie in den Vorjahren gab es keine Vorgaben, keine Begrenzung und keine Vorauswahl. Was Studenten, Grafiker, Medienkünstler, Produktdesigner, Kunstwissenschaftler oder auch Schülern einfiel, passt in den wenigsten Fällen ins festlich geschmückte traute Heim - lädt dafür aber zum Schmunzeln oder zum Nachdenken ein. Und das bei kostenlosem Eintritt.
So garantiert die Brille «Baumblick mit Stirngeweih» von Thorsten Müller goldige Aussichten, während der Schoko-Baum von Felix Vorreiter einfach zum Anbeißen ist: Für seinen Alljahreskalender «365 mal werden wir noch wach» hat er 17-Schoko-Adventskalender ausgeplündert und das süße Innere in Baum-Form gebracht. Bei anderen rieselt leise der Parmesan-Schnee über Nudelzweige oder Puderzucker über Gummibärchen. Warm ums Herz wird dem Betrachter nicht unbedingt beim Anblick eines Beitrages aus Istanbul; dessen Heizschlangen in Baumform strahlen dafür aber echte Wärme ab. Zum Weihnachtsbaum für den Reisenden wird ein kleiner Zweig mit rotem Reißnagel.
Ob geschmückt oder entfremdet - bei so viel Tannen starten zwei HfG-Studentinnen eine «Kampagne gegen die Diskriminierung von Laubbäumen im Winter», indem sie Fotos von entlaubten Bäumen in Reih und Glied hängen. In einem anderen Objekt sprießen Tannenspitzen aus einer vertrockneten Buche. Ein weiterer Künstler lässt den Baum ganz verschwinden und nur noch die silbernen Weihnachtskugeln an dünnen Fäden schweben.
Für HfG-Sprecher Klaus Heid ist die Schau auch eine klassische Spielwiese für Materialexperimente - etwa wenn ein Teerbaum zerfließt oder Eisenspäne von einem Magnet per Zufall in Form gebracht werden.
Es lohnt der zweite Blick. So sind im Tännchen mit Goldkugeln radioaktive Symbole versteckt, und in einer Mikrowelle dreht sich ein Bäumchen vor einem verlaufenen Weihnachtsmann. HfG-Studentin Fleure Wobus will mit ihm auf das Konsumkarussell zur Weihnachtszeit aufmerksam machen, das einsame Menschen außen vorlässt und für die Weihnachten gleichsam gelaufen ist.
Es gibt auch radikale Abrechnungen mit dem Thema: So hat sich eine Studentin den Kopf zur Glatze scheren lassen und nur am Hinterkopf einen Haarbüschel in Form einer Tanne stehen gelassen, wie ein Foto in der Schau belegt. Ein anderer Künstler dreht die Tanne gleich durch den Fleischwolf. |
























































