| Zeitgenössische Kunst im Champagnerkeller |
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| Freitag, 18. Dezember 2009 um 06:35 Uhr | ||
Von Sabine Glaubitz, dpa
Paris (dpa) - Mancher Besucher könnte glauben, zu tief ins Glas geschaut zu haben. In dem ungewöhnlichen «Museum» stehen neben tausenden Champagnerflaschen ein altes Klavier, eine knallrote Ferrari-Karosserie und Arbeiten des französischen Künstlers Daniel Buren nebeneinander. Das «Museum» liegt in der Champagner-Hauptstadt Reims, die Ausstellungsreihe trägt den Titel «Expérience Pommery». In den 30 Meter tief liegenden Champagnerkellern des Hauses Pommery wird jedes Jahr zeitgenössische Kunst zeigt. Ein Ort, der von den Künstlern viel Fantasie verlangt, denn er führt durch ein 18 Kilometer langes Labyrinth aus dunklen und feuchten Gängen.
Bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent musste auch Bertrand Lavier seine Kunst dem ungewöhnlichen Ausstellungsort anpassen. So stellt der Franzose derzeit zwischen den tausenden Champagner- Flaschen statt Gemälde und Skulpturen «Objekte» aus. Unter dem Titel «Ton und Licht» zeigt er bis zum 31. März Gegenstände, die für einige zum Mythos geworden sind, für andere banale Gegenstände des Alltags repräsentieren.
Lavier ist bekannt für seine Mischung aus Ironie und Ernsthaftigkeit. Deshalb lässt er zu der rund 20 Meter langen französischen Nationalflagge in den Farben Blau-Weiß-Rot die Musik von «Gone with the Wind» spielen, und zu dem knapp 50 Meter langen roten Cannes-Teppich, der aus dem selben Material und von dem selben Hersteller ist wie das Original, die Filmmusik von Sergio Leones «Spiel mir das Lied vom Tod».
Die Kunst zwischen den Jahrzehnte alten Magnum-Flaschen zieht die Besucher an. Denn seit Nathalie Vranken - das belgische Champagnerhaus Vranken hat Pommery im Jahr 2002 übernommen - vor sechs Jahren die erste Ausstellung in den mehr als 150 Jahre alten Kellern organisiert hat, ist die Besucherzahl von 45 000 auf 120 000 jährlich angestiegen. «Die Besucher sind erstaunt und verblüfft, wenn sie in den Kellern nicht nur Champagnerflaschen entdecken», sagte die Kunstliebhaberin.
In dem faszinierenden Kellerlabyrinth aus kegelförmigen Lichtschächten, engen Gängen mit leicht schimmeligen Mauern und 20 Millionen Flaschen haben bereits zeitgenössische Künstler wie Adel Abdessemed, Kader Attia, Stephan Balkenhol, Tadashi Kawamata, Carlos Garaicoa und Daniel Buren ausgestellt. Dem für seine Streifen- und Säulenkunst bekannten Franzosen wurde 2007 sogar die Organisation der Ausstellungsreihe anvertraut. «Der Ort hat mich beeinflusst bei der Wahl der Künstler. Ich habe mich gefragt, wer auf die hier vorzufindenden Umstände mit Werken antworten kann», sagt der Künstler. Der Ausstellung gab er denn auch den Titel «Der Einfluss des Ortes».
Bei jeder Ausstellung gehen einige der Exponate in den Besitz des Champagner-Hauses über. Doch eine umfassende Sammlung will man nicht gründen. «Die meisten Sammlungen führen zu Stiftungen. Ich finde davon gibt es schon genug», erklärt Nathalie Vranken. Statt für ihre eigen Stiftung arbeitet sie lieber für das Museum der Schönen Künste in Reims, wo sie Präsidentin des Kreises der Mäzene ist. Zudem hat sie vor knapp einem Jahr die Renovierung der Jugendstilvilla «Les Demoiselles» in der Nähe ihrer Domaine abgeschlossen, die seitdem besichtigt werden kann. Tags: f
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