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„Kaleidoskop. Hölzel in der Avantgarde“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg
Ausstellung: „Kaleidoskop. Hölzel in der Avantgarde“
Laufzeit: 29. November 2009 bis 28. Februar 2010
Eröffnung: Sonntag, 29. November 2009 um 11 Uhr
Als einer der Ersten hat sich Adolf Hölzel (1853 Olmütz/Mähren – 1934 Stuttgart) zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Frage nach einer modernen Bildkomposition zwischen Figuration und Abstraktion auseinandergesetzt.
Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg präsentiert eine umfassende Werkschau des Künstlers und Theoretikers. Das Ausstellungsprojekt, eine Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Stuttgart, ist eine lückenlose Dokumentation seines künstlerischen Schaffens. Die Werkschau in Regensburg präsentiert auf rund 1.000 m2 über 200 Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle und Glasfenster von Adolf Hölzel.
Das Ausstellungskonzept
Adolf Hölzel ist ein früher wichtiger Protagonist der Abstraktion und Wegbereiter der Moderne: Im Spannungsfeld zwischen Figuration und Abstraktion hat er als Künstler und Theoretiker einen neuen Weg in der modernen Malerei beschritten. Eine angemessene Würdigung Hölzels in der Kunstgeschichte fehlt bis heute.
Die Retrospektive „Kaleidoskop. Hölzel in der Avantgarde“, die das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg vom 29. November 2009 bis zum 28. Februar 2010 zeigt, schließt diese Lücke. Die Schau ist eine längst überfällige Dokumentation des Künstlers; denn erst in den letzten Jahren hat die zunehmende Erschließung seines Nachlasses seinen Stellenwert gezeigt.
Das Regensburger Museum stellt nach der ersten Ausstellungsstation im Kunstmuseum Stuttgart die vielfältigen modernen Aspekte von Hölzels Kunst ins Zentrum. Über 200 Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle und Glasfenster des Künstlers sind auf rund 1.000 m2 zu sehen.
Unter dem Leitmotiv des Kaleidoskops bietet die Schau einen repräsentativen Querschnitt seines Lebenswerkes und setzt den Fokus vor allem auf Hölzels Überlegungen zur Moderne.
Fünf Schauräume fächern die künstlerische Entwicklung des Malers auf. Das Spektrum reicht von der konventionellen Figuren- und Genremalerei über die impressionistische Malerei des „Neu-Dachauer-Stils“ bis hin zur farbexpressiven Abstraktion. Hölzels umfangreicher grafischer Beitrag, in dem sich der experimentelle Charakter seiner Kunst maßgeblich zeigt, ist in fünf weiteren Kabinetträumen zu sehen.
Besonders bemerkenswert ist die Neuerwerbung zahlreicher Hölzel-Gemälde aus der Privatsammlung Schurr. Dank dieser verfügt das Kunstforum seit Sommer 2009 über eine der umfangreichsten Sammlungen Adolf Hölzels weltweit.
Der Einfluss von Adolf Hölzel auf die Entwicklung der Moderne ist bis heute sichtbar. Das veranschaulicht im Rahmen der Retrospektive der künstlerische Beitrag von Ben Muthofer mit seiner Arbeit „Kaleidoskope Televisionen“.
Bedeutung Adolf Hölzels
Parallel zu den europäischen Bestrebungen eines Wassily Kandinsky, Robert Delaunay oder Piet Mondrian arbeitet Adolf Hölzel Anfang des 20. Jahrhunderts an einem neuen Bildbegriff. Als Künstler und Theoretiker beschäftigt ihn die ästhetische Wirkkraft der einzelnen bildkonstituierenden Elemente wie Form, Fläche und Farbe.
Seine Kunst kreist um das Thema der Abstraktion. Diese Untersuchungen finden ihren Höhepunkt erstmals 1905 in dem berühmten Gemälde „Komposition in Rot I“. Den höchsten Grad der Abstraktion erlangt Hölzel ab 1915 in seiner „absoluten Malerei“, wenn er konstruktive Linien mit einem Farbprisma vernetzt oder mit pastosen Farbstrichen Ornamente geometrisiert.
Adolf Hölzels theoretische Überlegungen zum Einsatz der künstlerischen Mittel manifestieren sich in seinem Lehrsatz: „Die Kunst steckt in den Mitteln … die elementarsten Grundlagen sind: Linie, Form, Abtönung, Farbe, damit ist zu wirtschaften“.
Über die Vermittlung seiner berühmten Schüler wie Johannes Itten, Oskar Schlemmer oder Willi Baumeister werden Hölzels Gedanken zur Kunst zu einer wichtigen theoretischen Grundlage für nachfolgende Künstlergenerationen.
„Hölzels Begriff der Moderne löst sich jedoch nicht radikal von künstlerischen Traditionen. Er basiert auf der Kenntnis der Kunstgeschichte und der Naturwissenschaften“, erklärt Dr. Gerhard Leistner, Kurator der Ausstellung.
„Der Künstler entwickelt sein Werk nicht revolutionär, sondern evolutionär.
Das macht Adolf Hölzel so einzigartig im Kreis der Avantgardisten.“
Hölzel in der Sammlung Schurr
Mit über 50 Gemälden und Grafiken besitzt das Kunstforum nach dem Kunstmuseum Stuttgart weltweit die größte Sammlung von Werken Adolf Hölzels. Die Kollektion an Gemälden ist vor allem der Sammlung Schurr aus Stuttgart zu verdanken. Viele der Werke sind bereits seit 1970 als Leihgaben im Regensburger Museum. Im letzten Jahr sind diese Arbeiten und weitere Schenkungen in den Besitz des Museums übergegangen.
Schenkung der Adolf Hölzel-Stiftung
Zum 75. Todestag des Künstlers hat die Adolf Hölzel-Stiftung im Auftrag der Enkelin Doris Dieckmann-Hölzel aus Stuttgart dem Kunstforum ein Skizzenbuch geschenkt. Das Dachauer Skizzenbuch aus dem Jahr 1897 zeigt Hölzels Untersuchungen zur Veränderung der Gesamtwirkung eines Bildes durch die Variation von Raum, Fläche und Form. Die Schenkung wurde anlässlich der Pressekonferenz vorgestellt.
Publikation
Zur Retrospektive erscheint ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Forschungsbeiträgen:
Kaleidoskop. Hölzel in der Avantgarde, hrsg. von Marion Ackermann, Gerhard Leistner, Daniel Spanke, Kehrer-Verlag Heidelberg 2009 (392 S., zahlr. Farbabb., 29,90 Euro).
Die Publikation wurde von der Ernst von Siemens Kunststiftung, München gefördert.
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet .
Adolf Hölzel (1853-1934) – Kurzbiografie
1853 Geboren am 13. Mai in Olmütz in Mähren (heute Olomouc/Tschechien)
1868 Ausbildung zum Schriftsetzer in Gotha
1872/74 Studium an der Wiener Akademie
1876-82 Studium an der Münchner Akademie u.a. bei Wilhelm von Diez
1887 Studienreise nach Paris
1887-1905 Wohnsitz in Dachau bei München
1891 Gründung einer privaten Malschule in Dachau
1896 Gründung der Malergruppe „Neu Dachau“ mit Arthur Langhammer und Ludwig Dill
1904/05 Studienreise nach Venedig, Triest, Ravenna und Padua
1906 Beginn der Lehrtätigkeit an der Stuttgarter Akademie
1916/17 Erstes Glasfenster für die Bahlsen Keksfabrik in Hannover
1916-18 Direktor der Stuttgarter Akademie
1934 stirbt Adolf Hölzel am 17. Oktober in Stuttgart
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