| Pleitgen: «Wir machen die Leute zu Akteuren» |
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| Dienstag, 29. Dezember 2009 um 08:26 Uhr | ||
Essen (dpa) - Mit dem Programm zur Kulturhauptstadt 2010 im Ruhrgebiet will ihr Chef-Organisator Fritz Pleitgen die Besucher buchstäblich zum Mitwirken bewegen. «Wir machen keine Veranstaltung für die Eliten, wir machen die Leute zu Akteuren», sagte er wenige Tage vor der Eröffnung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Essen.
Das beginne mit der aufwendigen Eröffnungsfeier am 9. Januar, die gegen erste Vorschläge von Experten nicht im prächtigen Saal in der Essener Philharmonie, sondern unter freiem Himmel auf dem Zechengelände Zollverein stattfindet. «Wir gehen raus, das ist natürlich Hochrisiko», sagte Pleitgen. Aber nur so sei direkt nach dem Festakt ein kostenloses Kulturfest mit erwarteten 100 000 Besuchern möglich.
Die Sperrung der A 40 am 18. Juli biete über 20 000 Gruppen die Möglichkeit, an den Tischen auf der Autobahn ihre Kulturbeiträge zu präsentieren. Schon die Vorbereitung der Akteure für ihren Auftritt gehöre zum Projekt, das sich in den Köpfen der Teilnehmer sicher dauerhaft mit den Orten verbinden werde. Massenhafte Teilhabe statt Staunen über Hochkultur gebe es beispielsweise auch bei dem ganztägigen Gesangsprojekt «Day of song» oder bei der in Bochum entstandenen Initiative «Jedem Kind ein Instrument», das im Rahmen der Kulturhauptstadt auf das ganze Ruhrgebiet ausgedehnt worden ist.
«Kultur ist nicht elitär, sie hat einen starken sozialen Aspekt», betont Pleitgen. Trotzdem bringe es wenig, Breite gegen Spitze auszuspielen. Im Programm fänden sich auch reichlich Angebote einer Hochkultur mit weltweit anerkannten Akteuren wie das Projekt rund um den zeitgenössischen Komponisten Hans Werner Henze. «Wir haben beides», sagte Pleitgen.
Dass für den Henze-Zyklus rund 40 Opernhäuser, Hochschulen, Orchester und Kultureinrichtungen im ganzen Ruhrgebiet zusammenarbeiten, gehöre schon jetzt zu den dauerhaften Erfolgen der Kulturhauptstadt. Auch die Ruhrgebietsmuseen und Theater hätten sich erstmals über die ganze Region hinweg zusammengeschlossen. Das sei genauso wichtig wie die spektakulären Neubauten der Kulturhauptstadt, etwa das Kulturzentrum «Dortmunder U».
Allerdings dürfe der Schwung und «all das, was aufgewirbelt wurde, nach 2010 nicht wieder auslaufen». «Es muss Strategien geben für die Fortsetzung der Impulse.» Nach dem Kulturhauptstadtjahr könne er sich gut eine Nachfolgeorganisation vorstellen, die mit einem Kern der Mannschaft die Grundgedanken weiter vorantreibe. «Für mich persönlich endet allerdings die Kulturhauptstadt Ende 2010», betonte Pleitgen, der im Kulturhauptstadtjahr 72 wird. «Ich möchte endlich mal selbstbestimmt leben.»
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