| Kulturhauptstadt beginnt - Wandel im Revier zeigen |
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| Donnerstag, 31. Dezember 2009 um 09:10 Uhr | ||
Essen (dpa/lnw) - Mit dem Jahreswechsel werden die 53 Kommunen des Ruhrgebiets unter der Führung von Essen zur Europäischen Kulturhauptstadt. Offiziell eröffnet wird das Kulturjahr am 9. Januar mit einem Festakt unter freiem Himmel an der stillgelegten Essener Großzeche Zollverein. Bundespräsident Horst Köhler und EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso wollen kommen. Erstmals soll auch Herbert Grönemeyers Kulturhauptstadt-Lied «Komm zur Ruhr» gespielt werden. Anschließend öffnet die Zeche zu einem zweitägigen Volksfest bei freiem Eintritt. Die Organisatoren wollen den Strukturwandel der Region zeigen, die schon längst nicht mehr durch Kohle und Stahl geprägt wird.
Zu dem einjährigen Kulturmarathon mit einem Etat von gut 62 Millionen Euro erwarten die Organisatoren rund 5 Millionen Besucher. Geplant sind hochkarätige Veranstaltungsreihen in Museen, Theatern und Konzertsälen und Volkstümliches wie ein gemeinsamer Gesangstag mit einem 65 000-Stimmen-Konzert in der Gelsenkirchener Veltins Arena. Ruhr 2010-Chef Fritz Pleitgen verspricht «starke Bilder», die die alten und falschen Klischees des «grauen Kohlepotts» ablösen.
Ruhrgebiet - Der Himmel ist wieder blau
Essen (dpa/lnw) - Über ein Jahrhundert lang war das Ruhrgebiet grau und schmutzig. Heute gehört diese Vorstellung vom industriellen Ballungsraum aber zum alten Eisen: Das Revier hat seine Rolle als nationales Oberzentrum der Schwerindustrie längst abgelegt, Luft und zunehmend auch die Flüsse sind wieder klar.
Nach dem Krieg hatten noch mehr als eine Million Menschen in der Industrie gearbeitet, bis Ende der 50er Jahre die Kohlekrise losbrach. Heute sind es weniger als die Hälfte. Die meisten Zechen, Kokereien und Stahlwerke wurden geschlossen. Als wichtige Zukunftsbranchen gelten jetzt Biotechnologie, Gesundheitswirtschaft und Logistik. Wer noch qualmende Schlote im großen Stil sehen will, muss nach Duisburg fahren. Ruhrort, Marxloh oder Bruckhausen heißen die nach wie vor vom Stahl geprägten Stadtteile, die Tatortkommissar Schimanski bekanntgemacht hat.
Aus stillgelegten Werken haben Touristikfachleute eine «Route der Industriekultur» zusammengestellt. Überall im Revier stehen an Autobahnen Hinweisschilder auf herausragende Bauwerke, die dem Besucher offenstehen. Eines davon ist die monumentale Zeche Zollverein in Essen. Sie ist seit 2001 zusammen mit der Kokerei Zollverein UNESCO-Weltkulturerbe. An anderen Stellen werden ausgediente Industrieflächen zu «Landschaftsparks» umgewandelt. In Dortmund ist ein Stahlwerk nach China verkauft worden, auf der Brache entsteht derzeit ein Freizeitsee mit Wohn- und Büroanlagen.
Typisch für das Ruhrgebiet ist das relativ friedliche Zusammenleben von mehr als 100 Nationen. Ungezählte Bürger stammen hier von Zuwanderern ab, was sich bis heute an verbreiteten Namen wie Koslowski oder Krafczyk ablesen lässt. Während der Industrialisierung hatten hunderttausende Osteuropäer hier Arbeit gefunden. Sie sind geblieben wie nach dem Zweiten Weltkrieg die Gastarbeiter aus den Mittelmeerländern.
Das Kern-Revier reicht von Dortmund bis Duisburg. An dieser Achse schmiegen sich Städte wie Bochum, Gelsenkirchen, Essen, Mülheim, Herne, Bottrop oder Oberhausen eng aneinander. Wer hier unterwegs ist, merkt kaum, dass er von einer Stadt in die andere wechselt. Die größte Ausdehnung des Ruhrgebiets beträgt von Osten nach Westen 116 Kilometer. 53 selbstständige Städte und Gemeinden gehören zu der Region mit ihren mit 5,3 Millionen Einwohnern und bilden einen der größten Ballungsräume in der Europäischen Union.
Politisch festgelegte Grenzen gibt es nicht: Ein Teil des Reviers gehört zu Westfalen, ein Teil zum Rheinland. Der Westfale gilt als zuverlässlich und bodenständig, der Rheinländer als Frohnatur.
Kulturhauptstadt Ruhr.2010 in Zahlen
Essen (dpa/lnw) - Mit dem Ruhrgebiet wird 2010 erstmals eine ganze Region mit 53 Kommunen unter der Führung von Essen Kulturhauptstadt. Rund 300 Projekte mit 2500 Veranstaltungen sind in dem Jahr geplant - vom Gemeinschaftkonzert im Fußballstadion bis zur Museumstournee durch die Region. Rund fünf Millionen Besucher werden erwartet. 62,5 Millionen Euro stehen zur Verfügung und damit nur gut ein Zehntel des Etats der Kulturhauptstadt in Istanbul. Allerdings wird dort deutlich mehr Geld für die Stadterneuerung verbaut. Rechnet man im Ruhrgebiet die öffentlichen und privaten Investitionen etwa für neue Besucherzentren, renovierte Bahnhöfe oder erweiterte Museumsbauten zum eigentlichen Etat hinzu, ergibt sich eine Summe von rund 350 Millionen Euro.
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