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Johanna, Ey, Künstler
Die Tür des «Lokus», auf dem die als Original bekannte Düsseldorfer Kunsthändlerin verschämt thront, steht - da auf die farbige Tuschzeichnung aufgeklebt - einen Spalt auf. Das herzlich intime Blatt aus dem Jahr 1930, auf dem sein Urheber, der Künstler Robert Pudlich (1905-1962), nebendran an einem Tisch sitzt, ist im Düsseldorfer Stadtmuseum zu sehen. Dort wird bis zum 10. Mai unter dem Titel «Ich, Johanna Ey» eine Schau mit 100 Porträts der «Ey» präsentiert, deren Galeristentätigkeit unauflöslich mit der avantgardistischen Künstlergruppe «Junges Rheinland» verknüpft ist, und die ihrerzeit als meistgemalte Frau Deutschlands berühmt wurde.
Die Ausstellung aus eigenen Beständen, die um bislang unveröffentlichte Fotografien ergänzt ist, versteht sich als umfassende Annäherung an die verschiedenen Facetten Johanna Eys, sagt Susanne Anna, Direktorin des Düsseldorfer Stadtmuseums. Ey sei nicht nur «Mutter» und gleichsam Heilige gewesen, nicht nur Galeristin, die keine Intellektuelle - «Kunst wie Brötchen verkauft hat», sondern auch eine hart arbeitende Geschäftsfrau und zudem «modern» und voller Sehnsüchte.
Ihren Ausgang nimmt die Legende der «Institution Ey», die 1864 in «einfachen Verhältnissen» als Johanna Stocken geboren und 1908 von Robert Ey geschieden wurde, 1907 in Düsseldorf. Dort hatte die 12- fache Mutter, die mit 14 Jahren von der Schule in «Dienst» geschickt wurde, eine Backwarenhandlung übernommen. Diese wurde aufgrund ihrer Nähe zur Kunstakademie und der Tatsache, dass es dort günstig oder «gepumpt» Brötchen, Kaffee und Kuchen, später Mittagstisch und unter der Hand Alkohol gab, zum dauerhaften Treffpunkt mittelloser, junger Künstler.
1917 eröffnete sie eine Kunsthandlung, in der sie zunächst etablierte Akademiekunst anbot, um dann zur Galeristin des Jungen Rheinlands mit rund 280 Mitgliedern zu werden. Als eine der ersten kaufte, sammelte und verkaufte sie Werke von Künstlern wie Max Ernst, Karl Schwesig, Otto Dix oder Gert Wollheim.
1947 starb Johanna Ey. Zahlreich sind Porträts, die von der freundschaftlichen Vertrautheit Johanna Eys mit «ihren» Künstlern sprechen. Man sieht sie schlafend, eingenickt auf Sessel oder Sofa, von einem der Künstler festgehalten, die in geselliger Runde nach Feierabend Cognac in ihrer Hinterstube tranken. Man sieht sie mit Strickzeug hantieren so wie sie vielleicht den Debatten, die in ihrer Küche geführt wurden, beiwohnte. Man sieht sie als «Glucke», unter deren bergendem Gefieder «Küken» hervorbrechen, oder als hingebungsvolle Raucherin der Marke «Bergmann Klasse».
Dargestellt ist sie aber auch in ihrer Rolle als Kunsthändlerin. «Mutter Ey bringt ihre Kisten ans Laufen» heißt ein sowohl zugetanes wie karikierendes Blatt von Johann Baptist Hermann Hundt: Die rundliche Frau mit Nickelbrille und Dutt schiebt mühsam Bilderkisten vor sich her, die die Gestalt eines widerborstigen Hühnervogels angenommen haben. Ebenso Hundts' «Mutter Ey beim Hängen»: Auf der Tuschzeichnung droht sie unbeholfen und linkisch von einer Leiter rücklings zu stürzen, während sie Bilder an die Wand zu bringen versucht. Dass Johanna Ey sich nicht nur als «gütige Mutter» verstand, zeigen Porträts wie das von Josef Pieper, auf dem sie als hitzige Spanierin eines ihrer Lieblingsmotive zu sehen ist.
Zweimal war Johanna Ey auf Mallorca zu Gast beim Künstler Jacobo Sureda, mit dem sie starke Gefühle verbunden haben sollen. Eine Zeichnung Suredas zeigt sie «nach einer großen Auseinandersetzung»: Zerknirscht, kleinlaut und traurig. Johanna Ey, der Max Ernst die Zeile «Großes Ey, wir lieben Dich!» widmete, hat sich auch Marlene Streeruwitz genähert. Die als feministische Autorin bekannte Österreicherin hat im Auftrag des Stadtmuseums einen Roman geschrieben. Dessen 37 Seiten hängen als «Schriftbilder» in kurzen, knappen Sätzen in der Schau.
(Internet: www.duesseldorf.de/stadtmuseum)
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